Real Life und die Höhle der Löwen – wieso gibt es kein GAFA in Deutschland?

Real Life und die Höhle der Löwen – wieso gibt es kein GAFA in Deutschland?

  • On 14. September 2016
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Ich schaue gerne die Höhle der Löwen. Ich denke, das ist ein unterhaltsames Format bei dem es um ein Thema geht – Unternehmensentwicklung – das ich persönlich spannend finde. Zu Beginn der ersten Staffel hatte ich noch die Hoffnung, das DHDL wirklich Einblicke in Unternehmensfinanzierung und Entwicklung bringen würde. Das war (natürlich?) nicht so, sondbildschirmfoto-2016-09-13-um-09-35-04ern die relevanten Aspekte wurden auf ein TV-übliches Niveau reduziert. Aber sei es drum. Kommt doch auch in fast jeder Sendung etwas vor, das irgendwie inspirierend wirken kann.

Über die Zeit entwickelt sich in mir allerdings der Eindruck, das Formate wie DHDL dem Unternehmerstand nicht sonderlich dienlich sind. Es wird nur ein Zerrbild der Start-Up Phase vermittelt. Die „Preisverhandlungen“ in der Sendung sind komplett absurd. Die Durchdringung der Geschäftsmodelle nicht erwähnenswert. Wer keine anderen Meinungspunkte hat und dem TV Format generell noch zu Glauben vermag, erhält hier ein wenig zutreffendes Bild von Unternehmensgründungen, Aufbau, Verkauf und Beteiligung.

Das finde ich insofern bedenklich, als das Deutschland meiner Ansicht nach immer weiter hinter dem Gründungseifer anderer Länder abfällt. Dabei beziehe ich mich besonders auf den digitalen Bereich der Wirtschaft – aber nicht ausschließlich. Das World Economic Forum ermittelt regelmäßig die sogenannte „Network Readiness“. Hier werden Bewertungen zu Infrastruktur, Ausbildung, Business Regulierungen und vielem mehr in einer Kennziffer aggregiert. Wie man der Grafik entnehmen kann, findet sich Deutschland nicht unter der Top10. Den kompletten Report des WEForum kann man hier einsehen.

Deutschland findet sich je nach Sichtweise auf den Rängen 16 – 20. Das ist – Verglichen mit der Wirtschaftsleistung die wir ansonsten realisieren – eine Katastrophe. Nun mag man unken, das solche Kennziffern nie sonderlich reell sind und natürlich: die Wahrheit sieht immer anders aus.

Eine andere Betrachtungsmöglichkeit wäre, den Börsenwert der größten Unternehmen aus dem Digitalbereich zu bewerten. Hier ergibt sich zum Stand 31.05.2016 folgendes Bild:

  • Apple (USA), 547 Mrd USD
  • Alphabet (USA), 510 Mrd USD
  • Amazon (USA), 341 Mrd USD
  • Facebook (USA), 340 Mrd USD
  • Tencent (China), 206 Mrd USD
  • Alibaba (China), 205 Mrd USD
  • Priceline (USA), 63 Mrd USD
  • Uber (USA), 63 Mrd USD
  • Baidu (China), 62 Mrd USD
  • Ant Financial (China), 60 Mrd USD
  • Salesforce (USA), 57 Mrd USD
  • Xiaomi (China), 46 Mrd USD
  • Paypal (USA), 46 Mrd USD
  • Netflix (USA), 44 Mrd USD
  • Yahoo (USA), 36 Mrd USD
  • JD.com (China), 34 Mrd USD
  • eBay (USA), 28 Mrd USD
  • Airbnb (USA), 26 Mrd USD
  • Yahoo!Japan (Japan), 26 Mrd USD
  • Didi Kauidi (China), 25 Mrd USD

Man könnte sagen: das sieht recht einseitig aus. Die USA sind im Grunde „das alte Internet“ und weiterhin hoch innovativ und disruptiv. China hat mit einem der größten Binnenmärkte der Welt und hohem Protektionismus einen extrem harten Wettbewerber herangezüchtet. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis ein chinesischer Digitalkonzern in die Top3 eindringen wird und es stellt sich die Frage: wird die USA dauerhaft ihre Vorreiterrolle in diesem Bereich halten können?

Zurück zu Deutschland fragen ich und viele andere sich aber immer wieder: was ist mit uns? Wieso schaffen wir es nicht, ein relevantes Unternehmen aufzubauen, das hier Erwähnung finden würde? Ober brauchen wir das nicht, weil wir der Mittelstandsmeister sind und auch so ausreichend Performance entwickeln? Diese Fragen habe ich mit vielen Menschen diskutiert – vor allem mit Unternehmern, deren Meinung in der Regel so ausfällt:

Deutschland bietet kein Umfeld, in dem man mutig neue Geschäftsfelder entwickeln kann. Es gibt zu viele Regularien die echter Innovation entgegen stehen. Ferner fehlt die Finanzierungskraft und das vorhandene Kapital wird nur in „sichere“ Geschäftsideen gesteckt. Echte Neuerungen haben kaum eine Chance. Und wenn ein Unternehmen einiger maßen erfolgreich und groß ist, dreht sich meistens die Stimmung und Medien und Allgemeinheit fangen an darauf einzuprügeln.

Beispiel Rocket Internet: Bei (stand 13.09.2016; 10.00 Uhr) einem Kurs von 18,30€ ist die Marktkapitalisierung von Rocket immerhin 3,15 Mrd USD. Im Peak waren es sogar mal 10 Mrd USD. Ist darauf jemand stolz? Wird das als „positives Beispiel“ verstanden? Eher nicht. Der Mittelstand wird es meiner Überzeugung nach auch nicht (alleine) richten können. Zunächst begegnet einem in Deutschland besonders im Mittelstand noch massive Abwehr hinsichtlich der Digitalisierung. Das halte ich für besonders gefährlich, denn wenn hier kein Umdenken auf breiter Front stattfindet, sind viele heute etablierte Geschäftsmodelle ernsthaft in Gefahr. Das diese Unternehmen es dann mehrheitlich schaffen, in einen Zustand der Innovation und des Wachstums zu kommen, erscheint fragwürdig. Sicherlich gibt es heute bereits einige „hidden champions“ und es werden weitere hinzukommen. Ob das ausreichend sein wird, um der Übermacht aus Amerika und China gegenüber treten zu können, halte ich aber für fragwürdig.

Ich würde mir wünschen, das Unternehmensgründung- und Aufbau in allen Geschäftsfeldern in Deutschland wohlwollender begleitet werden würde. Das muss vor allem mit mehr Engagement in Bildung und Forschung beginnen. Und wenn der Venture Capital Markt in Deutschland nicht risikofreudig ist, stellt sich die Frage ob dies nicht ein sinnvolles Einsatzgebiet staatlicher Fördermittel in diesem Segment wäre. Wir brauchen dringend echtes Risikokapital, mit dem „spinnerte Ideen“ ausprobiert werden können. Ein Facebook hätte in Deutschland sicherlich niemand finanziert: ohne funktionierendes Businessmodell, als Idee eines T-Shirt tragenden Halbnerd.

 

 

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