Was ich an der GEZ so super finde…

Was ich an der GEZ so super finde…

  • On 8. Dezember 2013
  • 9 Comments

GAR NICHTS. Vor vier Wochen habe ich dem Finanzamt meine Tätigkeit als Freiberufler gemeldet und vor ein paar Tage erhielt ich Post von der GEZ: Als Freiberufler soll ich bitte meine Geräte anmelden. Praktisch gesehen handelt es sich dabei um die gleichen Geräte, die ich auch schon als Privatperson angemeldet habe. Da ich mit dem Equipment aber Geld verdiene, ist der Einsatzzweck ein anderer und ich habe das Privileg, meinen Computer nun ein zweites Mal anmelden zu dürfen. Finde ich großartig.

Was macht die GEZ nun mit diesem Geld – bzw. allem Geld? Klar – die staatlichen Rundfunk und TV Programme finanzieren. Abgesehen davon, das ich die als Freiberufler wirklich und überhaupt nicht und komplett ohne Ausnahme nicht nutze, hätte ich sogar Verständnis, wenn etwas sinnvolles mit diesem Geld passieren würde. Sinnvoll fände ich zum Beispiel, wenn die öffentlich rechtlichen Sender ihrem Auftrag nachkommen würden und hochwertiges TV und Rundfunkprogramm produzieren würden. Quasi im Wettbewerb zu dem unsäglichen Trash der Privatwirtschaftlichen TV Sender. Das passiert aber nur in Ausnahmen. Formate wie ARTE etc erhalten nur einen Bruchteil aus dem GEZ Topf. Das meiste Geld wird in die Flagschiffe investiert und diese produzieren zu 80 – 90% Wettbewerbsformate zu den privaten. Also wird das kostbare Gebührengeld dafür eingesetzt, noch mehr Unterhaltungsmüll zu produzieren.

Natürlich haben die Medienanstalten ein hohes Interesse daran, dieses Modell am Leben zu halten. Etliche tausend Jobs hängen davon ab, dass weiterhin Geld in die Produktion gepumpt wird. Ein unfaires und nicht effizientes System wird geschützt und künstlich am Leben gehalten. Dabei wird auch die Digitalisierung gerne vernachlässigt. Bereits jetzt ist Art und Aufbereitung der Inhalte für digitale Kanäle nicht mehr zeitgemäß. Eigentlich sollte es Aufgabe der öffentlich-rechtlichen sein, Inhalte auch x-Plattform anzubieten. Anstatt wird der Content für 7 Tage in denen für Unsummen produzierten Mediatheken vorgehalten. Danach dann gelöscht. Aus Nutzersicht wenig nachvollziehbar, das mit den Gebühren Content produziert wird und eine Woche nach der Ausstrahlung nicht mehr abgerufen werden kann. Wenig nachvollziehbar auch, warum man nicht fair den genutzten Content kaufen kann, oder einsehbar ist, welche Inhalte mit den Gebühren genau produziert wurden und wie teuer diese sind.

Moderne Medienanstalten testen aktuell wie Content in dynamischen Modellen bereit gestellt werden kann (heute noch meist pay-per-view). Der Shift von klassischem TV Konsum hin zu x-Plattform Konsum (Smartphone, Pad, Notebook, TV etc.) wird die Nutzung dieser digitalen Inhalte beschleunigen. Medienanstalten die heute lernen, sich in diesem Umfeld zu bewegen, werden in 10 – 20 Jahren in der Lage sein, den neuen Generationen sinnvollen Content auf einem passenden Wege anzubieten. Als Nebenprodukt wird „nicht gewünschter“ Content deutlich härter reduziert werden, da hierfür weniger bezahlt werden wird. Ob das der Qualität zuträglich ist, sei mal dahin gestellt.

Die öffentlich-rechtlichen werden dann vermutlich aus ihrem Schönheitsschlaf aufwachen und mal wieder merken, dass sie etwas verpasst haben. Die Lücke wird man vermutlich wieder versuchen mit neuen Gebühren zu schließen und ein noch schlechteres Angebot mit noch mehr Geldern füttern.

