King.com goes Cross-Plattform mit Candy Crush Saga – bald Nummer #1 vor Zynga?

King.com goes Cross-Plattform mit Candy Crush Saga – bald Nummer #1 vor Zynga?

  • On 2. November 2012
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Cross-Plattform-Gaming und free-to-play sind ja zwei arg strapazierte Schlagwörter. Innerhalb der Spieleindustrie – und vielleicht noch mehr unter den Investoren – wird angenommen das diese beiden Ansätze besonders Erfolgsversprechend sind. Um Mißverständnissen vorzubeugen vielleicht eine kurze Erläuterung:

free-to-play (free2play) steht für einen Monetarisierungsansatz wo der Spieler das Spiel zunächst kostenlos erhält. Meist mittels einer zwischengeschalteten Fantasiewährung, oder direkt über die Landeswährung, kann der Spieler dann im Spielverlauf aber spielbezogene Vorteile erwerben, bzw. designbezogene Verschönerungen und Individualisierungen erwerben. In einem idealen Balancing ist besonders die spielbezogene Mechanik so ausgestaltet, das der Spieler erst „gehooked“ werden soll – also das Spiel toll findet und weiter spielen möchte. Danach muss er in der Regel Zahlungen leisten, um an gewissen Punkten im Spiel schneller weiter zu kommen. Er kann natürlich auch ohne die Zahlung spielen, benötigt dann aber deutlich mehr Zeit oder scheitert eventuell vollständig.

Cross-Plattform bedeutet, das ich als Spieler exakt das gleiche Spiel auf verschiedenen Geräten spielen kann. Hiermit ist nicht gemeint, das ich mir für zum Beispiel Computer, Spielekonsole, Smartphone etc. je eine exakt darauf zugeschnittene Variante kaufe, die als eigene Session läuft. Gemeint ist, das ich entweder customisierte Clients habe, oder eine einheitliche Version für alle Geräte, die aller immer auf die gleiche Session zugreifen. Dieser Ansatz bietet den starken Vorteil, das der Spieler „sein“ Game auf allen gewünschten Devices spielen kann. Das steigert Retention, Loyalität, Spielerlebnis, Reichweite und darüber – besonders einem free2play Titel – auch wieder die Conversion zu Cashgamern und damit ARPU (average return per user) und ARPPU (average return per paying user).

Die Kunst bei der Kombination von beiden Modellen ist, die bestehenden Klippen zu meistern. Zunächst muss man sich technisch festlegen, ob man zugeschnittene Clients für jede Plattform entwickelt, was recht aufwändig in Entwicklung und Wartung ist. Dafür kann man die Plattformspezifische Aspekte gut berücksichtigen und erreicht meist eine höhere Qualität als mit dem zweiten Ansatz.

Der zweite Ansatz wäre das Spiel in HTML5 zu programmieren – die einzige Sprache die auf allen relevanten Devices funktioniert (außer Konsolen), da es im Browser genutzt werden kann. Hier ist es zunächst anspruchsvoll HTML5 voll auszureizen. Danach reduziert sich der Wartungsaufwand allerdings, da es nur einen Client gibt.

Als nächste große Klippe ist die Usability zu meistern. Jedes Device hat eine andere Displaygröße und andere Steuerungen (Maus vs. Touchscreen). Das Spiel muss sich an diese Bedingungen anpassen können, um ein postives Erlebnis zu vermitteln. Wobei man dieses Problem tendentiell lösen kann, indem man für ein mobiles Device entwickelt und von dort auf Devices mit größeren Displays hoch skaliert. Dies deshalb, da kleinere Displays meist größere Anforderungen an die Usability legen.

Ferner ist zu prüfen, inwieweit eine eventuell eingeschränkte Connectivity (Funkloch bei Handys) und Sonderfunktionen des Devices (GPS, Bluetooth, Sprachsteuerung etc.) das Spielerlebnis aufwerten und/oder vereinfachen könnten.

Bislang gibt es meiner Kenntnis nach nur wenige, erfolgreiche Cross-Plattform free2play Spiele. Eines davon dürfte Zynga´s Texas Hold Em Poker sein. Das habe ich bisher selber auf dem PC, ipad und iphone gespielt. Funktioniert überall super und hat auch eine perfekte Usability auf allen Geräten.

Nun will King.com sein aktuell erfolgreichstes Facebookspiel, Candy Crush Saga auch als Cross-Plattform Spiel rausbringen. Da King.com sich auf HTML5 spezialisiert hat und die Website zu seinem alten Kerngeschäft (Skillgaming) bereits auf HTML5 umgestellt hat und meines Wissens nach auch die Facebookspiele auf HTML5 laufen, dürfte auch die Cross-Plattform Erweiterung auf HTML5 aufsetzen – verpackt in eine eigene App um die viralen Funktionen der App Stores nutzen zu können.

Die Spiele von King.com eignen sich vermutlich sehr gut für einen Cross-Plattform Ansatz. Eigentlich alle Facebookspiele von King.com sind Erweiterungen von bestehenden Spielen von der Skillgamingplattform, bzw. Adaptionen hiervon. Es handelt sich vom Grund her immer um sehr einfache Spiele, die ein simples Gameplay haben. Meistens sind es sogenannte Bubble Shooter (Bubble Witch Saga) oder Match3 Spiele (wie Candy Crush Saga), die durch einen Storymode aufgewertet werden. Ferner sind die Spiele einfach im Bezug auf die Steuerung und bieten nur wenig Actionelemente, bzw. die Framerate ist relativ gering – im Vergleich mit z.B. einem Shooter, Fußballspiel, Racer etc.

Für Cross-Plattform würde ich vermuten, das je einfacher ein Spiel ist, desto leichter lässt es sich portieren. Insofern also gute Voraussetzungen für King.com mit Candy Crush Saga. Bei King.com sehe ich auch noch den Aspekt, das die Spiele wirklich perfekt umgesetzt sind in Punkto free2play. Zumindest bei Bubble Witch Saga bin ich selber am Haken gewesen. Das Spiel hat Spaß gemacht, viele „Freunde“ auf Facebook haben auch gespielt und es gibt sehr viele Ansatzpunkte, wo man sinnvoll in das Gameplay integriert Geld ausgeben kann/muss. So ist Bubble Witch Saga zumindest für mich bisher das einzige Spiel auf Facebook, bei dem ich Geld ausgegeben habe (außer meinen eigenen natürlich :-). Candy Crush Saga ist nun nicht mehr mein Ding und orientiert sich noch deutlich in Richtung Frauen. Für die breite Masse bin ich aber überzeugt, das der interne Druck zum Geld ausgeben noch deutlich höher ist.

Der Cross-Plattform Ansatz wird hier meiner Überzeugung nach sich positiv auswirken. Wenn ich meine Session während Wartezeiten auf dem Handy weiterspielen kann, entfällt die „tote Zeit“ in der sich bei den meisten Spielen Energiestände wieder aufladen. Die User wollen mehr spielen und werden zwangsläufig Geld einsetzen müssen hierfür. Ich kann mir gut vorstellen, das das funktioniert.

In Punkto Nutzerzahlen wird King.com Zynga sicherlich noch lange nicht überholen. In Punkto Wachstum und Erlöse wird der Cros-Plattform-Ansatz aber vermutlich einen deutlichen Sprung nach vorne für King.com bedeuten.

 

 

 

 

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