Wie Nokia, Android und andere Apple vernichten können

Wie Nokia, Android und andere Apple vernichten können

  • On 10. Dezember 2012
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Gut – die Überschrift mag jetzt erst mal sehr reißerisch klingen. Vernichten wird Apple wohl erst mal lange niemand – außer Apple vernichtet sich selber, was es ja schon mal fast getan hätte. Die Überschrift soll vor allem erst mal Leser aus den Weiten des Internets auf diesen Artikel bringen.

Worum geht es dann? Darum, das Apple – insbesondere mit dem iPhone – den Zenit überschritten hat oder gerade dabei ist und das es schon lange keine so große Chance für Nokia, Motorola, Samsung und Co gab, das iPhone vom Thron zu stoßen.

Wie komme ich da drauf? Die Absatzzahlen für das iPhone5 sind ja besser denn je. Siehe auch die Grafik von Statista statista-iPhone-verkaufszahlenhier im Artikel. Hier ist gut zu sehen, das der Absatz der Hardware mit jeder Generation stark zugenommen hat. Meine Annahme hierzu ist, das „Bestandskunden“, oft auf die nächste Generation wechseln und ihr Altgerät preiswert abgeben. Diese Kunden der „Altware“, kaufen sich dann oft beim nächsten Release auch Neuware. Hinzu kommt, das Smartphones natürlich immer weiter verbreitet werden. Außerdem ist das iPhone natürlich weiterhin „die Creme de la Creme“ im Smartphone Bereich. Niemand kommt wohl umhin zuzugeben, das die Apple Geräte:

a) Den Smartphonemarkt auf besondere Weise bereitet haben und dieses Image immer noch vorhandenb) Besonders „vollkommen“ wirken im Bezug auf Design, Handhabung und das Zusammenspiel von Hardware und Software

Dennoch gehe ich davon aus, das mit der übernächsten oder übernächsten Generation (wahrscheinlicher), der Einbruch kommen wird. Aktuell haben wir das iPhone5 – von der bisherigen Modellpolitik ausgehend wird es danach das „iPhone5 V.2“ geben (Herbst 2013), das geringe Verbesserungen gegenüber dem aktuellen Modell vorweisen wird. Danach wird das iPhone6 kommen. Hier sehe ich als große Gefahr, das Apple weiterhin das durch das iPhone5 entstandene Innovationsvakuum nicht füllt. Hiermit meine ich, das das iPhone5 nur wenig echte Innovationen gegenüber dem 4s bietet. Die Verbraucher werden erwarten das diese Innovationen mit der 6er Generation nachgeholt/aufgeholt werden (Herbst 2014) – ganz besonders zumal neue Geräte von Nokia (insbesondere Foto) und Samsung (Geschwindigkeit, Displaygrößen und NFC) bereite Techniken anbieten, die Apple noch nicht zu bieten hat. Dennoch wird der „Layoutwechsel“ beim Gehäuse diese Lücke wohl erst noch schließen und die meisten iPhone4s und iPhone5 Nutzer wieder zum Wechseln bewegen. Am wahrscheinlichsten halte ich den Absturz für die Generation iPhone6 V.2 – das dürfte dann Herbst Herbst 2015 sein.

Die Hauptgründe für den Absturz sind:
a) Immer weniger User sind bereit sich dem geschlossenen Hardware/Softwaresystem von Apple zu unterwerfen
b) Andere Hardwarehersteller werden immer mehr Innovationen anbieten und Apple Geräte abhängen – auch da sich die anderen Hersteller in Allianzen zusammenschließen um Apple zu überholen
c) Das Appleimage leidet immer stärker durch Probleme wie: Antennagate (iPhone4), Steckergate (iPhone5), Arbeitsbedingungen in der Produktion, mangelhafte Materialqualität beim Gehäuse (iPhone5, schwarze Version)
d) Last but not least hat bald „jeder“ ein Appleprodukt – damit enfällt ein Merkmal der Differenzierung für den Kunden. Rational wird natürlich kaum jemand zugeben, das dies eine Rolle spielt, aber dennoch ist Apple bisher auch immer ein „Sytelprodukt“ gewesen. Apple selbst hat sich als „Nischenprodukt“ seinerzeit positioniert und wurde auch zu Beginn der jetzt herrschenden Vormachtsphase von den „first movern“ getrieben. Das lässt sich meiner Meinung nach sehr schön am bekannten „1984“ TV-Spot von Apple erkennen – hier zu sehen auf Youtube

