Skalieren kommt vor kassieren – ob das gut geht?

Skalieren kommt vor kassieren – ob das gut geht?

  • On 6. Oktober 2015
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So oder so ähnlich lautet wohl das Mantra des Wirtschaftslebens. Und was für ein Volkswagen gilt (größer Automobilkonzern der Welt) gilt für Digtalunternehmen umso mehr: Echte finanzielle Ertragskraft entsteht in der Regel nur aus einem nachhaltigen Wachstum in Umsätzen bei denen die Kosten unterproportional mitwachsen. Gerne in der Kombination damit, das die Kunden möglichst lange treu sind, einen Lock-In Effekt erleben und das Marketing irgendwann deutlich reduziert werden kann. Wenn eines von beidem oder sogar in Kombination passiert, wird es spannend in der Bilanz und oftmals rollt der Rubel dann so richtig. Ein schönes Beispiel ist dafür mein Ex-Ex-Arbeitgeber, Tipp24, die heute unter Zeal Network firmieren. Die gewonnenen Kunden spielen quasi ewig, das Business skaliert monströs. So werden dann pro Jahr 30 – 50 Millionen Euro EBIT erwirtschaftet.

Doch ein skalierendes Geschäftsmodell zu finden ist nicht einfach. Wie bei Indiana Jones und dem heiligen Gral sind aber alle auf der Suche danach. Und so werden dann oft Skialierungsmodelle in Ideen gepflanzt, wo ich einfach nicht mehr mitkomme – und die Zahlen scheinbar auch nicht immer. Zwei Beispiele mal an dieser Stelle – heute beide aus dem Samwer Imperium.

Helpling vermittelt Putzkräfte online. Das ist ja erst mal nichts neues. Bucht man online, zahlt man in der Regel mehr als über den Aushang im Supermarkt oder die Anzeige bei eBay Kleinanzeigen. Dafür ist die Putzkraft angeblich vorselektiert und versichert. Ferner gibt es eine Rechnung. Wir haben das privat drei mal probiert. Das mit der Rechnung stimmt, das mit der Versicherung mussten wir nicht überpürfen, das mit der Vorselektion erscheint zweifelhaft. Qualität war in allen drei Fällen mies. Mehrfach beschwert, irgendwie nichts richtig passiert. Bei Book-a-tiger war es übrigens genauso. Ergo: Putzpersonal suchen wir wieder auf dem klassischen Weg. Das ist genauso gut oder schlecht, kostet aber deutlich weniger.

HelloFresh will ein Problem lösen, das wohl in allen Haushalten >= 2 Personen auftritt, nämlich die Frage: Was kochen wir heute. Es nervt wohl fast jeden und der Panikkauf im Supermarkt funktioniert in der Regel auch nicht sonderlich. Wir haben HelloFresh auch mal getestet. Aber nach dem Plan eines Dritten essen, ist nicht so unser Ding. Außerdem hatten wir immer den Eindruck, das die Lebensmittel minderer Qualität sind und der Preis überzogen. Wobei das vermutlich nicht richtig ist und HelloFresh noch nichts wirklich an den Boxen verdient. In unserem Umfeld haben einige HelloFresh und anderen Anbieter getestet – keiner war happy damit. Ergo: Alle fahren wieder 20 Minuten vor Abendbrot zu Edeka um die Ecke.

Beide Modelle, Helpling und HelloFresh, sind alleine schon aufgrund des Börsenumfelds von Rocket und den aufgeblähten Bewertungen (2,6 Mrd bei HelloFresh!!!) auf Gedeih und Verderb auf Wachstum angewiesen. Ich frage mich ehrlich: Wie soll das gehen? Beide bieten ein Geschäft an, wo die Zufriedenheit des Verbrauchers nur mittelbar beeinflusst werden kann. Es gibt viele Einflußfaktoren die nicht in der Macht des Anbieters liegen. Das finde ich nicht überzeugend. Noch weniger überzeugt mich, das beide Modelle hohen manuellen Aufwand haben und die Kundenhaltbarkeit in beiden Modellen nicht hoch zu sein scheint. Das bedeutet für mich: Es kann eigentlich nicht skalieren. Aktuell kann man das noch verdecken indem die Wachstumsgeschwindigkeit immer weiter erhöht wird. Das hilft sicherlich eine lange Zeit, aber wird nicht auf Dauer ausreichen.

Kurz gesagt: Vieles, was heute als Business betrieben wird, erscheint mir wenig skalierbar. Am Tisch lässt sich zwar schnell annehmen, das die Auswahl von Putzpersonal standardisiert, professionalisiert und dann skaliert werden kann. Im echten Leben geht es aber um Menschen und Abläufe die nur schwer skalierbar sind. Soll nicht heißen, das es garnicht geht – es ist aber sicherlich nicht so einfach wie man im ersten Moment denkt und ob die Größenordnungen erreicht werden, die angedacht wurden, ist fraglich.

Ich würde mir mehr Skepsis bei der Skalierungsfrage wünschen und mehr Auge für das Produkt. Wenn ein Investor, Leader, Interessent, etc. intensiv ein Produkt/eine Dienstleistung testen würde, würde er sehr schnell merken, was die Hemmschwellen bei der Skalierung (aka Erfolg) sind. Ich will jetzt hier nicht wieder was von „Blase“ schreiben – mir scheint allerdings, das die Gier langsam die intensive Bewertung überrollt. Let´s see – vielleicht irre ich mich ja auch.

 

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