Die GEZ hingegen lebt am Puls der Zeit und wird vermutlich sehr effizient Gebührenzahler sammeln und Gelder eintreiben. Ich finde es beeindruckend, das gerade mal 4 Wochen nach Meldung beim Finanzamt der netter Weise vorausgefüllte Überweisungsträger in meinem Briefkasten liegt. Sehr kundenfreundlich in den FAQ darauf hinzuweisen, das Widerstand zwecklos ist…Wenigstens an einer Stelle dienen die Rundfunkgebühren also dazu ein tragfähiges System zu unterhalten. Eigentlich wäre es nur fair, wenn die GEZ ihre Daten-„Kompetenz“ mit der Allgemeinheit teilen würde. Dann hätten wir wenigstens etwas von unseren Gebühren.

 

 

9 Comments

Martin
Ach mensch Ivo, endlich mal ein negativer Beitrag zur GEZ und zum gebührenfinanzierten TV in Deutschland. Ein paar Ergänzungen von einem Gebührenbefürworter: 1. Die GEZ gibt es nicht mehr. 2. Für das Löschen der Inhalte können weder GEZ noch öffentlich Rechtliche etwas. Dies regelt der 12. Rundfunkstaatsvertrag aus dem Jahr 2009. Grund für das sogenannte Depublizieren waren Klagen von privaten Sendeanstalten wegen angeblicher Wettbewerbsverzerrungen. Die legalen Verweildauern von Sendungen bei den öffentlich Rechtlichen umfassen 7 - 365 Tage. 3. Ich zahle die knapp 18,00 EUR im Monat gerne. Warum? Für mich sind Tagesschau und Onlineinhalte der öffentlich Rechtlichen die einzigen Contents im Internet die nicht politisch tendenziös und werbefinanziert sind. Wenn ich mir also eine objektive Meinung bilden will schaue ich zuerst dort. Für die anschließende politische und lobbyistisch manipulierte Meinungsbildung gibt es im Anschluss einen Blick auf spiegel-online etc. Sendungen wie Monitor, Weltspiegel, Hart aber fair, Tatort etc, sind ein wahrer Segen verglichen mit dem Ramsch der in den Privaten angeboten wird. Die Rundfunkgebühren sind damit in meinem Augen ein Element unserer Demokratie und helfen uns objektive Informationen zu erlangen. Bei deinen Gebühren handelt es sich um ein solidarisch finanziertes System. Würden die Inhalte auf Abruf oder durch Abos finanziert, müssten Einzelpersonen entweder horrend hohe Gebühren zahlen oder auch die verbleibenden Sendeanstalten würden von Lobbyismus und Werbeeinnahmen beeinflusst.
Marc
Grundsätzlich teile ich Martins Einschätzung, bis auf einen Punkt: das öffentlich-rechtliche ist vielleicht nicht direkt politisch tendenziös, aber dennoch politisch beeinflusst. Die Besetzung der entsprechenden Führungspositionen ist ein rein politisches Spiel, außerdem sitzen in den Beiräten Politiker. Wer damals z. B. mitbekommen hat, was der NDR in Sachen HSH Nordbank recherchiert hatte und was davon tatsächlich davon berichten durfte, muss zumindest davon ausgehen, dass Nachrichten unterdrückt werden können, wenn es politisch gewünscht ist. Und Zensur passt für mich auch nicht mit untendenziöser Berichterstattung zusammen.
    admin
