Wann stirbt Facebook?

Wann stirbt Facebook?

  • On 16. Mai 2013
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Es ist schon ein paar Tage her als ich während meines Urlaubs (daher auch die Postingpause – nun geht es aber wieder weiter) auf Focus ein Orakel über den möglichen Facebook Exodus gelesen habe.

Facebook hatte zum Ende Q1/2013 zwar oppulente 1,11 Milliarden Nutzer (+23% zum Vorjahr), gleichzeitig scheint es in den ersten Ländern aber zu Sättigungs- und Schrumpfungsentwicklungen zu kommen. So sollen nach Aussagen von SocialBakers die Nuterzahlen auf Monatsbasis in den USA um 4%, in UK um 4,5% und in Deutschland um 0,33% zurück gegangen sein. An dieser Entwicklung lässt sich frei interpretiert ableiten, das die Nutzung von Facebook in den bereits gut entwickelten Märkten den Zenit erreicht oder überschritten hat. Ganz sicher ist dies allerdings auch nicht, da die Meßmethoden von SocialBakers nicht ganz transparent sind und unklar ist, ob zum Beispiel der mobile Traffic auf Facebook komplett richtig mit einbezogen worden ist.

Dennoch: Es gibt immer mehr, alternative, soziale Produkte und logischer Weise, werden immer weitere Unternehmen versuchen, soziale Netzwerke zu etablieren. Ob es nun ein Linkedin ist, das sehr erfolgreich im professionellen Bereich wildert, ein Pinterest oder Instagramm mit spitz zugeschnittenen Formaten, die eher special interest sind, aber durch die schiere Masse dennoch Volumen aufbauen. All diese Produkte ziehen Nutzer von Facebook ab, da nicht alle Menschen sich nahe unendlich online bewegen.

Nicht außer Acht lassen sollte man auch die Netzwerke in den Ländern, in denen Facebook garnicht, oder nicht stark vertreten ist. Hier fallen mir Weibo, RenRen, Badoo und Orkut ein. Weibo hat nach eigenen Angaben etwa 500 Mio Nutzer – ist allerdings eher ein Twitter-Klon. Von daher würde ich beides nicht als echten Wettbewerb zu Facebook sehen, da es aus meiner Sicht ein Messagingservice ist. RenRen hatte Ende 2011 nach eigenen Angaben schon 160 Mio Nutzer – neuere Infos sind nicht zu finden. RenRen profitiert vom Facebook-Verbot in China. Dennoch dürfte der Laden inzwischen auch deutlich größer sein. Badoo kommt aus Rußland, funktioniert eher wie eine Datingplattform und hat 180 Mio Mitglieder. Das Freemiummodell soll aber laufen wie irre und die Personen hinter Badoo überproportional viel Geld mit der Community verdienen. Orkut ist eher in Brasilien und Indien relevant, hat aber wohl stark unter Facebook zu leiden. Dennoch sollen um 60 Mio. Mitglieder auf Orkut aktiv sein. Was spannend ist: Orkut ist von einem ehemaligen Google-Mitarbeiter entwickelt worden und Google soll noch aktiv sein. Denkbar wäre, das Google Orkut als Fallbackoption nutzt, wenn Google+ irgendwann mal abgeschaltet werden sollte.

Achja: Twitter und Google+ würde ich bewusst nicht als Gefahr für Facebook sehen. Twitter ist ein Messagingdienst. Selbst, wenn Twitter irgendwann mal weitere Funktionen anbieten würde, gehe ich davon aus, das diese nicht angenommen werden würde. Dies würde eher zu einer Verwässerung des Profils von Twitter führen. Ich gehe davon aus, das man es bei Twitter auch so sieht und deshalb bislang da die Finger von gelassen hat.
Google+ hat es bislang trotz all der Power, die Google nun mal hat, nicht geschafft relevante Traktion aufzubauen. Ich sehe jetzt stand heute einfach mal keinen Grund, warum sich das noch ändern sollte. Daher gehe ich davon aus, das Google+ zwar existent sein wird, aber nicht die Erwartungen erfüllen wird und vermutlich irgendwann abgeschaltet werden wird, bzw in andere Produkte aufgehen wird.

Für am wichtigsten halte ich aus Sicht von Facebook allerdings die „intrinsische Sättigung“. Darunter verstehe ich den Effekt, das Nutzer ab einem gewissen Punkt dazu tendieren unzufrieden zu werden, auch wenn es keinen konkreten Anlass dazu geben mag. Gerade bei sozialen Produkten/Netzen/Themen spielen die „Freunde“ und deren Verhalten eine wichtige Rolle. Ferner ist relevant, wie das „Echtleben“-Umfeld reagiert und sich verhält. Diese Aspekte können dazu führen, das Nutzer inaktiv werden, obwohl sich an den Produktparametern nichts geändert hat. Insbesondere in nahezu gesättigten Märkten halte ich es für möglich, das auf dieser Basis netto eine Schrumpfung stattfindet. Ferner ist Facebook als Produkt inzwischen uncool geworden und Anarchos als auch „first mover“ wollen sich von der breiten Masse abgrenzen um ihrem sozialen Rollenmodell gerecht zu werden.

Was bedeutet das also unter dem Strich: Auch wenn es vielleicht noch keine Schrumpfung bei Facebook gegeben hat, sprechen doch viele Anzeichen dafür, das es bald dazu kommen wird. Hauptgründe sind:
– Kaum noch mögliche Neukunden in bisherigen Stammmärkten
– Schrumpfender Coolness Faktor
– Intrinsische Unzufriedenheit
– Konkurrierende Produkte

Bei einer Abnahme kann sich immer ein negativer Trend entwickeln. Die Beschleunigung des Churns bei StudiVZ hat dies sehr anschaulich gezeigt. Allerdings ist hiervon bei Facebook nicht auszugehen. Facebook ist schlicht und einfach auch zu groß, um Schrumpfungen nichts entgegen zu setzen zu haben. Dennoch gehe ich mittelfristig von einer Konsolidierung bei Facebook aus.

Ich glaube allerdings weiterhin, das dieser Umstand sogar positiv sein wird. Momentan befindet sich Facebook in vielen Märkten noch im Wachstumsmodus. Der Fokus liegt auf der Mitgliedergewinnung. Sobald Facebook Märkte als gesättigt betrachtet, beschäftigt sich Facebook indirekt mit der Contententwicklung. Dies findet mittelbar über Unternehmen in den Märkten statt. Facebook versucht also die kreative Gewalt der inherenten Netze zu entfachen. Das hat bisher sehr gut funktioniert und wird es vermutlich auch weiterhin. Aufgrund des ökonomischen und kreativen Potentials gehe ich davon aus, das Facebook in den kommenden Jahren noch ein wahres Feuerwerk an Produkten, Aktionen, Events, Personen und allem anderem hervorbringen wird. Die echte Blütezeit kommt erst noch.

 

 

 

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