Goodgame Studio – Massenentlassungen und der goldene Gral

Goodgame Studio – Massenentlassungen und der goldene Gral

  • On 26. August 2016
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Es ist erst ein paar Tage her, das passierte, was viele schon lange erwartet haben: Goodgame Studios hat von Massenentlassungen gesprochen. Genauer gesagt hat GGS informiert, das man sich auf den bisherigen Kerngeschäftsbereich fokussieren will. Alle übrigen Geschäftsbereiche sollen abgewickelt werden und im Folge dessen will man sich von einer dreistelligen Mitarbeiterzahl trennen. Wie viele genau, ist offen.

In der Pressemeldung ist die Rede davon, das der Abbau über die nicht Verlängerung befristeter Verträge stattfinden soll und anderen Mitarbeitern attraktive Beendigungsangebote gemacht werden sollen. Diese sollen eine Kompensation „über Markt Niveau“ beinhalten, als auch Unterstützung im Replacement und Beteiligung oder Übernahme von Umzugskosten. Wenn das nicht ausreicht, sollen rein betriebsbedingte Kündigungen vorgenommen werden, was für die betroffenen Mitarbeiter am schlechtesten wäre.

Erwartbar hat sich direkt im Nachgang ein shit storm entwickelt – besonders zu dem Sachverhalt, das erst vor wenigen Monaten die Bildung eines Betriebsrates „verhindert wurde“ oder  als“nicht erforderlich“ betrachtet wurde. Die Begrifflichkeit ist hier Abhängig vom Standpunkt. Oftmals wird nun die Meinung vertreten, das der Stellenabbau „besser“ stattfinden würde, wenn es einen Betriebsrat gäbe. Ebenso wird kritisiert, das die Aussagen von GGS zu dem Vorgang sehr intransparent sind.

Ich will mich heute nur kurz mit dem Thema Betriebsrat auseinandersetzen: Aus meinen Erfahrungen kenne ich kaum Beispiele, wo es dem Mitarbeiter in der Gesamtheit geholfen hat, wenn der Betriebsrat seine Finger mit im Spiel hatte. Hier wurde eine unternehmerische Entscheidung getroffen und Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Kommunikation von GGS ist bestenfalls undurchsichtig und lässt vieles vage. Bei einem Betriebsrat wäre zumindest das anders und es müsste nun einen Plan geben, in dem alles genau festgeschrieben ist. Nun könnte es aber natürlich auch sein, das die bei GGS weiterhin bestehende Flexibilität auch positiv genutzt werden kann. Was es am Ende wird, ist unklar und kann nur retrospektiv bewertet werden. Es ist aber nicht davon auszugehen, das bei einem Betriebsrat weniger Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren würden, sondern vermutlich teilweise andere. Die in der Pressemeldung dargelegten Leistungen klingen in jedem Fall erst mal gut. Bei einem Stellenabbau mit Betriebsratsbeteiligung streben Unternehmen hingegen meist schon aus Reflex eher das kleinst mögliche Paket an, was hier vermutlich kleiner ausfallen würde. Ich weiß, das es dazu viele andere Meinungen gibt, was auch nachvollziehbar und okay ist.

Aber zu GGS und Hamburg: Für den Standort Hamburg und die hiesige Spieleindustrie ist das eine sehr schlechte Entwicklung. Die restlichen Hamburger Unternehmen werden es nicht leisten können, die freigesetzten Mitarbeiter aufzunehmen. Auch branchenübergreifend ist das eine große Zahl. Davon profitiert der Standort sicherlich nicht.

Noch wichtiger finde ich die Frage nach dem Fortgang mit GGS. In der Pressemeldung wurde mitgeteilt, das man sich auf das profitable Geschäft mit Strategiespielen und Performancemarketing konzentrieren will. Die Tests, vor allem im Bereich Client-Games und Casualgames, sind scheinbar gescheitert und werden beendet. Ebenso werden zahlreiche Browsergames eingestellt. Es verbleiben im Grunde nur noch: Goodgame Empire, Empire: Four Kingdoms, Goodgame Big Farm und Shadow Kings. Diese drei Spiele erwirtschaften stand heute wohl nahezu 98% des Umsatzes von GGS. Die Entscheidung sich zu fokussieren soll nun also den cash drain in anderen Bereichen beenden und wird zu einer deutlichen Steigerung der Profitabilität führen. Teilweise wurde vermutet, das diese Entscheidung ein Eingeständnis gescheiterter Verkaufsverhandlungen wäre. Das kann sein – muss aber nicht. Ein Investor wird sich die Performance neuer Titel sehr genau ansehen und nicht „blind“ kaufen. Insofern halte ich es eher für wirtschaftlich konsequentes Handeln, das alles beendet wird, was nicht funktioniert. Es kann Investoren geben, die genau diese Entscheidung gut finden und nun eher interessiert sein werden. Um es mit Ferris Bewler zu sagen:“Wer weiß es?“

In jedem Fall ist es erschreckend und bedauerlich, das ein Unternehmen wie GGS es trotz massiver Invests in neue Spiele und Segmente nicht geschafft hat, dort Fuß zu fassen. Die Fokussierung auf die drei Kerntitel hilft dem Gewinn – allerdings nur kurzfristig. Mittel- und langfristig wird GGS eine Antwort auf die Frage nach dem „nächsten Spiel“ liefern müssen. Wie auch bei Bigpoint, wird es dauerhaft nicht reichen, alten Wein in immer neuen Schläuchen zu servieren. Als Außenstehender habe ich den Eindruck gehabt, das die Unternehmensführung von GGS diese Challenge sehr klar gesehen hat und in den vergangenen Jahren versucht hat Antworten zu finden. Dazu wurde massiv investiert und ein sehr großes Team aufgebaut, was es auch braucht. In diesem Anlauf hat es nicht geklappt die Hürde zu überwinden und mehr oder weniger zwangsläufig findet nun eine Bereinigung der Organisation statt. Würde dies nicht jetzt passieren, wäre die Situation des Unternehmens in Zukunft vermutlich prekär.

Es bleibt zu hoffen, das GGS in einem weiteren Anlauf eine erfolgreiche Antwort auf die Frage nach dem nächsten „Titel“ liefern kann. Und es bleibt zu wünschen, das mit den betroffenen Mitarbeitern sozial und menschenwürdig umgegangen wird.

Als Hommage ein GGS Promo Video:

Alter Blogbeiträge zu GGS:

 

 

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