Number26 – volles Risiko

Number26 – volles Risiko

  • On 23. November 2016
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Number26, bzw N26, stellt aktuell sein „Geschäftsmodell“ um und dreht mehr oder weniger alles ein mal auf links. Besonders „unter der Haube“ wird einiges geändert. Das birgt nicht nur viele Chancen, sondern naturgemäß auch Risiken und es wird sich zeigen müssen, ob der einstige „Deutschland Primus“ für modernes Banking die Kurve bekommt. Vermutlich stehen die Chancen aber ganz gut.

Wer in Europa eine Bank betreiben will, benötigt eine Lizenz hierfür. Die zu bekommen ist für sich genommen recht teuer und nicht einfach. Für Neugründungen in dem Segment bietet es sich daher an mit einer „white label“ Lizenz zu arbeiten. Wirecard bietet solche Lösungen beispielsweise an und hat so seiner Zeit auch Number26 als Lizenznehmer gewinnen können. Bedeutet: Wer bislang ein Number26 Konto hat, hat in Wirklichkeit ein Konto bei der Wirecard Bank. Das machen die Münchner natürlich nicht aus Lust und Liebe, sondern knappen prozentual immer ein Scheibchen ab. Im margenschwachen Skalenbusiness „banking“ hilft das nicht. Ferner macht es unflexibel, da man letztlich nur anbieten kann, was Wirecard zulässt.

Insofern erscheint es folgerichtig, das Number26 sich um eine eigene Lizenz bemüht hat und diese auch erhalten hat. Eine Banklizenz kostet in diesem Segment mindestens einen siebenstelligen Betrag pro Jahr – ab einer gewissen Flughöhe im Umsatz wird das aber gut bei den sonst volumenabhängigen Kosten gespart werden können. Hinzu kommt wie gesagt die Chance, flexibler zu sein. Eigentlich kann ein Number26 erst jetzt, mit eigener Lizenz, leisten, was viele erwarten: wahrhaft innovative Leistungen und Produkte bereit stellen. Bis zum Wechsel auf die eigene Lizenz kann Number26 im Grunde nur das Frontend bunt anmalen und in den Operations besser als der Status Quo sein.

Der Wechsel auf die eigene Lizenz findet zumindest für Bestandskunden zum 01.12. statt. Das bedeutet konkret, das die Konten auf die neue Lizenz umgezogen werden, was diverse neue „Zustimmungen“ der Kunden erforderbildschirmfoto-2016-11-22-um-19-00-13lich macht. Ferner werden ausgegebene Zahlungsmittel wie die Kreditkarten ungültig. Wer weiter an sein Geld kommen will, muss neue Karten bestellen. Deshalb erinnert Number26 auch schon seit geraumer Zeit beharrlich daran, neue Karten zu ordern, die App zu updaten und die Zustimmungen zu gewähren – tut man dies als Kunde nicht, ist nach 45 Tagen der Ofen aus und Number26 muss das alte Konto auflösen.

Diese Transition scheint nicht einfach zu sein; die Nachrichten landen teilweise im Spam, der Übertragungsprozess ist zwar gut designt, dennoch aber komplex. Da wird Number26 sicherlich etliche Kunden verlieren. Schätzungen liegen zwischen 5 – 30%. Ich halte einen Wert von 10% für realistisch, was bei einem Wert von etlichen hundert Euro je Kunde richtig ins Geld gehen wird. Hoffentlich hat Number26 noch ein paar Ideen in der Schublade, wie der Transitions-Churn gering gehalten werden kann.

Dennoch ist davon auszugehen, das Number26 das überleben wird und danach den Raum hat, wahrhaft innovativ zu sein. So gibt es inzwischen auch neue Produkte, die auf Nischengruppen zielen.

Der „Black“ Account versucht exklusiv zu sein und bietet Versicherungsleistungem mit an. Schwer vorstellbar, das das wirklich jemand benötigt, aber dennoch eine nette Idee. Wenn Kunden das ordern, wird Number26 sicherlich eine nette Marge an der Versicherung selbst haben und außerdem einen guten Zugang für weitere Anschlußverkäufe. Das kostenfreie Geschäftskonto erscheint mir eine wirklich sinnvolle Idee zu sein. Ich habe erst zuletzt versucht, einen günstigen Business account zu eröffnen und gelernt, wie kompliziert das ist. Wer hat schon Lust, sich eine Stunde mit der Sparkasse hinzusetzen? Die übrigen Onlineanbieter, die wirklich attraktive Modelle anbieten, sind was Usability und Co betrifft deutlich schlechter.

Das scheinen zumindest gute „easy wins“ für Number26 zu sein. Gleichzeitig hat Number26 die alten „Probleme“ wie Barabhebungen und Co gleich von Beginn an stärker eingebremst. So wird hier die neue Lizenz genutzt, um aus den Schäden der Vergangenheit zu lernen.

Scheint so, als wäre die Bahn für die Zukunft gebaut. Ich bin gespannt, was da so kommen wird. Und ob Number26 es schafft den Churn aus der Transition wirklich im Rahmen zu halten.

 

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