Wege aus dem Einzelhandelssterben – Schuhe24 als Alternative zu Amazon?

Wege aus dem Einzelhandelssterben – Schuhe24 als Alternative zu Amazon?

  • On 2. Oktober 2017
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Nach einer langen Sommerpause melde ich mich mal wieder aus der Welt des Handels zurück. Durch meine eigenen Produkte lerne ich jeden Tag mehr über Amazon und über Marktplätze allgemein. Das Prinzip des Marktplatzes ist in der heutigen Zeit extrem stark und Anbieter wie Amazon, die dem Verbraucher echte Mehrwerte bieten, vereinen viele Trümpfe auf sich. Ich freue mich schon auf das kommende Weihnachtsgeschäft…

Was des einen Freud, ist des anderen Leid, gilt auch hier. Der traditionelle Handel leidet mehr und mehr unter Online und in vielen Branchen auch besonders unter Amazon. Ich hatte schon mehrfach darüber geschrieben (1, 2), das in Deutschland beispielsweise im Handelsbereich ein netto Verlust von Einzelhändlern in den kommenden Jahren zu erwarten ist. Und für den Händler ist es weiterhin schwer, oder immer schwerer, eine sinnvolle Strategie für den Umgang mit „Digital“ zu entwickeln. Es ist schlicht nicht rentabel, das sich jeder Händler seinen eigenen Webshop baut und diesen betreibt. So bringt der Impuls „jetzt auch was online zu machen“ dann oftmals eher Kosten ohne Aussicht auf Amortisation mit sich. Ich denke das es weiterhin auch anders geht, aber es gibt keine Blaupause die funktioniert und die einfach anwendbar wäre.

Aber es ist nicht nur das Thema „Digital“, das den Handel immer mehr in die Enge treibt. Ein anderes Problem sind strukturelle Verwerfungen. Etwa ist trotz immer mehr Leerstand in den Flächen der Trend zu neuen Shoppingzentren ungebrochen. So sind hier in Hamburg zum Beispiel aktuell zwei Mamutprojekte (für hiesige Verhältnisse) in der Planung. „Die größte Mall Hamburg´s“ soll in der Hafencity gebaut werden und eine weitere Shoppingmall soll an den neuen Fernbahnhof in Altona angegliedert werden. Zusammen etwa so viel Angebot wie die Mönckebergstraße – die größte und meist frequentierte Einkaufsstraße in Hamburg –  bietet. Da kann ich mich nur fragen, wo die ganzen Kunden herkommen sollen. Aber auch im Kleinen erscheint mir der Handel oft wenig innovativ. Ein weiteres Beispiel aus Hamburg ist die Waitzstraße. Das ist eine stark frequentierte Einkaufsstraße im Hamburger Westen mit etwa 100 Geschäften. Vor allem Spontankäufe durch junge Familien und allgemeine Käufe durch Senioren sind hier zu finden. Dennoch leidet auch die Waitzstraße unter einem nahen Einkaufszentrum und vermutlich auch online. Nun haben sich die Händler dieser Einkaufsstraße zusammen getan und wollten „modernisieren“ um attraktiv zu bleiben. Meine Überlegung war hier beispielsweise mit Blickrichtung auf die relevanten Kundengruppen neue Convenience Services anzubieten und so den Einkauf auf der Waitzstraße attraktiv zu machen. Doch weit gefehlt: Modernisierung bedeutet am Ende neues Pflaster, neue Laternen und neue Parkbuchten für die Autos. Sieht zwar nett aus, erscheint mir aber wenig innovativ oder zukunftsweisend – zumal die alte Lösung wirklich noch okay war.

Schuhe24 im Netz

Schuhe24 im Netz

Doch es geht auch anders. So kam ich vor einiger Zeit auf Schuhe24, das einen sehr spannenden Ansatz bietet. Im Netz sieht Schuhe24 wie ein größerer Schuhhändler aus. Als Kunde habe ich die Qual der Wahl aus einer für mich schier unendlichen Zahl von Schuhmodellen. Es gibt die üblichen Filter und Tools, die mir bei der Auswahl helfen sollen. Nach dem Kauf, der durch Conveniencelösungen wie Paypal-Express oder Amazonpay vereinfacht wird, führt die Bestellung aber ein lokaler Schuhhändler aus. Denn die Schuhe24 Oberfläche ist nicht „ein Händler“, sondern auch ein Marktplatz der die Angebote von gut 120 Schuhhändlern mit 500 Filialen aggregiert. Die Händler können Mitglied bei Schuhe24 werden und danach Ihre Warenwirtschaft an das Schuhe24 Backend andocken. Hiernach kann der Händler dann selektieren, welche Waren er online mit anbieten will – die entsprechenden Artikel werden dann im Schuhe24 System gelistet. Im Falle das ein Produkt von mehreren Händlern angeboten wird, entscheidet die räumliche Nähe bei der Auswahl – so unterstützt Schuhe24 auch noch den Gedanken, die lokalen Infrastrukturen zu erhalten. Was ich auch für sehr wichtig halte ist, das das Angebot von Schuhe24 weitestgehend automatisiert auch auf Amazon gepusht wird – so wird der Angebotsraum noch mal erweitert.

Doch Ware verkaufen ist ja nur die halbe Miete. Im echten Leben haben Kunden Fragen, Retouren und noch einiges mehr. Auch hierum kümmert sich Schuhe24, sodass eine gleichbleibende Servicequalität gewährleistet ist. Für die Händler in der Schuhe24 Lösung ist es gleichermaßen ein „rundum Sorglos“ Paket. Im Gespräch mit dem Gründer, Dominik Benner (selber Schuhhändler in X-ter Generation), habe ich erfahren, das die Händler mit dem Angebot durchaus beachtliche Performance erzielen. Die kleinsten verkaufen um 100 Paar Schuhe im Monat über den Schuhe24 Marktplatz – einige aber auch 6 – 7.000 Paar im Monat. Das dürfte mehr sein, als viele Filialen je erzielen können im Monat.

Dominik Benner hatte mir auch verraten, was die Händler zahlen müssen. Hier fallen 3€ je verkauftem Paar Schuhe und 2€ je Retoure an. Als Amazon Händler weiß ich, das das ein echter Kampfpreis für den Service ist. Allerdings geht Dominik davon aus, das der mit Schuhe24 gewählte Ansatz auch eine maximale Größe hat, die bald erreicht sein dürfte. Es macht keinen Sinn den x-ten Laden aufzunehmen, der eine Kopie eines anderen Ladens ist. Die beteiligten Händler müssen einen Mehrwert, einen Deckungsbeitrag, erzielen können. So wird Schuhe24 vielleicht demnächst seine volle Ausbaugröße in Deutschland erreicht haben – das System scheint mir allerdings auf im Grunde jede Branche anwendbar zu sein. Schuhe24 ist ein schönes Beispiel für eine interessante Branchenlösung für einen gut funktionierenden Marktplatz. Es kann spannend sein das weiter zu beobachten – mal schauen ob Amazon irgendwann kaufen möchte…

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