Was tun, wenn der Kunde nicht zahlt? Ein Erfahrungsbericht

Was tun, wenn der Kunde nicht zahlt? Ein Erfahrungsbericht

  • On 24. Januar 2017
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gerichtsvollzieherDieses Jahr war leider noch nicht viel Zeit für Blogbeiträge. Der erste nun zu einem besonders unangenehmen und gleichermaßen wichtigen Thema: Zahlungsmanagement. Oder noch genauer: Wie bekomme ich als Unternehmer/Freiberufler mein Geld.

Auch wenn es auf der Hand liegt, ein kurzer Abstecher zum Antrieb: Leistungen erbringen, Waren verkaufen, Rechnungen schreiben. Alles toll. Am Ende kann man aber selber nur ausgeben, was man auch an Geld herein bekommt. Deshalb ist es essentiell, sich auch um den Geldeingang zu den gestellten Rechnungen zu kümmern. Das liegt nicht jedem, weshalb leider immer wieder auch Unternehmer insolvent gehen, die eigentlich ein volles Rechnungsbuch haben.

Hier ein Erfahrungsbericht dazu, bei dem ich selber auf die harte Tour gelernt habe, wo die Grenzen verlaufen (können):

In 2013 habe ich nebenberuflich einige, kleinere Beratungsprojekte gemacht. Bei einem Kunden war wir uns damals beidseitig zu Projektbeginn mit der Steuersituation nicht klar. Wir wollten aber nicht bis zur Klärung warten, sondern anfangen. Wir einigten uns darauf, das netto abgerechnet wird, da wir annahmen, das keine USt fällig würde. Sollte dies doch der Fall sein, würde die USt von mir nachberechnet und sofort fällig. Ich leistete das Projekt und rechnete wie geplant netto ab. Einige Monate später, im Rahmen der ESt Erklärung für 2013, ergab sich dann, das doch USt zu zahlen wäre. Der Betrag lag bei gut zehntausend Euro.

Ich zahlte erst mal die Steuer, erstellte eine Nachberechnung und dachte mir nichts böses. Es schien okay, ein paar Wochen das Geld vorzustrecken. Das war im Februar 2014. Mein Kunde meldete sich allerdings plötzlich nicht mehr bei mir. Nach 6 Wochen war das Geld noch nicht da. Ich hakte nach und erfuhr, das man mit der Zahlung warten wolle, bis man selber das Geld vom Finanzamt im Rahmen des USt Ausgleich erhalten habe. Das solle aber quasi zeitnah stattfinden. Fand ich nicht toll, wollte aber keinen Ärger machen, da bis hierhin alles gut gelaufen war. Mit diesem Status ließ ich mich dann etwa sechs Monate hinhalten. Da ich zu der Zeit beruflich sehr stark eingespannt war, vergaß ich dann auch immer wieder, mich darum zu kümmern, den Fristen nach zu setzen. Über einen Mitarbeiter beim Kunden erfuhr ich dann aber irgendwann, das das Geld vom Finanzamt für den Ausgleich wohl schon lange da wäre. Ich erhöhte also meinen Druck, ohne aber formal einen Schritt zu unternehmen – weiterhin, weil ich den bis dahin guten Kunden nicht verärgern wollte. Ich wusste auch, das der Hauptgesellschaft der GmbH sehr solvent ist. Da will man es sich natürlich nicht verscherzen und geht sicher davon aus, sein Geld zu bekommen. Im November schien mir dann allerdings die Stillhaltezeit abgelaufen zu sein. Nach einigen weiteren, bittenden E-Mails und Telefonaten, stellte ich zunächst eine Zahlungserinnerung aus, danach eine Mahnung und eine weitere – denn es tat sich weiterhin nichts.

