Oscar – das (einzig?) ultimative Insurtech

Oscar – das (einzig?) ultimative Insurtech

  • On 11. Mai 2016
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Was braucht eigentlich jeder, funktioniert nur mäßig wenn es komplizierter wird und wird immer teurer? Medizinische Versorgung. Auch in Deutschland. Oder vielleicht auch ganz besonders in Deutschland. So lange man „einfache“ Themen hat, wie mal einen Infekt und ähnliches lebt es sich sicherlich entspannt. Ab zum Arzt – Diagnose stellen lassen – bei Bedarf ein Medikament oder auch zwei. Bei komplexeren Themen wird es aber schnell unübersichtlicher. Man muss etliche Experten konsultieren, die gerne widersprüchliche Meinungen abgeben. Eventuell stattfindende Operationen scheinen oft unnötig zu sein, die Heilungsdauer zieht sich in die Länge, die Kosten explodieren. In Summe schätzen Experten, das etwa 30% aller Ausgaben im Gesundheitswesen auf „Verschwendung“ beruhen. Ein Umstand, dem auch nur schwer zu begegnen ist, da der „Kranke“ und Nutznießer selbst, nur in seltenen Fällen ausreichend Transparenz hat.

Die Angaben zu den Gesamtausgaben im Gesundheitswesen in Deutschland sind unterschiedlich. Laut Wikipedia sollen die Ausgaben aber schon im Jahr 2006 bei 234 Milliarden Euro gelegen haben. Seitdem ist mit einem Anstieg um 10 – 20% zu rechnen. Wirtschaftliche Opportunitätskosten, durch zum Beispiel den Ausfall von Mitarbeitern, sind hier noch nicht berücksichtigt.

Man merkt also: Bei der Gesundheit geht es nicht nur um das vielleicht wichtigste Gut, das jeder von uns hat, sondern auch um extrem viel Geld. Umso spannender zu sehen, was sich in den USA tut. Dort gibt es mit Oscar Health Insurance ein echtes Insuretech. Es geht nicht nur um die reine Vermittlung einer Leistung Dritter, sondern um ein wahrhaft neues Angebot. Oscar ist selber eine Krankenversicherung, die auf die Auswertung der Daten und die technologiefreundliche Serviceanbahnung setzt. Das wird am sichtbarsten im Umstand, das jeder Versicherte mittels App und Website Kontakt zu der Versicherungsgesellschaft hält. In einfachen Fällen kann via App ein Arzt konsultiert werden und ein Rezept erstellt werden. In komplexeren Fällen werden die Versicherten bei der Arztsuche unterstützt. Der Versicherte wird, soweit möglich, über Kompetenz, Erfahrungen aber auch Kosten informiert. Das ist besonders außerhalb eines „Vollversicherungsmodells“, in dem alle Kosten automatisch übernommen werden, eine wichtige Information und spart Zeit. Oscar verfolgt, ob die Behandlung erfolgreich war und hilft seinen Kunden eine finale Lösung für ein gesundheitliches Problem zu bekommen. Fast schon zu erwarten, das Oscar die „Aktivitäten“ seiner Versicherten trackt und gesundheitsförderndes Verhalten belohnt. So gibt es Gutschriften in echtem Cash für jeden Tag, an dem ein Versicherter sich ausreichend bewegt hat. Einen sehr guten Eindruck vermitteln auch die Youtube Videos von Oscar, die den Leistungsumfang weiter erläutern.

Ich halte es für extrem wahrscheinlich, das die Daten gestützte Beratung und „Anleitung“ des Versicherten einen massiv positiven Effekt auf Gesundheit, Heilung, aber auch Kosten haben kann und auch wird, wenn das Produkt hält, was es verspricht. Natürlich ist es dafür nötig, das der Versicherer Daten und Informationen über den Versicherten selber in der Hand hält – anders sind diese Hebel nicht zu nutzen. In den USA scheinen die Verbraucher deutlich weniger Skepsis hinsichtlich Datenschutz zu hegen – Ende 2015 soll Oscar immerhin schon 145.000 Versicherte in den USA (momentan auf vier Bundesstaaten begrenzt) zu seinen Kunden gezählt haben. Wohl gemerkt: diese Menschen haben „nur“ Oscar als Krankenversicherung und zahlen etliche hundert Dollar im Monat für diesen Service. Um dem Versicherten ausreichend Schutz zu bieten, ist es aber sicherlich nicht von Nachteil, wenn der Regulator sinnvolle Maßnahmen entwickelt, die zum Beispiel verhindern, das chronische Kranke gegängelt oder gar aus der Versicherung geworfen werden – was letztlich in Deutschland aber auch Gang und Gebe ist und daher kein reines Datenschutzthema sein kann.

Das Angebot von Oscar besteht seit 2014 und stellt in seiner Verbindung aus Versicherungsleistung und Nutzerschnittstelle ein echtes Insurtech dar. Bestehende Krankenversicherungen können die Ansätze natürlich leichterdings adaptieren – werden es aber vermutlich nicht tun, da dies so massive Changeprozesse auslösen würde, das ich bezweifele, das sich jemand das trauen wird. Für „Neueinsteiger“ sind die Einstiegshürden wohl nicht trivial. In Oscar wurden bisher 730 Millionen US Dollar investiert (ja, wirklich: siebenhundertunddreißig). Die Bewertung liegt bei einigen Milliarden US Dollar. 

Sicherlich eine der spannendensten Entwicklungen im Healt/Insurtechbereich.
 

 

 

 

 

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