Zukunftshypothese: Tagging – Sehen wie der Terminator

Zukunftshypothese: Tagging – Sehen wie der Terminator

  • On 27. November 2012
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Im Rahmen meiner Arbeit und meines privaten Interesses für das Internet ansich, beschäftige ich mich immer auch mit der Frage „was kommt als nächstes?“ – „what´s next?“. Hierbei ist eine Annahme, das sich das Universum um Computer, eletronische Unterhaltung und Internet in der Regel auf Basis von technologischen Entwicklungen innoviert. Eine technologische Entwicklung kann hierbei sowohl Software als auch Hardware beinhalten. Meistens passt sich bei erfolgreichen Innovationen die jeweils andere Komponente an, um den entsprechenden Support zu liefern.

Ein einfaches Beispiel: Als die ersten CD Laufwerke für Computer auf den Markt kamen, wurden innerhalb weniger Monate auch die ersten Spiele veröffentlicht, die die Kapazität einer CD voll ausgereizt haben. Waren Spiele bis dahin auf die Diskettengröße von 1,44 MB limitiert (Erweiterbar indem man das Spiel auf mehrere Disketten kopierte, was aber sehr lästig war) konnten die Entwickler nun 650 MB auf einer CD verwenden. Diese neuen Spiele haben wiederum massiv den Absatz von CD Laufwerken angeheizt, wodurch erst die Skaleneffekte einer Massenproduktion zum tragen gekommen sind und sich die CD durchsetzen konnte.

Momentan beschäftige ich mich gedanklich viel mit der Innovation des Taggings. Tags gibt es heute im Internet ja bereits massig. Sei es, das ich diesem Blog Text Tags gebe, damit er indiziert werden kann, oder Tags auf einer Landkarte die andere User in einem kollaborativen Dienst dort gesetzt haben. „Tags“ kennzeichnen „etwas“ und liefern schnelle Informationen dazu. Wo steckt also die Innovation?

Die Innovation steckt beim Tagging in der Automatisierung. Heute findet „tagging“ weitestgehend manuell statt. Dadurch ist es inhomogen im Bezug auf Menge, zeitliche Nähe und vor allem Qualität. In Zukunft wird tagging automatisiert stattfinden, in dem Software mittels Abgleich von „Echtzeitinformationen“ und „Datenbankinformationen“ eine Übereinstimmung findet, validiert und entsprechende Informationen liefert. Das kann man in kleiner Dimensionen zum Beispiel schon bei iPhoto von Apple beobachten, das auf Basis manueller Tags Vorschläge für ein Autotagging macht. Ebenso bei Facebook, wo in einigen Ländern Fotos mittels Autotagging verschlagwortet werden – also konkret Personen verschlagwortet werden. Diese Autotagging kann natürlich auch mit „Gegenständen“ und „Orten“ passieren und mir insbesondere in einer fremden Umgebung eine Art „instant“ Hilfe bieten.

Als praktisches Anwendungsbeispiel mag man sich einen Citytrip in einer fremden Stadt vorstellen. Ein Analyse/Anzeigegerät (Brille, Beamer im Smartphone, Holoprojektor in der Jacke etc.) wertet konstant meine Umgebung aus und blendet mir relevante Informationen zu meiner Umgebung aus. Damit aus dieser Information kein Alptraum wird, müssen die Daten natürlich gefiltert werden, sodass ich jeweils gemäß einer Preferenz Infromationen erhalte. Das können dann sowohl besondere Shoppingangebote, als auch Infos zu Sehenswürdigkeiten, Verkehr, Personen und vielem mehr sein.

Je weiter man den Gedanken spinnt, desto mehr klingt es eigentlich nach Science Fiction – setzt aber letztlich doch nur auf immer der gleichen Technologie auf. Ein weniger „charmant“ klingendes Szenario dürfte zum Beispiel folgendes sein: Die Exekutive kann mittels Analyse/Anzeigegerät Infromationen zu allen Personen im Umfeld einblenden. Das können sowohl offene Haftbefehle, als auch polizeiliches Führungszeugnis, unbezahlte Strafzettel und vieles mehr sein. Auf Basis dieser Informationen kann ein Mitglied der Exekutive die „kriminelle Energie“ einer Person oder einer Menschenansammlung besser bewerten (kann dann natürlich auch gleich per Algorithmus automatisch passieren) und preventiv eingreifen, wenn Schwellwerte überschritten werden. Zum Beispiel Personenansammlungen auflösen wenn der Schwellwert für „kriminelle Energie“ überschritten wird. Letztlich bedarf es für ein solches Szenario „nur“:

– Ein Videosystem das die Umgebung scharf darstellen kann
– Eine Analysesoftware die alle Objekte rastern und mit einer Datenbank (zum Beispiel Personenregister) abgleichen kann
– Die Darstellung von Informationen für den Nutzer – vermutlich am besten in Form von Augmented Reality

Wirtschaftlich kann diese Entwicklung enormes Potential entwickeln. Bei Verbreitung solcher Devices würde sich zum Beispiel eine gänzlich neue Form von „Citymarketing“ ergeben. Klassische Werbeformen werden in den Hintergrund gedrängt und „location based tagged marketing services“ entwickeln sich zu einer gänzlich neuen Werbeform. Für Unternehmen wie Google liegt der Charme sicherlich darin, das hier an den Werbegeldern geplündert wird, die bislang in andere, für Google nicht erreichbare, Kanäle fließen. Marketing ist natürlich nur das offensichtlichste Beispiel. Sehr wahrscheinlich sich auch „professional Services“. So kann ich als Laie zum Beispiel eine Tätigkeit ausüben (Beispiel Laminat verlegen). Mein Device beobachtet meinen Fortschritt hierbei und bietet mir kontextbezogene Hilfe auf Basis einer „How to“ Bibliothek an. Als Nutzer muß ich an bestimmten Punkten dieses Services zahlen: Entweder auf Basis eines „free to use“ Modells, wo nur Teilbereiche bezahlt werden müssen, oder als „paid content“, wo ich das komplette „how to“ kaufen muss.

Meiner Einschätzung nach dürfte der Engpass heute noch in der Auswertung von Bildern und der Zusammenschaltung von Datenbanken liegen. Allerdings entwickelt sich auch dieser Bereich rasant und passende Devices gibt es bereits im Prototypenbereich – wie zum Beispiel die „Google Glass“.

Vor diesem Hintergrund würde ich davon ausgehen, das spätestens in 10 Jahren die ersten kommerziell nutzbaren „Tagging Dienste“ im täglichen Leben eingebunden sind.

 

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