Anfang 2015 hatte ich meine gut zehntausend Euro immer noch nicht. Alle bisherigen Schreiben waren ignoriert worden. E-Mails und Telefonate von mir wurden nicht mehr beantwortet. Ich beantragte einen gerichtlichen Mahnbescheid (geht übrigens recht bequem online) und zahlte gut 600 Euro Verwaltungskosten. Der Schuldner kann widersprechen, wenn er die gerichtliche Mahnung für unzulässig hält – und Überraschung: so kam es dann auch. Widerspruch ohne Begründung. Um nun an mein Geld zu kommen, musste ich gerichtlich einen Titel erwirken – also vor Gericht bestätigen lassen, das mir die Forderung zustand.

Ich suchte mir einen Anwalt, den ich mit dem Sachverhalt beauftrage. Hierbei beging ich den Leichtsinn, einem über der BRAGO taxierenden Stundensatz zuzustimmen (ich genehmigte also, das der Anwalt mehr Geld für seine Leistung abrechnnen würde, als das Verfahren nach Gebührenordnung kosten würde. Das ist vollkommen legitim zwischen Anwalt und Klient – bedeutet aber, das man sich in ein besonderes Kostenrisiko begibt – was noch relevant werden wird). Der Anwalt ging der Sache nach und stellte erst mal eine Vorschußrechnung aus über gut 1.000 Euro. Das Schuldnerunternehmen war inzwischen umfirmiert und von Hamburg nach Berlin verlegt. Das Verfahren wurde als Resultat hieraus nach Berlin übergeben und es kam zu seinem Gerichtstermin in Berlin. Der Termin war im Spätherbst 2015. Inzwischen machte ich mir doch Sorgen, das der eigentliche Schuldner das Unternehmen (eine GmbH) ausbluten lassen würde. Ich hatte mitbekommen, das es noch andere offene Verbindlichkeiten gab. In dem Fall wäre mein Geld wohl mehrheitlich oder komplett weg. Der Gerichtstermin in Berlin war dann erfreulich positiv. Entgegen dem Versuch des Schuldners, den Prozess zu verschleppen, urteilte der Richter direkt und auch noch komplett in meinem Sinne. Es war im Oktober 2015, das ich also einen gerichtlichen Titel gegen meinen Schuldner in der Hand hatte. Ich dachte mir, das es ja nun nur noch eine Frage von Tagen sein würde, bis ich mein Geld haben würde.

Weit gefehlt: Es dauerte dann erst mal bis Januar 2016 bis der Titel zum Urteil beim Anwalt war. Ohne Titel keine Handhabe. In der Zwischenzeit bekam ich eine Zwischenabrechnung und zahlte noch mal an den Anwalt. Auf der anderen Seite war der Schaden der mir zu erstatten war um Zinsen und Auslagen angewachsen. Hierbei kann dann aber nur geltend gemacht werden, was der Gebührenordnung entspricht. Den „Mehrpreis“, dem ich zugestimmt hatte, konnte ich hier also nicht eintreiben lassen, was letztlich meinen zu erhaltenden Betrag reduzieren würde.

Aber um überhaupt etwas zu erhalten, musste man auch wirklich was bekommen. Nach Erhalt des Titel gab es plötzlich Post vom Zahlungspflichtigen. Er bot einen Ratenzahlungsplan, der allerdings eher als Hinhaltetaktik wirkte. Die Tilgung hätte mehrere Jahre in Anspruch genommen und ich hätte etwa 40% der Summe verloren durch die aufgelaufenen Gebühren und Zinsen, die er nicht zahlen wollte. Ich lehnte also ab und erwirkte über meinen Anwalt einen Pfändungsbeschluss für einen Teil der Gesamtsumme (hier alle Gebühren und Gerichtskosten; ca 2.000€) und einen Pfändungsbeschluß für das Geschäftskonto des Unternehmens. Der Gerichtsvollzieher war relativ schnell auch erfolgreich und konnte das Geld wider erwartend im Büro des Unternehmen eintreiben. Das Geld ging allerdings komplett an den Anwalt, da mir dieser netter Weise seiner Seits Rechnungen gestundet hatte. Das war im Mai 2016. Die Bank hatte sich nicht gerührt, wobei es auch bleiben sollte. Der Umstand das die Bank in Österreich liegt, machte es im Grunde unmöglich, die Durchsetzung des Pfändungsbeschluss zu erzwingen, oder gar eine Rückmeldung hierzu zu bekommen. Wir wurden schlicht und einfach ignoriert. Um nicht ins Leere zu laufen, änderten wir die Pfändung des Bankkonto auch in eine Pfändung durch den Gerichstvollzieher. Beim Amtsgericht in Berlin war aber leider nun Ferienzeit und der neue Beschluß kam dann erst im September 2016 zurück. Im November 2016 kam dann Post vom Gerichtsvollzieher, das das Büro geräumt gewesen wäre. Es ließ sich aber zum Glück eine Folgeanschrift einer nun wieder umfirmierten Nachfolgegesellschaft ermitteln, die nun in der Zahlungspflicht stand.

