Wenn Deine Zeit abgelaufen ist – warum Unternehmen wie Nokia oder Kodak sterben

Wenn Deine Zeit abgelaufen ist – warum Unternehmen wie Nokia oder Kodak sterben

  • On 27. Oktober 2016
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Digitalisierung wird gerne als technische Angelegenheit verstanden. Als Unternehmen beauftrage ich meine IT Abteilung (oder vergleichbares) damit, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. In der Regel wird dann auch irgendwas gemacht. Sinnhaftig wird das nur in Ausnahmen sein, denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck und kein „IT Thema“, sondern ein Change Prozess. Also: Digitalisierung –> Disruption –> Transformation; wobei eine Disruption nicht zwingend stattfinden muss.

Digitalisierung ist ein Change Prozess ist korrekt und gleichermaßen wenig Aussage stark. Konkret bedeutet es, das sich die Umgebung in der Unternehmen aktiv sind verändern. Konsumenten verändern Ihre Anforderungen und Wünsche an Produkte und Märkte. Ebenso verändern sich Produktionsmethoden, Verfahren, Abläufe und vieles mehr. Diese Neuerungen werden zwangsläufig durch neue Unternehmen im Markt genutzt – und durch eben jene, die regelmäßig modernisieren und innovieren. Wer sich verändert und anpasst landet zwangsläufig in einem „Digitalisierungsprojekt“, denn die absolute Mehrzahl, wenn nicht alle, Veränderungen sind nun digitaler Natur.

Je teifgreifender die Änderungen auf das Marktumfeld und den Verbraucher sind, desto eher können neue Geschäftsmodelle resultieren, bzw bestehende Modelle attackiert werden. Diese Enflüsse auf das Geschäftsmodell sind auch die größte Herausforderung für Unternehmen – hier besonders auch für die bislang erfolgreichen. Denn wer mit seinem Unternehmen gutes Geld verdient, wird versuchen eine Veränderung am Status Quo so lange als möglich zu verhindern oder zu verschieben. Doch eben genau das ist sehr gefährlich und hat schon einst überaus erfolgreiche Unternehmen in den Abgrund getrieben. Das wohl bekannteste Beispiel ist Kodak, die mit dem Systemprodukt Negativfilm horrende Umsätze und Margen produziert haben. Kodak ist auch (der?) Erfinder der Digitalfotografie und besaß über 1.000 Patente zu Digitalfotografie. Dennoch hat die Marktdurchdringung der Digitalfotografie Kodak binnen weniger Jahre vom Markt gefegt. Nokia passierte etwas vergleichbares mit weniger finalen Konsequenzen bei der Einführung des iPhone. Hierzu ist auch der eingebundene Videoschnipsel sehenswert (übrigens aus einer in Summe extrem spannenden Reportage zu eMobilität und der Gefahren für die deutsche Automobilindustrie), dem ich die Informationen zu Kodak entnommen habe:

Dennoch tendieren viele Unternehmensführer und Inhaber dazu, die Veränderungen in ihrem Bereich für weniger relevant zu erachten. In der Regel eine Frage der Wahrnehmung: die Erfolge der Vergangenheit überwiegen in der Risikoabwägung etwaige Changen und Risiken der Zukunft. Deshalb tendieren Entscheider bei unklaren Situationen häufig dazu, auf bewährtes zu setzen. Es ist sicherlich nicht leicht, dafür eine sinnvolle Gegenbewegung zu finden. Meiner Erfahrung nach ist es deshalb umso wichtiger, das bestehende Geschäftsmodell und die Einflüsse aktueller und kommender Veränderungen auf das Modell sehr kritisch zu untersuchen. Hierfür eignen sich Stratgierunden mit festen Zyklen (je nach Innovationstempo alle 3 – 24 Monate) sehr gut. Ebenso ist es hilfreich das Diskussionspanel so zu erweitern, das nicht nur Managementsichten erörtert werden, sondern auch eine Frischluftbetankung stattfindet, denn oftmals sehen außenstehende oder interne Experten Sachverhalten diametral anders als das Management. Die Bewertung der bestehenden Wertschöpfungsmodelle und die Erarbeitung neuer Ansätze ist in jedem Fall eine der wichtigsten Aufgaben der Unternehmensführung. Ein Grund mehr, warum Digitalisierung Chefsache sein muss.

 

 

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