Gambling meets social Gaming – wie Bwin, Zynga und der Staat viel Geld verdienen können…

Gambling meets social Gaming – wie Bwin, Zynga und der Staat viel Geld verdienen können…

  • On 26. Oktober 2012
  • 0 Comments

Seit Monaten gibt es immer wieder Nachrichten zu den Synergien (oder nicht Synergien) zwischen „Gambling“ und „Gaming“ – hier genauer „social gaming“. Kurz einmal zur Definition:

„Gambling“ bedeutet hier das Spiel von Spielen mit Einsatz von echtem Geld mit dem Ziel Gewinne zu erzielen. Die Gewinnerzielungsabsicht steht hier meist im Vordergrund. Das Spiel dient als Vehikel, steuert aber durch Spielmechaniken und Anreize nicht selten erheblich das Spiel- und Einsatzverhalten. Bwin ist ein bekannter Anbieter von gambling Produkten.

„Social gaming“ steht für as Spielen von reinen Unterhaltungsspielen in sozialen Netzwerken – idR Facebook. Bekanntestes Rollenmodell ist Farmville. Der Spieler kann keine Geldgewinne erzielen, muss oder kann aber Echtgeld für Spielelemente einsetzen. Mit diesen Elementen verschafft er sich im Spiel Vorteile oder kann das Spiel nach seinen Wünschen anpassen und individualisieren (auch free-to-play genannt). Zynga ist ein bekannter Anbieter von social gaming Produkten.

Gambling Compliance berichtet in einem Artikel von gestern, das Bwin.Party und Zynga in einer nicht näher definierten Kooperation den Markt bearbeiten wollen und Synergien heben wollen. Hauptfeld der Betätigungen soll zunächst Poker sein.

Bwin.Party betreibt das „Party Poker network“, ein Echtgeld Poker Netzwerk. Dort hat Bwin mit leicht sinkenden Erlösen zu kämpfen, die im 1. HJ 2010 noch bei 116 m€ lagen, im 1.HJ 2012 nur noch bei 96m€. Obwohl Poker eines der populärtsen Spiele ist, hat Bwin also mit einem schrumpfenden Geschäft zu kämpfen. Es scheint nicht mehr möglich zu sein, ausreichend neue Kunden zu attraktiven Kosten einzuwerben.
Im Vergleich dazu ist Texas Hold-Em von Zynga auf monetärer Ebene das vielleicht wichtigste Produkt von Zynga. Die Erlöse wachsen konstant und liegen aktuell bei 99,2 mUSD (~76,5m€) im 1.HJ 2012. Auf Jahressicht ist von über 200mUSD auszugehen, was einem Plus von 20 – 30% zum Vorjahr entsprechen wird. Wie bekannt, hat Zynga mit verschiedenen Problemen zu kämpfen (Änderungen der Facebookmechaniken zum Nachteil von Zynga, Akquisition von OMGPOP, schlechtere Performance bei den Blockbustern – vermutlich durch mehr Wettbewerb) und ist auf der Suche nach weiteren, stabilen, Einnahmequellen.

Aus dieser Konstellation ergibt sich, was allgemein in der Branche zu beobachten ist: Bwin als echter Gamblinganbieter, hat ein stärkeres Auge auf „social gaming“ geworfen. Wobei diese Beschreibung für Bwin wohl verharmlosend ist. Bwin hatte im Frühjahr 2012 bekannt gegeben, das man 50mUSD in den Auf- und Ausbau von social gaming Aktivitäten stecken wolle.  Zynga wiederum setzt sich vermutlich mit Gamble-Produkte auseinander, um dem social gaming Portfolio einen weiteren Umsatzbringer hinzufügen zu können. Erste echte gamble Produkte gibt es bereits mit einem Bingo von Gamesys auf Facebook – weitere Angeboten werden folgen.

Nur am Rande sei bemerkt, das Facebook selber natürlich auch ein sehr großes Interesse an der Veröffentlichung von Gambleangeboten auf Facebook hat. Im Allgemeinen geht man von einem Jahresumsatz zwischen 400 – 1.000€ pro echtem und aktivem Gamblekunden aus – ein vielfaches eines social gaming Kunden und Facebook partizipiert weiterhin mit ca. 30% vom Einsatz. Der Gambleanbieter profitiert von der enormen Reichweite und der Viralität – dennoch würde ich persönlich vermuten, das Facebook auf Dauer für Gamble Angebote andere Konditionen anbieten wird.

Aber zurück zu Bwin und Zynga. Ziel soll zunächst sein, die Zynga-Poker-Spieler in das Bwin Poker Network zu implementieren und darüber hinaus gemeinsam Slotgames zu entwickeln, die IP´s von Zynga nutzen. Beides sicherlich smarte Schachzüge. Zynga hat mehrere hundert Millionen Pokerspieler – viele von Ihnen sind sehr erfolgreich im virtuellen Poker. Auch wenn nur ein Bruchteil dieser Pokerspieler sich zum Echtgeldpoker transferieren lassen, so sollte die Conversion dennoch die klassischen Werbekanäle outperformen. Ferner eignen sich bekannte Brands gut für Slotmaschinen. Der Wiedererkennungswert scheint sich fördernd auf den Spieleinsatz auszuwirken. Die Spielmechaniken sind in der Regel vorhanden und es muss eher ein „Branding“ stattfinden, denn eine echte Entwicklung. Das wird die Produktionskosten spürbar eingrenzen.

Ich würde in jedem Fall davon ausgehen, das dies nur Startprojekte sind. Weiteres Potential dürfte in der gemeinsamen Entwicklung neuer Inhalte liegen, die es in dieser Form noch nicht gibt und die schwer zu imitieren sind. Ich könnte mir zum Beispiel einen Sport-Almanach mit integrierter Bookmaker und Instant-Betting Möglichkeit sehr gut auf Facebook vorstellen. Im besten Fall noch mit einer Integration von „social betting“, wo jede Community ihre eigene Wette aufsetzen kann.

Ich denke, das wird nicht die letzte Allianz dieser Art werden. Weitere „social gaming“ und „gambling“ Anbieter werden sich zusammen schließen um mögliche Synergien zu heben. Meiner Meinung nach, macht dieser Schritt rein ökonomisch auch sehr viel Sinn. Zumindest kurz- und mittelfristig. Als echte Gefahr sehe ich die Regulationswut der Regierungen. Eigentlich jedes mir bekannte westliche Erstweltland hat eine sehr differenzierte Gesetzgebung zu „Gambling“ im Allgemeinem und „Online Gambling“ im Besonderen. Social Gaming kommt hierbei ohnehin langsam aber sicher auf das Wahrnehmungsradar der Autoritäten. Allianzen wie die von Bwin und Zynga werden diesen Prozess massiv beschleunigen. Der Gesetzgeber wird zum einen Regulierungsbedarf sehen um die Bürger vor übermäßigem Konsum zu schützen und zum anderen an dem stattfindenden Konsum partizipieren zu können. Üblicher Weise findet eine Regulierung dann jedoch mit stark limitierter Sachkenntnis statt, was selten positiv für diejenigen ist, die reguliert werden. Ich bin sehr gespannt, wie sich das weiter entwickeln wird. Da die Regierungen aber auch meist relatv gesehen langsam sind, glaube ich an 4 – 5 sehr starke Jahre für diese Art der Allianzen.

 

 

 

 

0 Comments

Kommentar verfassen