Als ich dann schon nicht mehr daran glaubte, jemals etwas von diesem Geld zu bekommen, erhielt ich Post vom Gerichtsvollzieher, das für den 11.01.2017 ein Termin für den Schuldner im Büro des Gerichtsvollzieher zur Abgabe einer Vermögenserklärung angesetzt worden wäre. Klang nicht gut – mir schien, das der Geschäftsführer vermutlich insolvenz für die Gesellschaft erklären würde, bzw. dieses dann bereits getan haben würde.

Es wäre spannend zu wissen, was nun auf Schuldnerseite passierte. Der Hauptgesellschafter der Schuldnerin ist recht vermögend; der Geschäftsführer ein vergleichsweise junger Mann. Ich vermute es wird dort ein paar Gespräche gegeben haben. Jedenfalls erschien der Geschäftsführer am 11.01. dann und zahlte den offenen Restbetrag bar ein. Ich muss zugeben, das ich damit nicht mehr gerechnet hatte. Ich ging davon aus, das das Geld plus noch offene Anwaltskosten weg wäre. Inzwischen habe ich den Differenzbetrag erhalten. Nach Abzug aller im Voraus geleisteten Gebühren und Co sind aus den gut 10.000€ zwar nur noch 7.000€ geworden, aber ich muss an der Stelle wohl froh sein, überhaupt etwas bekommen zu haben. Ich habe aus dem Vorgang eine Menge gelernt, das ich hier gebündelt gerne mal weitergeben möchte:

  • setzt Euch klare Deadlines, wie lange ihr auf den Rechnungsausgleich warten wollt
  • wenn der Ausgleich dann nicht erfolgt ist, tätig werden und erst erinnern, dann mahnen
  • viele haben den Impuls diesen unangenehmen Vorgang durch „Nettigkeiten“ zu unterfüttern. Darauf ist zu verzichten, da es auch schädlich für einen etwaigen Prozess sein kann
  • im Zweifel zeitgerecht gerichtliches Mahnverfahren einleiten
  • und ebenso die Sache dem Anwalt übergeben; hier darauf achten, das ihr mit einem Anwalt arbeitet, der gemäß Gebührenordnung abrechnet. Sofern es bei Rechnungsstellung, Leistungserbringung und Mahnung keine Formfehler gab, benötigt es keinen Matlock um erfolgreich zu sein
  • achtet darauf, das Euer Anwalt sich auch bei kleineren Projekten für seine Mandanten einsetzt. Die Detailarbeit macht auch Anwälten nicht immer Spass und es ist wichtig, das der da am Ball bleibt
  • zuvor ein sauber Liquiditätsmanagement betreiben und sicherstellen, das die Nichtzahlung einer Rechnung Euch nicht selber zahlungsunfähig macht
  • auch nach Erhalt eines Titels dauert es in der Regel 6 – 9 Monate bis ihr Euer Geld habt. In meinem Fall waren es etwa 12 Monate

Möge der Cash Flow mit Euch sein :-)

 

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