Flasche leer bei Knip

Flasche leer bei Knip

  • On 31. August 2016
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Bei Knip geht´s rund. Alleine von Februar bis Juli diesen Jahres verließen vier Top-Manager(innen) das Unternehmen: Produktchef, Art Director, Head of Marketing und Head of Strategy. Gleichzeitig sind die Installs deutlich runter gegangen. H2/2015 = 375.000 Installs; H1/2016 = 225.000 Installs.

Das sagt natürlich noch nicht viel aus. Im Personalbereich scheint Knip üppig aufgestellt zu sein. Ein eigener Art Director oder Head of Strategy (wie viele Mitarbeiter hat der denn?) sind beispielsweise nicht wirklich üblich in der Unternehmensgröße. Die Installzahlen alleine sind wenig belastbar und machen nur in Verbindung mit Budget und De-Installs ein eindeutiges Bild.

Dennoch bleibt ein seltsames Gefühl zurück. Organisatorisch gibt es viel Unruhe, was sich neben Artikeln in der Presse auch anderweitig bestätigen lässt. Personaler die für das Unternehmen tätig sind sprechen von „fehlendem Leadership“, was als allgemeine Aussage zu verstehen ist und sich nicht (nur?) auf die Geschäftsführung bezieht. Und sinkende Installs sind bei einem Unternehmen das per Definition in der Anfangsphase ist, nicht wirklich optimal.

Sichtbar wird die Performance im Cash. Knip hatte 15 Mio Euro eingesammelt, von denen stand heute etwa 5 Mio Euro über sind. Dennis Just, einer der Gründer, findet das soweit in Ordnung und geht davon aus, das in Q1/2017 ein neues Funding stattfindet. Gerne im Bereich 20 Mio Euro und mehr.

Als Außenstehender habe ich da so meine Zweifel. Nach Aussage von Gründerszene benötigt Knip etwa 50 – 60.000 aktive Kunden in Deutschland und Schweiz um break-even zu sein. Ferner sagt Dennis Just, das der Fokus mehr auf den Kundenwert bestehender Kunden gelenkt werden soll und nicht ausschließlich auf Neukunden. Nach Informationen die mir von einem Insider vorliegen, hatte Knip Anfang Q2/2016 aber lediglich 20.000 aktive Kunden – nach meinem Verständnis in Deutschland un Schweiz zusammen. Aktive Kunden sind diejenigen, die die App installiert haben und auch tatsächlich nutzen. In Summe waren 45.000 Policen im Bestand, was im Schnitt als 2,25 Policen je aktivem Kunden entspricht.

knip_bewertungen_googleBeides ist nicht wirklich viel. Ausgehend von sicherlich über 500.000 Installs ist eine Aktivzahl von 20.000 zu gering. Die Conversionrate wäre hier deultich unter 5%. Die Zahl der Policen je aktivem Kunden ist ebenfalls zu klein. Laut GDV gibt es in Deutschland 428 Millionen Versicherungsverträge. Mal ganz platt gerechnet sind das also 428 Millionen Policen / 80 Millionen Einwohner = 5,35 Policen je Einwohner im Schnitt. Knip erreicht lediglich 42% dieser Policenanzahl je durchschnittlichem Kunden. Das bedeutet also, das die aktiven Kunden entweder unterdurchschnittlich mit Versicherungsverträgen versorgt sind, oder nicht alle Policen in das System einspielen lassen. Das die Kunden nicht voll Vertrauen, erscheint mir hier als Annahme zutreffender – besonders auch, wenn man sich die Bewertungen in den App-Stores anschaut. Dort gibt es natürlich auch positive Bewertungen – über 50% Bewertungen schlechter als der Mittelwert sind aber ein wahrhaft desaströser Wert für eine App.

Vor diesem Hintergrund kann ich persönlich nicht daran glauben, das Knip dauerhaft wachsen kann wie bisher, respektive es schaffen wird, den Kundenwert nachhaltig zu steigern. Das hat neben dem App Design vor allem mit dem eigentlichen Geschäftsmodell zu tun, das (wie schon erläutert) nicht nachhaltig ist und den Nutzer benachteiligt. Es wird spannende zu sehen sein, ob Knip es schaffen wird, ein neues Funding zu den von Dennis Just erhofften Konditionen zu closen.

 

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