Quo Vadis Printmedien – Leistungsschutzrecht vs. New York Times

Quo Vadis Printmedien – Leistungsschutzrecht vs. New York Times

  • On 27. Februar 2013
  • 0 Comments

Nicht nur von sondern auch über Printmedien wird ja momentan viel geschrieben. In Deutschland sind die Hauptgründe wohl die aktuelle Welle des Zeitungssterbens und das drohende Gesetz zum Leistungsschutzrecht. Und ja – beides hängt eng zusammen.

Die Entwicklung der meisten Verlage zeigt, das die Printmedien in Deutschland es bisher nicht geschafft haben, online Profit aus ihrem Content zu schlagen – zumindest nicht nachhaltig. Da den Verlagen aber gleichermaßen Einnahmen im Offlinebereich wegbrechen führt dies zu einer Verdichtung des Wettbewerbs und dem Beginn des erlebten Formatesterbens. Ausgehend von der Annahme, das die Verlage es in den kommenden Monaten nicht schaffen werden, einen Turnaround zu vollziehen, werden weitere Formate mit Sicherheit folgen und es wird auch immer öfter populäre Titel treffen.

Das Leistungsschutzrecht wiederum soll die Verlage in gewisser Weise schützen. Ähnlich einer Gema wollen die Verlage künftig an Einnahmen von etwa Google partiziperen, die in Verbindung mit Content generiert werden, der von den Verlagen kommt. Da das oft zu Irritationen führt, ein Beispiel: Wenn ich bei Google nach zum Beispiel „Lebensmittel“ suche, werden aktuell auch viele Treffer aus den Onlineangeboten der klassischen Verlage angezeigt. Klicke ich einen dieser Treffer an, lande ich auf dem Onlineangebot der Zeitung. Google verdient bei der Anzeige der Suchergebnisse Geld, indem dort zu meinem Suchbegriff passende Werbung eingebunden wird. Die Verlage möchten nun gerne von den Einnahmen von Google gerne etwas abhaben, da aus Sicht der Verlage Google die Inhalte der Verlage quasi nutzt um das eigene Geschäftsmodell zu betreiben.

Angenommen, das das Leistungsschutzrecht so kommt wie geplant, wird dies vermutlich dazu führen, das Google den Suchalgorithmus anpasst, die Inhalte der Verlage nicht mehr erscheinen oder nicht in Verbindung mit Werbung, es auf diesem Wege kein Geld für die Verlage gibt und die Suchergebnisse inhaltlich schlechter werden. Ein klassisches Loose – Loose System also. Irgendwie keine gute Idee. Das wird auch sehr gut von Sasch Lobo analysiert, was ich hier gerne mal verlinken möchte. Schlimmer als dieser direkt Impact des Leistungsschutzrecht ist jedoch was dahintersteht. Nämlich ein Hilferuf der Verlage, das ihnen nichts anderes einfällt als solch ein kruder Entwurf, der stark an die Gema angelehnt ist. Das ist ein retrograder Ansatz der höchstens dazu dienen kann, protektionistisch die eigenen Inhalte schützen zu wollen. Nutzen wird es in keinem Fall, denn das Leistungsschutzrecht wird – Gott sei Dank – nur in Deutschland gelten, das Internet funktioniert weltweit und alleine dadurch ist der Lächerlichkeit dieses Vorhabens klar. Dennoch bauen etliche – insbesondere kleinere – Verlage darauf, das sie durch das Leistungsschutzrecht signifikante Einnahmen erzielen werden und sie sich weiterhin nicht ernsthaft um das digitale Geschäft kümmern müssen.

Auf Sicht von 2 – 3 Jahren wird das unweigerlich dazu führen, das noch mehr Zeitungen/Formate noch schneller sterben werden als das sonst der Fall sein könnte. Sascha Lobo verweist in seinem Text übrigens auch darauf, das das Leistungsschutzrecht von Axel Springer und Burda getrieben wird – beide haben interessanter Weise aber etliche andere Eisen im Internetfeuer und sind nicht zwingend auf die Einnahmen aus dem Leistungsschutzrecht angewiesen. Hyopthese: Den meisten anderen Verlagen – inbesondere aus dem Mittelstand – geht  es da anders. Wenn diese dann auf Grund mangelnder Einnahmen in wirtschaftliche Schieflage geraten, können Burda und Axel Springer konsolidieren.

Das es auch anderes gehen kann, zeigt die New York Times. Dort wird seit einiger Zeit an einem Pay-per-view Modell mit der Möglichkeit eines Abos gearbeitet. Ende 2012 hatte die NYT etwa 640.000 Abonennten für die digitalen Dienste eingesammelt. Die hieraus resultierende Zahl der digitalen Exemplare der NYT ist somit größer als die Zahl der verkauften Printexemplare. Die Umsatzerlöse aus dem Abomodell lagen 2012 bei 954 Mio. USD; die Werbeerlöse über alles bei „nur“ 898 Mio. USD. Diese Entwicklung hat auch dazu geführt, das die NYT in 2012 über 130 Mio. USD Gewinn erwirtschaften konnte, nachdem in 2011 noch Verluste von gut 30 Mio. USD angefallen waren. Das ist ein toller Erfolg und zeigt einiges recht deutlich, nämlich:

– Man kann sehr wohl mit professionell erstelltem Content Geld im Netz verdienen
– Nutzer sind bereit Abomodelle abzuschließen und Geld zu bezahlen
– Verlage können auch mit anderen Modellen als Werbung signifikante Einnahmen erzielen
– Es bedarf einiger Zeit und Anstrengung solche Modelle zu entwickeln

Die NYT arbeitet schon seit längerer Zeit den Abomodellen und wird in dieser Zeit sicherlich eine Menge probiert haben. Ein wichtiger Schlüssel scheint zu sein, das die Nutzer eine gewissen Zahl an Freiartikeln pro Monat haben. Es geht also nicht darum beim Erstkontakt den Deal zu machen. Statt dessen versucht die NYT die Nutzer erst zu „hooken“ und dann zu monetarisieren. Eine insofern clevere Strategie, da diese Nutzer oft sehr loyal sind und auch im Handling deutlich geringere Kosten verursachen.

Dem Erfolg der NYT kann man natürlich auch ein paar „aber“ entgegenstellen. New York ist eine der wichtigsten Metropolen – vielleicht auch immer noch die wichtigste überhaupt. Die größte Zeitung dort zu sein, bietet andere Möglichkeiten, als zum Beispiel die Deister-Weser-Zeitung. Vermutlich wird in New York auch die Pad und Smartphonedichte höher sein als in Deutschland generell. Das hilft sicherlich, wenn es darum geht digitale Inhalte verkaufen zu können. Auch alles richtig soweit – aber auch bei uns entwickelt sich die Mediennutzungslandschaft rasant weiter und der Stand von heute in New York wird in 3  – 5 Jahren bei uns auch in der Pampa anzutreffen sein. Und darüber hinaus wird ohnehin nicht jeder Verlag sein Glück im Abogeschäft finden können. Es wird verschiedene Wege geben müssen – wie so oft im Netz müssen diese Wege aber erst beschritten, getestet, bewertet und optimiert werden.

 

 

 

 

 

0 Comments

Kommentar verfassen