Es mag philosophisch wirken, aber gerade aus der Kombination von a) und d) ergibt sich dauerhaft ein Problem. Apple ist seinerzeit angetreten um den Usern die Befreiung aus dem IBM Einheitsgrau zu ermöglichen und eine lebhafte, nutzerorientierte und fortschrittliche Oberfläche zu bieten. Das alles tut Apple auch – allerdings hat Apple in diesem Zuge ein restriktives System gebaut – gemeinsam mit anderen Industriegrößen. Als Nutzer bin ich gezwungen Apple Produkte mit dem einen Betriebssystem zu betreiben. Über die Verbindung aus Betriebssystem und Hardware hat Apple volle Kontrolle darüber, wie und womit ich das jeweilige Device betreiben kann. Bei iPhone und iPad wird diese Kontrolle noch gesteigert, da ich nur aus dem Apple Appstore Programme installieren kann. Was Apple also nicht „freigibt“, wird nicht genutzt werden können. Das stellt für mich als Nutzer eine eklatante Limitierung dar und sorgt auch Dauer – mit zunehmendem Wettbewerb im Appstore – für Unbehagen bei den Programierern. Zu oft ist die Genehmigungspolitik von Apple nicht nachvollziehbar, bzw. gibt Anlaß für Verschwörungstheorien. Zu glauben die Auswahl von Apps basiere rein aus „mathematischen“ Parametern ist jedenfalls ziemlich naiv. Die Kontrolle gegenüber dem Nutzer äußert sich an vielen Beispielen deutlich:
– iPad und iPhone können kein Flash
– bei iOS6 bin ich gezwungen die neue Karten App zu installieren – eine funktionierende Google-Maps Version gab es lange Zeit nicht – kann nun downloaded werden – stellt sich die Frage wie lange, wenn Apple seinen eigenen Maps-Dienst renoviert hat
– Gekaufte Audio/Videodateien aus iTunes können nur sehr restriktiv zwischen Geräten getauscht werden. Das merkt man dann sehr deutlich, wenn man Bibliotheken verbinden will (wollten meine Frau und ich) oder wenn man inzwischen über 6 Geräte angemeldet hat und die alten schlicht und ergreifend nicht abgemeldet hat. Da diese aber nicht mehr exisitieren (oder verkauft sind), kann man dies nun auch nicht mehr = Viel Spaß mit dem Apple Customer Care
– Ich kann nur kaufen, was in den Stores angeboten wird. Musik oder Videos von außerhalb dieser quellen zu beziehen geht zwar – ist aber unkomfortabel und deutlich komplexer als mit anderen Produkten

Das alles ist letztlich nur ein Auszug – und in Summe schon deutlich mehr „1984“ als IBM jemals zu bieten hatte, sowohl der Zeit aus der der Werbespot stammt, als auch heute. Das alles wäre aber im Grunde egal, wenn es nur einige wenige Nörgler wie mich zum Beispiel stören würde. Je länger sich die Nutzer aber unter der „Apple Glasglocke“ befinden, desto stärker wird der Drang nacht etwas freierem. Ich referenziere da gerne auf meinen Kollegenkreis. Die Smartphonedichte dürfte hier bei ca. 90% liegen. iPhone macht etwa 50% aus.Von diesen 50% wiederum sind geschätzt 75% mit iTunes und dem Appstore unzufrieden. Insbesondere unter den Technikern hat daher bereits komplett ein Wechsel auf Android stattgefunden. Ich würde jetzt davon ausgehen, das aus der restlichen iPhone Gruppe jetzt immer mehr Leute nachziehen und auf Nokia (Wndows8) oder Android (meistens Samsung) wechseln.

