Entwickler erobern die Weltherrschaft – oder wie man einen guten Beruf finden kann

Entwickler erobern die Weltherrschaft – oder wie man einen guten Beruf finden kann

  • On 3. Oktober 2015
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Ich finde die Suche nach einem Beruf sollte emotional nicht zu stark aufgeladen sein. Der Wunsch seine echte Berufung zu finden und eben jene zum Beruf zu machen, ist ein wirklich hoher Anspruch. Daran zu scheitern und zu verzweifeln, kann schnell passieren. Sarkastisch gesagt – das klassische Taxifahrerdilemma. Gut ausgebildet, Philosophie studiert, den Weg nicht gesehen, im Taxi gelandet. Aber natürlich ist es auch mir wichtig, das mir meine Arbeit Spaß macht und eigentlich emfpinde ich Arbeit auch nicht als „Arbeit“, sondern wenn es etwas ist, was mir Freude macht und mich interessiert, dann ist es eher eine spannende Beschäftigung die auch noch Geld bringt.

Vor dem Hintergrund betrachte ich immer meine Tochter die nun bald 5 Jahre alt wird und überlege, was ich ihr wohl raten soll, wenn Sie mich in einigen Jahren vielleicht fragt, was für einen Beruf sie ergreifen könnte. Vermutlich wird sie mich gar nicht fragen, aber ich stelle es mir dennoch immer vor. Letztlich ist es auch die Frage: Was würde ich heute machen, wenn ich noch mal neu vor der ersten Berufswahl stehen würde.

Und das ist sicherlich schon mal ein wesentlicher Unterschied. Als ich mich für einen Beruf entschieden hab, da war das gefühlt noch die Wahl für die Ewigkeit. Das man seine berufliche Indetität verändern oder gar wechseln könnte, stand Anfang der Neunziger Jahre auch noch nicht wirklich zur Diskussion. Für meine Eltern war es schon schwer zu ertragen das ich BWL studieren wollte und damit kein „fest definiertes“ Aufgabengebiet hätte, wie zum Beispiel ein Arzt oder Geologe. Letztlich hat mich genau das aber gerettet, da es mir nicht entspricht mich auf lange Zeit fest zu definieren. Die Veränderung und Weiterentwicklung ist ein spannender Teil meines Berufslebens. Im Nachhinein wirken alle Schritte logisch aneinander gereiht – vor 20 Jahren, kurz vor Ende meines Studiums, hätte ich mir nicht ansatzweise ausgemalt, heute so zu „arbeiten“.

Dementsprechend würde ich meiner Tochter empfehlen eine Ausbildung anzustreben, die ihr möglichst viel Freiheiten und Gestaltungsspielraum bietet. So das sie eine Grundlage hätte sich immer wieder neuen Begebenheiten anzupassen. Ökonomie im weitesten Sinne ist das schon garnicht schlecht. Es ist immer hilfreich die wirtschaftlichen Aspekte hinter den Zusammenhängen zu kennen und generell in der Lage zu sein zu verstehen, was zum Beispiel der Unterschied zwischen Umsatz, Einnahmen und Gewinn ist. Wobei nun auch wahrlich nicht jeder BWL Student echte Ahnung von wirtschaften hätte. Vor 30 Jahren war Ökonomie in jedem Fall der Generalschlüssel mit dem man fast überall rein kam und mit dem man fast alles machen konnte.

Heute ist das allerdings ein wenig anders. Meiner Ansicht nach hat sich die Unternehmenswelt zu einer Welt der Prototypen entwickelt. Wer neues bewegen und erreichen will, muss zeigen können, wie es aussieht. Dazu muss man Chipdesigner, Ingenieur, Programmierer oder eine andere Disziplin der neuen Handwerker sein. Menschen, die in der Lage sind aus erkennbaren Defiziten Ideen zu entwickeln und diese selbständig umzusetzen, halten den Schlüssel für die neue Welt in der Hand. Das merke ich selber im Umkehrschluß auch immer wieder. Wenn ich eine „neue Idee“ habe, komme ich natürlich immer an den Punkt, an dem es an die Umsetzung geht. Nur – ich kann weder einen physischen Prototypen bauen, noch kann ich Software entwickeln. Daher benötige ich letztlich immer recht schnell einen Partner, der mir dabei hilft. Nichts gegen teilen – manchmal ist es aber sicherlich einfacher die ersten Schritte in Ruhe alleine zu gehen. Oder auch in einem Team in der Lage zu sein, Dinge selbständig zu betrachten und zu bewerten.

Die digitale Disruption hat nachhaltig die Machtverhältnisse geändert. In der Vergangenheit hat es immer erst jemandem bedurft, der quasi „die Baustelle“ einrichten konnte. Wirtschaftliche und rechtliche Leitplanken mussten gesetzt werden. Heute kann im Grunde „jeder“ eine beispielsweise App entwickeln und in die Appstores stellen. Die Möglichkeit mit zum Beispiel Softwareentwicklungsskills ein fertiges Produkt zu designen und durch die großen Appstores als Mittler Millionen von Menschen zu erreichen, ändert quasi alles. Besonders faszinierend fand ich das an dem Beispiel von Math42 wo zwei junge Studenten mit Ihrer App mal eben kurz diverse klassische „Industrien“ disrupten. Nämlich den Taschenrechner, die Nachhilfe und die klassische Fort/Weiterbildung. Ganz egal wie das ausgeht – es zeigt, was möglich ist, wenn man seine Ideen in die Tat umsetzen kann.

Das heißt also ich werde meiner Tochter empfehlen in der Schule in „Programmierung“ sehr gut aufzupassen und danach Maschinenbau, Wirtschaftsingenieur oder Gentechnik zu studieren. Chipdesign ist sicherlich auch nicht schlecht. Im Grunde: Je mehr Nerd, desto besser. Die wirtschaftliche Seite zieht sich jemand der das geschafft hat, dann vermutlich auch recht komod auf. Schauen wir mal, welche Meinung meine Tochter hat – sicherlich etwas ganz anderes.

 

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