Woran Digitalisierung scheitert

Woran Digitalisierung scheitert

  • On 21. Juni 2016
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Vor einigen Wochen gab es Daten aus einer Studie von/für etventure, die Hemmer und Treiber der Digitalisierung in Unternehmen beleuchtet hat. Befragt wurden 2.000 Unternehmen mit einem Umsatz von über 250 Millionen Euro. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Wenn es mit der Digitalisierung nicht klappt, sind die anderen schuld!

bremserBei einem genauen Blick auf die genannten Ursachen finde ich positiv, das die Akzeptanz unter den Mitarbeitern inzwischen wohl keine echte Rolle als „Bremser“ mehr spielt. Das war vor wenigen Jahren noch dramatisch anders und zeigt deutlich, das die Belegschaften im Gros verstanden haben, das eine Digitalisierung unausweichlich ist. Viele der übrigen Hemmnisse sind allerdings schockierend.

So erscheint es beispielsweise fahrlässig, das Unternehmen keine ausreichenden Budgets allokieren, Zeit zur Umsetzung fehlt oder Fachkräfte mangeln. All dies und viele weitere Punkte lassen auf eine unzureichende Priorisierung schließen, da bei den meisten dieser Unternehmen davon auszugehen ist, das sie über ausreichende Resourcen verfügen sollten.

Ein weiteres Problemfeld das mir häufiger begegnet ist das „Mindset“. Es äußert sich beispielsweise in der Verteidigung der bestehenden Strukturen, dem Mangel an radikalen Entscheidungen und dem Erfahrungsmangel an nutzerzentriertem Verhalten. All dies sind Themen die sich nur bei einem etablierten Unternehmen finden werden und bei denen der „New Economy“ Wettbewerb deutlich im Vorteil ist.

Ein passendes Beispiel ist hier eine Kundenwert-Diskussion. Ich befrage, sofern möglich, gerne jeden Unternehmer (Unternehmensvertreter) was ein Kunde Wert ist und was das Unternehmen ausgeben muss, um einen Kunden zu gewinnen. Bei den Unternehmen der New Economy wissen die meisten diese Frage zu beantworten und die es nicht können, verstehen zumindest den Fragenansatz. In tradierten Umfeldern stößt die Frage meistens auf Unverständnis. Gerne wird entgegen gehalten, das man den Kunden ja gar nicht kenne, weil er durch den Vertreter/Zwischenhandel etc. bedient werden. Man arbeite als „nur“ mit den Mittelsmännern. verantwortung

Meiner Erfahrung nach bietet „Digital“ als Vertriebskanal vor allem die Chance, neue Marktpotentiale anzuzapfen und Marktwachstum dosiert und ökonomisch überwacht auf Sicht zu fahren. Wer seinen Kundenwert und Kundenkosten nicht kennt, hat diese Möglichkeit zunächst nicht. Zum anderen öffnet er aber auch seine Verteidigungsflanke und erlaubt es Wettbewerbern, die diese Fragen beantworten können, im besetzten Marktumfeld zu wildern. Aber auch in prozessbezogenen Aspekten ist es wertvoll zu verstehen, welchen Impact eine Prozessveränderung auf das Unternehmen haben kann. Dort wo kein Bewusstsein besteht, wird es schwer diese Frage sauber zu beantworten.

Digitalisierung muss immer von einem entsprechenden „Changegedanken“ begleitet werden. Es handelt sich nicht um die reine Einführung „von einer neuen Technologie“. Tatsächlich werden nahezu alle Arbeitsbereiche erfasst und jeder Mitarbeiter und Kunde wird die Auswirkungen zu spüren bekommen. Umso wichtiger ist auch, das Digitalisierung als „Chefsache“ verstanden und gelebt wird (siehe auch hier). Chefsache, weil es von elementarer Relevanz ist. Mitwirken müssen am Ende im Unternehmen alle Bereiche. Umso erschreckender die Aussagen dazu, wer tatsächlich Digitalisierung in den Unternehmen treibt.

Erfahrungsgemäß gibt es einen „blinden Fleck“ zwischen gefühlter Verantwortlichkeit in der Belegschaft und der organisatorisch zugedachten. Umso wichtiger wäre jedoch, das bei Unternehmen dieser Größenordnung in 100% der Fälle das Top-Management als „verantwortlich“ gesehen wird. Dort wo Projekte dieser Größenordnung in Fachbereichen wie Stabstellen, Marketing, IT Abteilungen oder „sonstigen“ geparkt werden, ist schon vorprogrammiert, das die Ziele nicht erreicht werden können. Letztlich setzt man damit die Existenz des Unternehmens aufs Spiel.

Wer Interesse an diesem Thema hat, ist auch herzlich eingeladen zum „Digitalfrühstück“ im Hamburger Businessclub am 15.07.2016 um 09.00 Uhr. Ich würde mich freuen.

Auch spannend: Fehlerkultur und Teamwork – dann klappt es auch mit dem digitalen Geschäftsmodell

 

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