Candy Crush geht an die Börse – IPO von King.com

Candy Crush geht an die Börse – IPO von King.com

  • On 27. September 2013
  • 3 Comments

Das wohl erfolgreichste Spiel der Welt außerhalb der AAA Konsolenspiele dürfte momentan wohl CandyCrushSaga von King sein. Im Durchschnitt über 50 Millionen Menschen spielen Candy Crush Saga – und zwar an jedem fantastischem Tag. Da viele Menschen das Spiele jeden Tag spielen, ist die Zahl der wöchentlichen Spieler „relativ“ klein und liegt bei „nur“ gut 140 Millionen Spielern. Nur mal zum Vergleich: GTA V hat in 5 Tagen 15 Millionen Exemplare verkauft – davon kostet eines zwar zwischen 50 – 70 Euro – dennoch ist die „soziale Reichweite“ von King sicherlich höher.

Candy Crush Saga läuft unter anderem auf King´s eigener Seite, wo man das Spiel mit Geldeinsatz spielen kann. Der absolute Löwenanteil an Traffic wird aber über Facebook generiert. Mobile Apps  für Android un iOS flankieren das Spiel. Sogenannte „Service“ Varianten auf verschiedenen Browserspielplattformen existieren ebenfalls noch.

Nun ist bekannt geworden, das King anstrebt, Ende diesen Jahres sich an der NYSE listen zu lassen – also einen Börsengang vorzunehmen. Da King´s Umsatz (bisher?) unter 1 Milliarde Dollar liegt, muss King keine finanziellen Zahlen veröffentlichen. Nun kann man einige Mutmaßungen annehmen: Wievield Geld spült der IPO in die Kassen von King, wird es ein Erfolg werden und was macht King danach mit dem Geld.

Der Börsengang von King ist der größte Börsengang eines „social gaming“ Unternehmens nach Zynga überhaupt. Zynga wird momentan mit 2,3 Milliarden USDollar bewertet (Stand 30.09.2013 16:45 Uhr). Das ist zwar deutlich weniger als zu Zeichnungsbeginn, aber immer noch eine Menge für eine „Spielebude“. Dementsprechend wird King gerne mit Zynga verglichen und wird sich daran auch messen lassen. Zynga und King unterscheidet jedoch einiges:

Zynga kommt aus San Francisco und ist durch eine enge Verbindung von Marc Pinkus und Marc Zuckerberg erfolgreich geworden. Dann kam mit dem Facebook IPO auch der von Zynga und der Laden ist aufgegangen wie ein Hefeteig. Was dann passierte? In a nutshell kann man sagen: Ab dem Moment, wo Zynga echten Wettbewerb erfahren hat, hat der Laden abgeloost. Die Performance von Zynga wird immer schlechter und das Unternehmen hat binnen weniger Monate die Position als Publisher#1 an King abgegeben. Eine Entwicklung die übrigens nicht überraschend kam, wie man einem alten Post von mir entnehmen kann. Zynga hat es vor allem nicht geschafft nachhaltig erfolgreiche Spiele zu produzieren und diese scheinbar auch nur bedingt erfolgreich monetarisiert.

