Meinungsbild in sozialen Medien – oder wieso Facebook nicht der Realität entspricht

Meinungsbild in sozialen Medien – oder wieso Facebook nicht der Realität entspricht

  • On 23. Februar 2016
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Momentan wird wohl mehr denn je in sozialen Medien – vornehmlich Facebook – diskutiert. Viele von uns kennen vermutlich den Eindruck, das die Kommentare teilweise recht gruselig sind – sowohl inhaltlich als auch in Himblick auf die Art und Weise. Besonders außerhalb der „Netz Industrie“ besteht oft Erstaunen hierüber und ich möchte gerne die – aus meiner Sicht – beiden wichtigsten Gründe erläutern, weshalb Facebook nicht das Abbild der Allgemeinheit ist.

Der erste Grund ist der „Facebook Stream“. Das sind die Nachrichten und Meldungen, die man auf seiner „Pinnwand“ angezeigt bekommt. Bei der Mehrzahl der Nutzer handelt es sich hier nämlich nicht um alle Nachrichten und Meldungen dIMG_8259ie auf Facebook durch Personen aus meinem Netzwerk oder gelikte Seiten entstanden sind. Facebook nimmt eine Auswahl auf Basis eines nicht öffentlich bekannten Algorhytmus vor. Bekannt ist nur, das die Interaktion eines selbst maßgeblich ist für das, was mir als nächstes angezeigt wird. Anders gesagt: wenn ich mich beispielsweise für „Hello Kitty“ interessiere und viel dazu anschaue, wird mir Facebook in Zukunft immer mehr davon anzeigen. Wenn ich die Statusmeldung eines „Freundes“ kommentiere, werden mir vornehmlich weitere Meldungen dieser Person und vergleichbarer Profile angezeigt.

Kurz gefasst wird dies oft als:“Mehr vom gleichen“. Auf diese Weise erhält also jeder User ein Abbild, das nicht der Summe aller Facebookmeldungen entspricht. Als Phänomen kann eher das Gegenteil entstehen. Ich hasse beispielsweise „Hello Kitty“ und lese mir Posts von Menschen durch, die „Hello Kitty“ toll finden – einfach, weil ich mich gerne aufrege. Facebook denkt, ich finde „Hello Kitty“ interessant und präsentiert mir mehr Nachrichten hierzu.

Der zweite Grund ist die Zusammensetzung der Nutzerschaft in sozialen Medien. Hier scheinen wir gemäß einer Studie der OECD in Deutschland eine besondere Situation zu haben. In den meisten Ländern Europas ist der Anteil der Nutzer mit einer hohen, abgeschlossenen Bildung höher, als der Teil der Nutzer ohne abgeschlossene Schulbildung oder mit geringer Bildung. In Deutschland verhält es sich umgekehrt. Über 50% der Nutzer in sozialen Medien haben einen niedrigen Bildungsstatus, nur gut 40% einen hohen Bildungsstatus.

Ich will es mir jetzt nicht einfach machen und behaupten, das Menschen mit geringem Bildungsstatus extreme Meldungen posten würden und ähnliches. Dennoch kann man mir vermutlich zustimmen, das ein höherer Bildungsstatus dabei hilft, komplexe Sachverhalte rational zu hinterfragen und mehrseitig zu beleuchten – kurz ein weniger emotionales Bild zu einem Sachverhalt zu entwickeln. Mit Sicherheit kann man aber sagen, das das Bildungsniveau in den sozialen Medien in Deutschland schlechter ist als im restlichen „Leben“ in Deutschland.

Am Rande bemerkt: Das die Nutzerverteilung so unrepräsentativ ist, ist ein Ausweis der mangelnden Digitalisierung in Deutschland. Unverständlicher Weise gibt es besonders in hoch gebildeten Kreisen eine „Bewegung“ dahingehend, das „Social Media“ das neue „Unterschichten TV“ ist und gemieden werden sollte. Mit Sicherheit nicht hilfreich.

 

 

 

 

 

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