    Klar. Ich gebe zu das es nicht besonders reflektiert und auch nicht neu ist auf die GEZ einzudräschen. Ich denke auch das es wichtig ist ein von ökonomischen Trieben freies Programm zu haben. Und es gibt ja auch einige wenige, gute, Formate. Arte finde ich als Sender zum Beispiel zu 80% gelungen. Allerdings frage ich mich immer, warum es diesen ganzen Quatsch wie zum Beispiel wetten dass noch geben muss. Unterhaltungsformate jeder Art gibt es ja nun wirklich reichlich und ich finde es unnötig das sowas noch von der Allgemeinheit mit finanziert wird. Die sehr teure Struktur der Sender und die intransparenz bei der Mittelverwendung tun ihr übriges. Und darüber hinaus finde ich es mehr als schräg wenn ich als Einzelperson zwei mal Gebühren zahlen soll. Das aggressive Verhalten der GEZ fördert die Einsicht der Massen dann wohl auch nur wenig.
Martin
Hallo Ivo, warum es Formate wie Wetten Das oder das Musikantenstadl noch gibt? Ganz einfach: Weil sie von einem Millionenpublikum gesehen werden. Es gibt also offensichtlich eine breite Masse an Personen die sich mit dem Programm der öffentlichen Sendeanstalten sehr gut anfreunden können. Das sind vielleicht Personen die sich nicht in online-Medien äußern aber auch deren Geschmack muss man akzeptieren. Dass man über das Messverfahren der Rundfunkquote diskutieren kann, steht auf einem anderen Zettel. Dass dir dein doppelte Beitrag enorm auf die Nerven geht - ich kann es verstehen. Aber dafür musst du als Freiberufler keine Gewerbesteuer zahlen und keine IHK Beiträge. Besonders großen Spaß macht mir das Zahlen von Steuern jeglicher Art auch nicht. Aber bei wenigen Dingen ziehe ich daraus so viel Nutzen wie aus den Rundfunkgebühren ...
alex
Hallo Martin, was Volksverdummung (Mutantenstadl) mit dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen zu tun hat, würde ich zu gern erfahren. Meines Wissens ist Quote machen gerade kein Ziel. Warum es ARD und ZDF (also zwei Anstalten anstatt nur einer) geben muß, würde ich auch gern wissen. Und zu guter Letzt kann ich mir den Hinweis nicht verkneifen, daß die Tatsache, daß man die eine Abgabe/Gebūhr/Steuer nicht zahlt, rechtfertigt, eine wahllose andere zu zahlen. Sonst könnten z.B. KfZ-Steuer auf Fahrräder und Rollstühle ausweiten.
Martin
Hallo Alex, der Auftrag der öffentlich Rechtlichen Programme umfasst lt. Staatsvertrag: "Bildung, Kultur und Unterhaltung". Dass du dich vom Musikantenstadl nicht gut unterhalten fühlst kann ich gut nachvollziehen. Dennoch hat es einen Marktanteil von 18%. Das bedeutet, für 4,4 Millionen Deutsche trifft der Auftrag der Unterhaltung zu. Während meines Zivildienstes hab ich in der Alterspflege gearbeitet. Die Tatsache, dass dieses Format insbesondere die ältere Generation glücklich macht ist offensichtlich. Mag sein, dass all diese 4,4 Millionen viel weniger gebildet sind als du, dennoch haben auch sie ein Recht auf Unterhaltung. So ist es nun mal mit der Solidarität. Was wäre denn deine Alternative zur Quote? Ein Programm das nur dir gefällt? Vielleicht schaust du dir mal ZDF Info (zdf login) etc. an, da geht man auf einzelne Themenwünsche ein. Das ist auch der Grund warum mehrere Sendeanstalten durchaus berechtigt sind.
Marc
Nicht jeder, der sich selbst Freiberufler nennt, ist auch tatsächlich einer: http://dejure.org/gesetze/EStG/18.html Der Gewerbesteuerbescheid kommt also auch noch.
    admin
    Das kommt von meinem Steuerberater. Er meint das wäre darstellbar. Hoffe mal er irrt sich nicht :-)
Marc
Hierfür würde ich gerne GEZ zahlen: http://www.flassbeck-economics.de/proteste-in-italien-damit-wollen-die-deutschen-medien-den-buerger-nicht-beunruhigen/

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