King kommt aus London und hatte ursprünglich einen Hauptentwicklungsstandort in/bei Stockholm. King besteht seit Anfang der 2000er Jahre und hat lange Erfahrung im Umfeld der Skillgames (Geschicklichkeitsspiele mit der Möglichkeit Geld einzusetzen) gesammelt. Aus dieser Zeit weiß King, wie wirklich gute Spiele entwickelt werden können, worauf Kunden ansprechen und wie diese Entwicklung bei „casual games“ auch wirtschaflich tragfähig abgebildet werden kann. Schon um 2010 war das Portfolio der Spiele auf King.com deutlich jenseite der 100er Spiele Marke angekommen. Etwa 10 – 15 Spiele kommen im Jahr dazu. Die Qualität der Spiele hat sich in der Regel kontinuierlich gesteigert. King hatte bis 2011 nur etwa gute 100 Mitarbeiter und hat dann angefangen die bestehenden Spiele auf Facebook zu transferieren. Zu Beginn gab es auch noch einen Ansatz, ein komplettes Portal auf Facebook abzubilden. Bald hat sich aber der „Saga“ Ansatz ausgeprägt. Das sind im Grunde im Kern immer auf King.com bereits bestehende Spiele, die dort entsprechend erfolgreich sind. Diese wurden nun um narrative Elemente, eine Levelmap und neue Gameplayelemente angereichert. Und „schon“ waren die Saga Spiele fertig. Wenn ich mich recht erinnere war das erste wirkliche „Saga“ Spiel auf Facebook „Bubble Witch Saga“. Niemand von außen kann genau sagen wieviel Geld King momentan verdient. Da King aber seit 2005 profitabel ist, würde ich davon ausgehen, das die bisherigen Veränderungen eher organisch gewachsen sind. Aktuell hat King geschätzt 300 Millionen unique MAU auf Facebook. Ein ARPU (average return per user) von 0,10€ stellt meiner Erfahrung nach einen pessimistischen Wert, 0,30€ einen möglichen Wert dar. Demnach würde King im Monat circa 30 – 90 Millionen€ erlösen – nach Abzug der 30% Facebook-Fee und vor Abzug der eigenen Kosten. Hinzu kommt das Bestandsgeschäft im Skillgaming und Gamblingbereich (nur UK). Viel Text – kurz gesagt: King ist ein über eine Dekade gewachsener Casual Game Entwickler der einen erfolgreichen Transfer zu Facebook geschafft hat.

King hat heute mehr Spieler als Zynga zum Börsengang hatte. King verdient mehr Geld mit seinen Spielern als Zynga es je tat. King hat im Gegensatz zu Zynga bewiesen, das es in der Lage ist eine ganze Reihe von erfolgreichen Spielen zu produzieren. Candy Crush sticht zwar aus der Masse heraus, aber ich gehe davon aus, das dies auch mit dem Momentum der viralen Dynamik auf Facebook korreliert und King Nachfolger zu Candy Crush platzieren kann. King ist erfahren im Lifecyclemanagement und wird mit Sicherheit rechtzeitig die Candy Crush Spieler in andere Spiele bringen – anstatt sie einfach churnen zu lassen. Ich bin deshalb überzeugt, das King der deutlich bessere Börsengang sein sollte – im Vergleich zu Zynga.

Die Menschen haben aber Zynga im Kopf. Ähnlich der Telekom-Pleite mit Manfred Krug wird King eine Art Sippenhaft erfahren und deshalb wird vermutlich der Börsengang vergleichsweise schlechte Werte liefern. Dennoch gehe ich davon aus, das King eine Kapitalisierung um 5 Milliarden Euro (circa 6,8 Mrd. $) erreichen sollte.  Das wäre ziemlich günstig und entspräche einer Bewertung von circa 16 Euro je Spieler oder einem Multiple von ca. 13,5 auf mein geschätztes EBIT (ohne Sondereffekte und Invests: 60 Mio * 12 Monate = 720 Mio * 50% Marge = 360 Mio.€ EBIT). Aufgrund der Sippenhaft wird mehr vermutlich nicht drin sein.

Ist das erfolgreich? Das muss vermutlich jeder für sich beantworten. Der Business Insider sagt. es wäre ein schlechter Deal. Meiner Meinung nach in Summe ein schlechter Artikel, der offenbart das der Autor wenig Verständnis von der Spieleindustrie hat. Vielleicht geht der Autor auch von einer noch geringeren Kapitalisierung aus. Richtig ist in dem Artikel meiner Meinung nach lediglich, das King künftig deutlich mehr Transparenz zeigen muss und die Volatilität von Spieleunternehmen nicht optimal zu Finanzmärkten passt. Zum Rest habe ich mir hier ja bereits ausführlich ausgelassen. Ansonsten denke ich aber nicht, das King das Geld nur einsammelt, um das Geld zu haben. Sicherlich ist es auch eine Art „Prüfmarke“ um dem eher indifferenten Wertgefühl des Facebook Erfolges ein Preisschild aufzukleben. Bisher war King aber immer äußerst smart und hat sich sehr geschickt verhalten. Von daher gehe ich davon aus, das King das Geld vor allem für zwei Themen einsetzen wird:

– Für Beteiligungen/Käufe inhaltlich passender Angebote
– Um „Real money gaming“ auf Facebook mit treiben zu können und dort idealer Weise zu einem der bedeutendsten Anbieter zu werden

Inbesondere der real money Ansatz macht meiner Meinung nach Sinn. King kennt das Geschäft und weiß um die hohen Margen die dort erzielt werden können. UK  ist innerhalb von Facebook bereits mehr oder weniger geöffnet und weitere Länder werden sicherlich folgen.