Ich hätte das vermutlich auch schon getan: Allerdings ist mir beim genaueren Durchdenken bewusst geworden, das ein Betriebssystemwechsel auch einiges an Wechselaufwand mit sich bringt. Ich gebe zu: Der Wechselaufwand hat mich abgeschreckt und dafür gesorgt, das ich doch bei Apple geblieben bin. Ich bin mir sicher, das ich nicht der einzige bin. Ich könnte mir vorstellen, das wenn Nokia oder Samsung einen „Wechselservice“ anbieten würden, deutlich mehr User umstellen würden. Erste Ansätze dazu gibt es bereits – leider nur für Apps. Könnte man auch mittels „Service“ seine Daten – insbesondere Audio und Video – übertragen: Ich wäre schon weg, aus der Apple Abhängigkeit.

Ich kann mir allerdings gut vorstellen, das es solche Services in naher Zeit noch geben wird. Diese sind dann vielleicht auch gleich in der Lage die Vorteile der Hardware anderer Hersteller besser auszunutzen. So fände ich eine sinnvolle und funktionierende Integration von NFC (near field chips) super spannend und wäre mehr als Begeistert, wenn ich quasi im „Vrobeigehen“ mit dem Smartphone bezahlen könnte. Auch die wirklich starke Kamera von NOKIA spricht mich sehr an und von einem System wie Windows8 würde ich mir mehr Offenheit wünschen. Insbesondere auch deshalb, weil Apple mit der „Flash Dioktrin“ bislang erfolgreich versucht externe Entertainment Plattformen auszusperren. Ich könnte mir vorstellen, das HTML5 das Gleiche Schicksal droht, wenn es sich auf Dauer weiter etabliert.

Last but not least leidet Apple immer mehr unter den Imageaspekten. Hier sei zunächst der Umgang mit Produkteigenschaften wie dem Stecker oder Gehäuselackierung bei der aktuellen Generation genannt. Selbst echte Apple-Fan-Boys regen sich dauerhaft über die schlechte Lackierung auf. Einige haben bereits 3 – 4 Austauschgeräte von Apple bekommen. Unter massivem Zeitaufwand für sich selbst und mit echtem Stress für die armen Applemitarbeiter die schon die ganze Motiavtionmassage über sich ergehen lassen müssen. Diese ewige Umgetausche frisst dann selbst den Rohgewinn von circa 600 US Dollar je iPhone auf. Schwer verständlich bleibt dabei allerdings, das Apple weiterhin scheinbar wenig für die Arbeitsbedingungen seiner verlängerten Werkbank in China unternimmt. Dazu nur mal zwei Videoquellen: hier und hier.Klar….ich weiß….die anderen sind auch nicht besser und so. Trotzdem: Es will mir einfach nicht in den Kopf, wie ein Unternehmen wie Apple, das sich als „anders“ und „innovativ“ sieht, so viel Gewinn erwirtschaften kann und dennoch auf der Produktionsseite so sehr an der Kostenschraube dreht – zu Lasten derjenigen die die Produkte bauen. Da mag es aktuell vielleicht keine echte Alternative geben, weil die anderen Hersteller zu ähnlichen Bedingungen produzieren: aber es bietet eine sehr große Angriffsfläche für Anbieter, die dann „bessere“ oder gar „menschlich korrekte“ Bedingungen bieten und nutzen und sinnvoll vermarkten. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, das „menschenwürdige Produktionsbedingungen“ ein echter Wettbewerbsfaktor werden in der Zukunft.

Zusammengefasst sind die Hauptangriffspunkte gegen Apple also:
– freie Softwareplattform
– neue Hardwarefeature
– „Umzugsservice“- ethisch einwandfreie Produktionsbedingungen

Ich denke, da geht was und warte gespannt darauf ob ich mit meiner Prognose wenigstens einigermaßen treffen werde :-)

 

 

 

 

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