Quo vadis digitale Versicherungsmakler – was passiert mit Knip, Getsafe und Clark?

  • On 10. März 2016
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Vor einiger Zeit hatte ich mich schon mal zu Knip und getsafe ausgelassen (hier). Damals ging es mir vor allem um die – meiner Meinung nach – hohe Diskrepanz zwischen dem Produktversprechen der beiden Apps (wie auch Ihrer Wettbewerber, wie zum Beispiel clark und Asuro, TED, Financefox und vermutlich weitere) und der Wirklichkeit. Kurz gesagt steht in den Aussagen der Angebote im Vordergrund, das man seine Versicherungsunterlagen kostenlos digitalisieren kann. Als „Nebeneffekt“ bekommen die Anbieter allerdings das sogenannte Maklermandat, erhalten damit Bestandsprovisionen (die die Kunden zahlen) und sehr weit gehende Zugriffsmöglichkeiten. Die spätere Bewerbung der App-Kunden kann man als wohl extrem wahrscheinlich bewerten. So verwischt der positive Aspekt der Digitalisierung leider und meiner Einschätzung nach überwiegen die Nachteile für den Verbraucher.

In der Investmentwelt werden die Aktivitäten im Makler-App-Bereich allerdings positiv gesehen. So gab es diverse Investmentrunden. Beispielhafte Auszüge:

Besonders die neuerlichen Invests in Getsafe und Knip, als auch die Höhe bei Knip zeigen, das die Investoren von der Performance angetan sind. Andernfalls wäre es untypisch neues Geld durch bestehende Investoren nachzuschießen.

Die genannten Apps funktionieren im Grunde alle nach dem gleichen Schema. Ein USP – sofern er überhaupt zwischen den Wettbewerbern vorhanden ist – wird, wenn überhaupt, sehr klein sein. Ein echter Vorteil besteht im Grunde vor allem im Hinblick auf den Ordner im Keller mit den eigenen Versicherungsunterlagen. Das haben inzwischen auch die meisten Versicherungsgesellschaften verstanden und die möchten nicht, das die Makler-Apps die bestehenden Vertriebsstrukturen (weiter) zerstören. Also wird hier noch weiterer Wettbewerb entstehen – besonders im Hinblick auf Kunden, die ein Gros der Verträge bei einer oder maximal zwei Versicherungsgesellschaften haben. Als Konsequenz hieraus, verdichtet sich der Wettbewerb für die Makler Apps dauerhaft auf die Konsumenten, die generell die Zusammenarbeit mit einer „App“ bevorzugen, bzw. denen das egal ist.

Der Tag wo diese Menge relevant ist, wird kommen – keine Frage. Ob er heute schon da ist, wird sich zeigen. Ich bezweifle, das die Masse an Kunden, die bereit ist eine freie Makler-App zu nutzen, heute schon ausreicht, um das bereits jetzt bestehende Angebot an Apps zu füttern. Und ich kann mir gut vorstellen, das die Investoren bei Knip das auch so sehen und deshalb das Unternehmen substantiell finanziert haben, damit nach einem Proof-of-concept jetzt die Marktbeherrschung anvisiert werden kann – wohlgemerkt im Teilmarkt der freien Makler-Apps.

Unabhängig davon, ob diese Einschätzung korrekt ist oder nicht, wird sich der Kampf um Neukunden in diesem Bereich stark verdichten. Das kann zu einem deutlichen Anstieg der Kosten pro Neukunde führen. Ich kann mir gut vorstellen, das Knip unter anderem deshalb jetzt versuchen wird, seine Kundenzahlen deutlich hoch zu fahren. So schaltet Knip auch seit ein paar Wochen TV – Werbung:

Clark hat nach meinem Wissen keine TV Werbung laufen, dafür aber seit Januar 2016 mit „Welt N24“ ein Unternehmen aus dem Hause Axel Springer als Investor. Bereits jetzt gibt es einen sympathisch anmutenden Youtube Spot, der für social und viral Marketing eingesetzt wird – mit 526 Aufrufen (Stand 09.03.2016) hält sich die Verbreitung aber noch in spürbaren Grenzen:

Der Spot zeigt sehr anschaulich die angedachte Zielgruppe der Twens und Thirtysomethings. Hier wird die Bereitschaft zur Digitalisierung als am ausgeprägesten vermutet und gleichzeitig besteht auch noch oftmals ein Bedarf an Versicherungsprodukten – also echte Neuverträge. Die Annahmen erscheinen mir generell auch plausibel – allerdings glaube ich wie gesagt nicht, das die Masse ausreichend ist.

Kurz gesagt: Ich denke es wird schon in Kürze zu einem harten Verdrängungswettbewerb in dem Segment der Makler Apps kommen; angefeuert durch die Verteuerung der Neukunden und das Eintreten neuer „Wettbewerber“ – besonders durch digitale Angebote der etablierten Anbieter in diesem Bereich. Als Resultat wird maximal ein Anbieter in 2 – 3 Jahren überlebt haben. Das ist natürlich nur meine persönliche Sicht auf das Thema.

Das ich diese Entwicklung für verkraftbar halte, ist ausreichend deutlich geworden. Das bedeutet natürlich nicht, das ich keinen Disruptionsbedarf bei Versicherungen sehe. Ganz im Gegenteil. Abgesehen von den massiven Hebeln, die die Versicherungsgesellschaften und andere Spieler in dem Markt  selber bedienen können, geht es aber auch darum den Kunden zu emanzipieren. Ein Digitalangebot sollte meiner Meinung nach in keinem Fall dazu führen, das der Verbraucher noch weniger Transparenz über seine Produkte und die damit verbundenen Zusammenhänge hat, als dies heute ohnehin schon der Fall ist.

 

 

 

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