Einen Einsatz für Marketing kann ich mir eigentlich nicht vorstellen – King hat ausreichend Cashflow um nötige Marketingaktivitäten zu finanzieren und kann mit den vorhandenen Budgets die nötige Reichweite erzeugen. Wenn, dann würde das Geld hier sicherlich nur für punktuelle Unterstützung genutzt werden.

Last but not least wird das Geld für King aber ein Festungswall gegen mögliche Angreifer sein. Wer die nächste #1 auf Facebook werden will, hat nicht nur ein starkes Unternehmen, sondern auch noch eines mit prallen Taschen gegen sich.

 

 

 

3 Comments

Robert
Wieder einige für mich neue, interessante Aspekte dabei. Vielen Dank Ivo! Ob King tatsächlich ein richtiges Cashgame-Angebot auf Facebook anvisiert - inzwischen kann ich mir das ehrlich gesagt gar nicht (mehr) vorstellen. Dann spielen die vergleichweise wenigen Nutzer die für ein solches Produkt überhaupt noch in Frage kommen im Zweifel doch ohnehin lieber Glücksspiele als stressige, echte Skill-Turniere (ich denke diese meintest du?). Aber zumindest hat King hier natürlich theoretisch schon die allerbesten Voraussetzungen ein zusätzliches Facebook-Cashgame-Geschäftsmodell in ähnlicher Erlös-Größenordnung wie das bereits funktionierende Saga-Konzept zu entwickeln. Überzeugt bin ich davon aber ehrlich gesagt nicht. Und: Bei der aktuellen Saga-Reichweite kommen zu den 300M Facebook-MAUs ja auch noch (viele) reine Android- und iOS-Nutzer hinzu. Dann noch die aktuelle Expandierung in Korea (vgl. http://venturebeat.com/2013/09/13/candy-crush-saga-launches-on-hot-messaging-system-kakao-talk-in-korea/) sowie demnächst in Japan. Ich persönlich vermute, dass King sich die nächsten 2 Jahre erst einmal voll auf das Saga-Konzept konzentrieren wird, zumindest für diesen Zeitraum hat King auf jeden Fall noch ausreichend viele gute Spielkonzepte in petto. Und wie du so schön schreibst: "King ist erfahren im Lifecyclemanagement und wird mit Sicherheit rechtzeitig die Candy Crush Spieler in andere Spiele bringen – anstatt sie einfach churnen zu lassen." Das wird meiner Meinung nach dann auch über die genannten 2 Jahre hinaus der entscheidende Knackpunkt sein. Mal sehen wie schnell und konsequent King neue, erfolgreiche Spielideen nachliefern kann. Ob nun dauerhaft inhouse oder dann später auch erkauft. Ein vergleichbarer Spielehit wie Candy Crush Saga von einem anderen Anbieter wäre auf jeden Fall Gift... Mal sehen wohin das zusätzliche Geld dann auf Dauer fliessen soll...vielleicht hast du mit deinen Vorschlägen am Ende ja doch Recht. Wie schon am Anfang gesagt: Sehr interessant :)
    admin
    Danke für das Feedback. Bei Geldspielen habe ich auch eher an den klassischen "white gamble" Bereich gedacht: Bingo, keno etc. Da war King zumindest mal stark drin. Eine Asien-Strategie ist aber sicher auch denkbar. Die sollte nur nicht so teuer sein.
Robert
Achja stimmt, da war mal was. Ich glaube http://www.scopa.it/ und http://www.bingozino.com/bingozino/bingo/home/ stammen vom Produktangebot her teilweise von King.com. Muss ich mir mal näher anschauen, denn mit Bingo und Co. hab ich mich bislang noch nie auseinandergesetzt...

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