Lemonade – so geht Fintec und Versicherung digital

Lemonade – so geht Fintec und Versicherung digital

  • On 28. September 2016
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Ich bin ja gerne am meckern (Artikel 1; Artikel 2), das sich im Fintech Bereich nicht wirklich viel tut – das inkludiert natürlich auch v-tec – also Versicherungen. „Nicht viel tun“ bezieht sich darauf, das echte Disruptionen bisher in deutschsprachigem Raum Mangelware sind. Die meisten Angebote sind reine Vertriebsmodelle, wie Finanzcheck, Clark oder Knip. Ehemals innovative Ansätze wie Friendsurance fokussieren inzwischen auch fast komplett auf Vertrieb. Ein paar Ausnahmen, wie etwa Ottonova, sind in Entwicklung. Medien wie Deutsche Startups, sehen das scheinbar ähnlich wie ich.

Der Grund wird sein, das im Versicherungsvertrieb einfach massiv viel Geld zu verdienen ist. Und wenn man sich mit dem Versicherungsvertrieb auseinander setzt, so ist der Zugang zu diesem Vertrieb vermeintlich einfach. Zumindest erscheint es deutlich einfacher, als eine echte Disruption auf die Straße zu bringen und erfolgreich zu machen.

Das ist hier auch nicht wertend gemeint. Der Aufbau eines Unternehmens, die Entwicklung eines funktionierenden Geschäftsmodells ist komplex genug. Wer Zugang zu einem funktionierenden Versicherungs- und/oder Finanzvertrieb schafft, hat einen guten Job gemacht. Einige der Geschäftsmodelle finde ich persönlich nicht vorteilhaft für den Verbraucher; aber  das ist subjektiv und ich habe mich dazu ausreichend ausgelassen (Artikel). Mir geht es eher darum, das ich denke das echte Disruption die Produktwelt „Finanzen“ oder „Versicherungen“ nachhaltig positiv verändern könnten. Gleichzeitig: wer die Spielregeln hierfür definiert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein relevante Teil dieser neuen „Welt“.

Ein spannendes Beispiel hierfür ist „Lemonade“ aus den USA. Zunächst einmal kann der Anwender wirklich einfach, unterstützt durch eine AI in der App, binnen weniger Minuten eine Versicheurng abschließen. Das Angebot ist aktuell begrenzt auf New York. Angeboten werden vor allem Sach- und Hausratversicherungen. Interessant ist, das Lemonade die Wertschöpfung für sich aus einer fixen Fee bezieht, die kommuniziert wird. Der restliche Betrag, das „Premium“ wird entweder in einem „peer to peer“ Netzwerk ausgeschüttet, oder eventuell übrige Premiums werden nach Ablauf von Zeitraum X (in der Regel 1 Jahr) ausgeschüttet. Dies findet in der Regel als Spende an einen guten Zweck statt. Lemonade disruptet also auf mehreren Ebenen:

  • neuartiger Vertrieb ohne Makler, nur mobile mit Nutzung einer AI
  • feste Vergütung für die Versicherungsgesellschaft, die eher als Plattform fungiert, denn als Versicherungsgeber
  • nicht genutzte Premiums werden ausgeschüttet

Somit wird das Versicherungsprodukt auf einmal hipp, erfüllt einen guten Zweck und bedient dennoch die Absicherungsbedürfnisse. Fraglich ist hier allerdings noch, wie mit unzweifelhaft stattfindendem Versicherungsbetrug und Mißbrauch umgegangen werden wird. In jedem Fall aber ein spannender Showcase, den es lohnen wird zu beobachten.

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