Mobile ist kein Kanal, Mobile ist ein Verhalten

Mobile ist kein Kanal, Mobile ist ein Verhalten

  • On 31. Januar 2017
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Smartphones sind gefühlt schon in der Mitte des Lebens angekommen. Tatsächlich gibt es aber noch viele Menschen mit einem Featurephone und nicht jeder Smartphonenutzer ist ein Poweruser, der mehr surft als telefoniert. Wie bei den meisten digitalen Themen verläuft auch hier ein demographischer Graben durch die Nutzergruppen und je jünger der Anwender ist, desto wahrscheinlicher scheint zu sein, das er die Möglichkeiten des Smartphone voll nutzt.

Japaner-mit-Handys1Doch die Zahl derer, die abseits der Demographie ein Smartphone aktiv nutzen explodiert aktuell. So haben laut Statista knapp die Hälfte aller Deutschen ein Smartphone und laut ARD/ZDF Onlinekompass ist das Smartphone in 2016 in 66% aller Fälle das Zugangsgerät ins Internet gewesen und hat damit erst mals den Laptop/PC Zugang durch alle Altersgruppen überholt.

Das kommt nicht überraschend und hat sich in der Online Branche, respektive im eCommerce in neuen Konzepten niedergeschlagen. Ein gern genutztes Schlagwort dazu ist „mobile first“ oder auch „responsive“. Gemeint ist damit, das sich die Online Aktivitäten eines Bereiches/Unternehmens so entfalten sollen, das die Nutzung auf mobile Geräte optimiert ist und quasi zuerst auf den Nutzer eines mobilen Device hin gedacht und gearbeitet wird. Responsive bedeutet, das sich die dargestellten Inhalten automatisch der Bildschirmgröße anpassen und optimal aufgebrochen werden. Zwischen der vollen Ansicht an einem stationären Bildschirm und einem Smartphonebildschirm, gibt es in der Regel 2 – 3 sogenannte breakpoints, an denen die Anordnung der Elemente und deren Darstellung verändert wird. In einem voll responsiven Ansatz passiert das im Grunde nahtlos.

So weit so technisch, doch das ist deutlich zu kurz gesprungen. Denn „mobile“ ist keine Frage der Technologie, sondern eine Frage des Nutzungsverhalten. Dinge, die bislang als „gegeben“ angenommen worden sind und Eingang in viele Aspekte des Nutzerfluss und der Usability gefunden haben, gelten nicht mehr auf „mobile“. Das ist so, weil sich mit dem mobilen Device in der Hand unser Umgang mit dem Internet drastisch verändert. Ein paar Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Das Display wird mit dem Finger bedient und nicht mit einem Zeigegerät –> die Steuerung ist weniger kleinteilig und genau
  • Die Internetnutzung findet selten exklusiv statt, sondern während einer anderen Beschäftigung –> wir sind also weniger aufmerksam
  • Die Datenverbindung ist nicht immer konstant gegeben und unterliegt schwankender Qualität –> Anzeigen und Daten müssen „bevorratet“ werden
  • Die Nutzung erfolgt oftmals in wenig privaten Umfeldern –> wie wird mit sensiblen Informationen umgegangen?
  • Es stehen neue Informationen zur Verfügung –> mittels Sensoren im Smartphone (Ort, Bewegung, Temeperatur?)
  • Das Smartphone wird deutlich häufiger und dafür viel kürzer genutzt –> reduzierte Aufmerksamkeitsspannen; Probleme im Abschluss eines Funnels
  • Je nach Altersgruppe werden mobile Geräte teilweise sehr kollaborativ eingesetzt –> Unterschiede in der Teilung von Informationen

Diese Unterschiede zu einer Nutzung am stationären Bildschirm sind also sehr weitreichend. Manche Aspekte sind problematisch und bedürfen einer pragmatischen Lösungsfindung. Manche Aspekte können aber auch sehr hilfreich sein und können dabei helfen, ein Thema zu entwickeln.

Als Unternehmen ist es wichtig, sich bewusst zu sein, das eine mobile Nutzung nicht einer stationären Nutzung entspricht. Viele Anbieter sind erst mal froh, überhaupt ein mobil optimiertes Angebot vorweisen zu können. Also ein Angebot, das im mobile Device Bildschirm korrekt dargestellt wird. Je nach Geschäftszweck wird man aber nur dann die volle Power des mobilen Kanals entfalten können, wenn man auch auf die spezifischen Möglichkeiten eingeht; den Prozeß des Konsumenten neu vom mobilen Device her denkt und wo immer möglich, Hemnisse abbaut und zusätzlichen Nutzen einbaut.

 

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