Transittage

Transittage

  • On 21. September 2012
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Mon alle,

gestern bin ich mal wieder auf „Geschäftsreise“ gewesen. Das Wort vermittelt ja zunächst mal eine ganz andere Wertigkeit im Bezug auf das Reisen ansich, als wenn man zum Beispiel in den „Urlaub fliegt“. Eine Geschäftsreise hingegen ist im Sinne des Geschäftes, für das Unternehmen, busy busy…

Gestern stand Hamburg – London – Hamburg auf dem Programm. Aus verschiedenen Gründen wollten wir nicht übernachten und von daher ging es früh los und spät zurück. Dazwischen dann der Transfer in London Heathrow in die Londoner City, sechs Stunden Meeting und dann wieder Retour.

Am Ende war ich dann von 06.00 Uhr morgen bis 23.00 uhr abends unterwegs – also satte 17 Stunden für 6 Stunden Meeting. Der Rest ist der Transit gewesen. Nun bedeutet Transit ja, ein „Gebiet durchquerend“, wie früher zum Beispiel die DDR auf dem Weg nach Westberlin. Das ist natürlich nur ein Wortspiel von mir – eigentlich ist es Transfer. Dennoch kommt es mir ein wenig wie Transit vor. Damals saß man im Auto auf der Autobahn. Von Helmstedt nach Berlin – möglichst ohne Panne, Pause oder sonstige Peinlichkeiten. Hauptsache schnell durch. Nun will ich eigentlich nur schnell zu diesem Termin kommen, der da sechs Stunden dauern soll. Auf dem Weg dahin befinde ich mich in einer endlosen Abfolge von Verkehrsmitteln, als da wären zum Beispiel auf dem Hinweg: Auto – Flugzeug – Zug – Taxi und danach halt zurück. Zwischendrin gibt es „Transitzwischenzonen“, wie den Flughafen, wo man natürlich Zeit sinnvoller totschlagen kann, als im Taxi zum Beispiel – dennoch ist man aber eigentlich nur „unterwegs“ und nicht wirklich da.

Gerade unter Geschäftsreisenden ist es ja gern gesehen die Sitzzeiten im Flughafen, Flugzeug etc. mit produktiver Arbeit zu verbringen. Ich muss zugeben: Das gelingt mir nur immer eingeschränkt. Die ersten Stunden des Tages habe ich noch die Reserven um mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und sinnvolle Dinge an meinem Notebook zu verrichten. Je länger der Tag dauert, je mehr Eindrücke ich aufgenommen habe, desto sinnfreier wird, was ich da dann mache. So habe ich heute morgen dann auch erst mal die „Gedanken“, die ich gestern Abend im Flugzeug unbedingt in mein Notebook hacken musste, gelöscht. Hat einfach alles keinen Sinn mehr gemacht und ich frage mich ernsthaft ob mein Hirn unter Sauerstoffmangel gelitten hat. Aber zurück zu den Geschäftsreisenden, die gerne produktiv arbeiten. Da wird dann eifrig telefoniert und getippt. Der Grad in dem das dann nach außen dringt nimmt deutlich zu, sobald Gruppen einer Firma unterwegs sind. Gestern Abend saßen vor mir zum Beispiel drei Mitarbeiter eines Hamburger Kostemtikunternehmens. Ich weiß nun ziemlich gut Bescheid, was die gerade so machen – alle anderen im Radius von 5 Metern wohl auch. Ich kenne auch die Geschichten über die neue Kollegin aus dem Büro – spannend war es aber dennoch nicht.

Nun lässt sich reisen leider nicht immer vermeiden. Ich versuche schon so viel Transitzeit wie möglich einzusparen – manchmal muss man sich aber dennoch in der Reihe anstellen und eine Geschäftsreise unternehmen. Ich versuche mir für das nächste mal aber ehrlich zuzugestehen, die Reise auch als solche zu erleben und nicht als geschäftigen Transit. Vielleicht ist es dann auch wieder erlebenswerter.

 

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