Möbel aus dem Internet

Möbel aus dem Internet

  • On 15. Oktober 2012
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Moin alle,

einer der großen Trends im Start-Up Bereich im Internet sind momentan ja Möbel-Shops. Es gibt wirklich etliche. Ein paar Beispiele: moebel.de, fahsion4home.de, westwing.de, fab4home.de, avandeo.de etc. etc. Dazu kommen noch die ganzen Seiten von inzwischen fast jedem großen Möbelhaus und vielenHerstellern, die am Einzelhandel vorbei versuchen Ihre Möbel zu verkaufen.

Eigentlich sind Möbel online nichts großartig neues – gibt es schon fast so lange wie die erste Internetblase. Anfang der 2000er Jahre waren es nur einige wenige Shops, wo man Möbel bestellen konnte. Meistens waren das dann Webshops die von großen Möbelhäusern betrieben wurden und quasi so nebenher funktioniert haben. Ich kann mich noch erinnern das ich mal online ein Schuhregal für 29 Euro gekauft habe und 3 Tage später war dann ein riesen Möbel LKW vor der Tür, wo ein genervter Möbel Trucker mein mini Paket rausgeholt hat. Sehr lustig eigentlich – jedenfalls für mich.Gerechnet haben dürfte sich das allerdings wohl kaum.

Heute funktionieren viele der Shops anders. Oftmals handelt es sich um „drop shipping“. Hier kauft der Konsument, der Vertrieb (in dem Fall die Website) hat den Artikel aber nicht im Bestand. Dieser wird nach Bestellung erst beim Produzenten in Auftrag gegeben und von dort aus meistens direkt an den Käufer verschickt. Der Webshop dient also wirklich nur als Drehscheibe, die meist lokales know how einbringt, da die Produzenzen in Übersee/Asien sitzen. Teilweise werden dann noch Qualitätsschleifen eingezogen, da die Herstellungsstandards nicht unbedingt dem entsprechen, was der westeuropäische Konsument erwartet.

Neben diesem Ansatz gibt es natürlich auch weiterhin „Möbelshops“ mit eigener Lagerhaltung. Als Konsument profitiert man von schnellen Lieferzeiten – der Shopbetreiber hat eine in der Regel recht komplexe Logistik am Hals und hohe Kosten durch zum Beispiel ein chaotisches Lagersystem und gibt diese Kosten dementsprechend weiter.

Als weitere „Modeerscheinung“ gibt es in letzter Zeit auch immer mehr „Clubs“. Diese versuchen erst mal eine „künstliche Zutrittshürde“ zu etablieren (jedenfalls meistens) und wollen so exklusiver wirken. Auch hier handelt es sich meist um drop-shipping, nur mit dem Unterschied das nicht einzelne Stücke bestellt werden, sondern der Club eine Charge mittels einer Aktion anbietet und dann ordert. Ich habe noch nicht selbst erlebt, was passiert, wenn nicht genügend Einheiten bestellt werden – angeblich werden Bestellungen dann auch storniert.

So weit, so einfach auch hier. Der Onlinemöbelhandel wächst angeblich wohl um 20% pro Jahr. Momentan gibt es pro Jahr ca. 5 – 10 neue Shops, die einen professionellen Auftritt versuchen hinzulegen. Teils werden hier enorme Summen investiert. So wie zum Beispiel bei Westwing, wo im Juni 2012 50 Millionen Euro investiert wurden – wohl gemerkt in den bereits bestehenden Shop. Im September wurden dann 15% der Mitarbeiter entlassen – spricht erst mal dafür, das das Management jetzt die Rationalisierungen umsetzen muss, die zuvor vereinbart wurden. In Summe sprechen die Zahlen aber klar dafür, das der Gesamtmarkt irgendwann auch wieder konsolidieren muss und viele der jetzt neuen Shops wieder sterben werden. Insbesondere auch deshalb, weil die „bekannten Labels“ inzwischen immer mehr online verkaufen. Ein schönes Beispiel dürfte hier Moormann sein, die diverse Regalklassiker verkaufen und online ein tolles Planungstool anbieten.

Aber bleiben wir bei Westwing. Da habe ich dann auch mal vor ein paar Monaten ein Tablett bestellt. Sollte 40 Euro kosten – also eigentlich okay für einen Testkauf. Aus den angeblichen 6 Wochen Lieferzeit wurden am Ende 3,5 Monate. Das Tablett kam dann in einem riesigen Karton, in dem das Tablett ca. 10% des Raumes ausgefüllt hat. Der Rest war angefüllt mit diesen nervigen Papp-Schmetterlingen, die verhindern sollen das die Ware beschädigt wird. Den ganzen Krempel musste ich danach dann erst mal zum Altpapiercontainer bringen. Westwing hat auf meine zwischenzeitlichen Anfragen nicht reagiert. Die Qualität der Ware ist eher mäßig und es platzt schon die erste Farbe ab. Ich werde da sicherlich nichts wieder bestellen. Im Rahmen meines Ärgers über Westwing habe ich mich dann allerdings auch gefragt, wann und aus welchem Zusammenhang ein Mensch ein teures Möbel online bestellt und einige tausend Euro ausgibt – würde ich doch eigentlich denken, das ich mich erst mal auf mein neues Sofa setzen möchte (und vergleichbares) bevor ich es bestelle. Sicherlich – man kann es zurück geben, aber wer will denn schon andauernd der Spedition die Tür aufmachen, damit die Möbel bringen und abholen können?

Meine Theorie ist, das auf Dauer online eher „Kleinteile“ verkauft werden und Klassiker. Klassiker sind Möbel die einen Standard haben und bei denen ich quasi genau weiß, was ich bekomme, wenn ich dieses Möbel bestelle – so wie bei Moormann. Für die übrigen Möbel gehe ich davon aus, das es erst noch eines Zwischenschrittes bedarf, der dem Konsumenten bei der Bewertung und Entscheidung hilft. 3D Hologramme mittels Smartphone könnten hier vielleicht ein erster Ansatz sein und würden einen echten Mehrwert beim onlineshopping stiften.

Zu Gunsten der Mitarbeiter in diesen Bereichen hoffe ich natürlich, das ich mich irre.
Was ist mit Euch? Habt Ihr schon mal online Möbel gekauft? Wie war es für Euch?

 

 

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