Fintech – außer Spesen nix gewesen? Disruption Mangelware.

Fintech – außer Spesen nix gewesen? Disruption Mangelware.

  • On 20. November 2015
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Vor einigen Tagen hatte sich Thomas Keup von der Gründermetropole in einem Meinungsartikel über die Machenschaften einiger Fintech Startups in Berlin ausgelassen und in diesem Zusammenhang auch kritisiert, das die Innovationstiefe der Fintech Startups in Summe nicht sehr ausgeprägt sei.

Ich habe mir daraufhin noch einmal die Fintech Szene angesehen. Weit über 100 Startups gibt es in Deutschland im Bereich Fintech und Insurance. Der absolute Löwenanteil beschäftigt sich mit Zahlungsarten, Contentaggregation, Vertrieb bestehender Produkte und Ident/Scoringthemen. Die Ausnahmen sind rar und funktionieren oft nicht wirklich – wie beispielsweise Friendsurance, die mangels Erfolg zum eigentlichen Kernprodukt nun auch den Verkauf bestehender, klassischer Versicherungen hinzugenommen haben.

Ich denke man kann Thomas Keup also Recht geben, das die Fintechlandschaft echte Innovation (in der Regel) noch schuldig ist. Das finde ich insofern erheblich, als das die meisten der aktuell betriebenen Konzepte mehr oder minder schnell kopierbar sind und es sich eher um Themen handelt die mit der kritischen Masse an Kunden stehen und fallen. Es gewinnt also der, der die meisten Kunden zu verantwortbaren CPOs möglichst schnell einsammeln kann.

Meiner Wahrnehmung nach haben die meisten Banken und Versicherungen Ihre Hausaufgaben im (sichtbaren) Digitalisierungsbereich noch nicht wirklich gemacht. Durch den Ansatz eigene Inkubatoren zu nutzen um sich das methodisch alternative Konzept der Startups anzueignen, nutzen die etablierten Spieler hier aber einen einfachen und effektiven Weg für den Segmentzutritt. Deutsche Bank, Axa, Alte Leipziger und einige andere haben in den letzten Monaten auch verlautbaren lassen, im Digitalisierungsbereich künftig deutlich mehr Engagement zu zeigen. Große Budgets stehen bereit. Das wird vermutlich spannender werden als oft vermutet – bzw vielleicht auch nicht, nur das hier die „old economy“ mir im Vorteil erscheint.

Ehrlich gesagt ist dieser Zustand allerdings auch nicht sonderlich überraschend. Die Defizite der Banken und Versicherungen im Kundenkontakt sind eklatant und der Hebel erscheint groß. Allerdings ist hier das Problem der Kundenbindung und Kundengewinnung nicht zu unterschätzen. Nach Einschätzung von Insidern ist das Marktpotential auf Prozeßebene allerdings noch deutlich größer. Das gilt sowohl für Banken, als auch für Versicherungen. Dieses Potential ist nur von außen sehr schwer zu heben. Zum einen fehlen Einblicke in die Notwendigkeiten und Problematiken. Ferner dürfte die Systemlandschaft bei den Banken und Versicherungen nicht einheitlich sein. Schlußendlich wird es schwer sein, im b2b Vertrieb solche Produkte zu vertreiben. Dennoch gehe ich davon aus, das echte Disruption und gleichermaßen auch wirtschaftlicher Erfolg vor allem da zu finden sein wird, wo den Banken und Versicherungen Prozeßerleichterungen geboten werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich das entwickelt.

Ach ja – am Rande bemerkt finde ich die von Thomas Keup beschriebene Umgangsform auch nicht sonderlich begrüßenswert. Sonderlich integer wirkt das jedenfalls nicht – vermutlich wird es zu dem beschriebenen von der Gegenseite aber eine andere Sicht geben.

 

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