Printmedien im Wandel: Amazon kauft Washington Post

Printmedien im Wandel: Amazon kauft Washington Post

  • On 6. August 2013
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Neben der New York Times ist die Washington Post die wohl bedeutendste Printzeitung in den USA – und sicherlich auch weltweit relevant. Washington Post Journalisten haben die Watergate-Affäre aufgedeckt, als auch gemeinsam mit dem Guardian an der Offenlegung von Prism gearbeitet. So wichtige Personen wie Jospeh Pulitzer und Theodore Roosevelt haben bei der Post gearbeitet. Und nun ist nach 136 Jahren die Washington Post an Jeff Bezos verkauft worden – den Gründer von Amazon.

Die Post macht aktuell noch Gewinne mit abnehmender Größe und Relation, sollte aber dennoch eines der erfolgreicheren Medienprodukte sein. Die Eigentümer scheinen für sich dennoch erkannt zu haben, das sie das Produkt „Washington Post“ für die digitale Zukunft nicht mehr richtig aufstellen können. Hierzu ist zu sagen, das die Post ähnlich der New York Times mit einer Bezahlschranke für die digitalen Inhalte arbeitet. Nach 20 kostenlosen Artikeln wird man zu einer Subscription genötigt, die knapp 10 US Dollar pro Monat kostet. Das Angebot wird wohl gut angenommen – wie groß die Zahl der Abonennten ist, ist mir allerdings nicht bekannt.

Anders als bei Axel Springer, die an die Funke Gruppe (ehemals WAZ) verkauft haben, ist der Post Käufer allerdings ein digitales Unternehmen das nicht aus der Verlagswelt kommt. Der Vorgang in sich ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist die Post eines der Produkte, die weltweit für journalistische Qualität stehen und der Verkauf zeigt deutlich, das auch eine hohe und eigenständige Qualität in der Produktion der Artikel kein Garant für ein dauerhaftes Überleben im digitalen Umfeld ist. Zum anderen greift mit Amazon quasi ein Quereinsteiger und gleichzeitig Treiber der Digitalisierung zu. Wobei in Punkto Amazon zu berücksichtigen ist, das Amazon auch bereits im Buchmarkt eindringt und sogar Autoren unter Vertrag nimmt – also nicht nur Analogprodukte digitalisiert.

So soll Jeff Bezos auch mitgeteilt haben, das er zwar Umbaumaßnahmen an der Post vornehmen will, Stellenstreichungen oder Gehaltsanpassungen aber nicht auf der Agenda stehen würden.

Ich persönlich denke, der Post hätte nicht viel besseres passieren können. Zum einen haben sich die bisherigen Eigentümer sehr umsichtig verhalten. Sie haben Digitalisierung probiert, halten das Ergebnis aber scheinbar nicht für ausreichend. Als Konsequenz daraus haben sie das Produkt „Post“ an einen stärleren Spieler verkauft. Und das zu einer Zeit, zu der das Produkt noch einen hohen Wert und einen starken Kern hat. So hat die „Post“ sicherlich noch alle Chancen auch in einer voll digitalen Welt relevant zu sein. Zum anderen ist Jeff Bezos sicherlich visionär und gleichzeitig risikofreudig. Er gehört nach meiner Einschätzung zu denjenigen die bereit sind, den Kern der „Post“ zu schützen und daraus etwas neues zu entwickeln. Sicherlich wird es bei dieser Transformation auch Gewinner und Verlierer geben – dennoch denke ich, das Amazon nicht per se durch Cost-Cutting und Skalierung oder den Einkauf von Massencontent die Post digitalisieren wollen wird – eigentlich erwarte ich eine Art Blaupause für digitalen Journalismus und damit etwas ganz großes.

 

 

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