eMobilität, Solar und der Tod der deutschen Automobilindustrie

eMobilität, Solar und der Tod der deutschen Automobilindustrie

  • On 3. August 2016
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Inzwischen sollte klar sein, das eMobilität kein Trendthema ist, sondern eine umwälzende Veränderung der Betriebsart unserer individuellen Verkehrsmittel. Gott sei Dank, ist da eine Alternative zu dem Verfeuern fossiler Brennstoffe in Sichtweite. Noch hat eMobilität ein paar Nachteile – ganz ehrlich und hart gesprochen gibt es aber wohl nur sehr wenig Anwendungsfälle, bei denen diese wirklich noch ins Gewicht fallen. Tatsächlich zum Tragen kommt das eigentlich nur noch, wenn man lange Distanzen per Auto/LKW etc. ohne nennenswerte Unterbrechnungen überbücken möchte. Sagen wir mal Alles, was weiter als 300KM ist und wo keine Zeit für Pausen ist. Laut Statistik trifft das auf über 80% aller gefahrenen Kilometer nicht zu!

Dem gegenüber steht der ökologische Fußabdruck vom Autofahren und die Frage der Endlichkeit unserer Resourcen. Man mag sicherlich noch darüber diskutieren, ob es „besser“ ist, Strom zu verbrauchen der zum Teil noch durch Kohle erzeugt wird und damit sein eAuto lädt. Unstrittig aber ist, das Öl endlich ist, die Grenzkosten der Gewinnung steigen unaufhörlich. Wichtiger noch: nur ein Bruchteil der Erdbevölkerung ist mobilisiert und immer mehr Menschen wollen es werden. Stand heute werden pro Jahr etwa 85 – 90 Millionen Autos verkauft. In 2050 müssen etwa 250 Millionen Autos verkauft werden, um den Bedarf der kommenden Märkte zu decken – allen voran China und Indien. Zu Details empfiehlt sich auch der eingebettete Vortrag:

In Deutschland ist eMobilität der Kampf zwischen „Tesla“ und „den anderen“. Und es ist das „schwarze Peter“ Spiel zwischen Industrie, Politik und Versorgern. Wer ist nun in der Pflicht die nötige Infrastruktur zu errichten, damit eMobilität funktionieren kann? In China ist bereits durch die Politik die Grundlage geschaffen worden. In Ländern wie Norwegen ist der Verkauf von Verbrennermotoren in Zukunft per Gesetz untersagt. Und wir, als „Wiege des Automobilbaus“, diskutieren noch über die Verteilung der grundlegenden Aufgaben.

Ebenso sieht es mit der Mehrzahl der begleitenden Innovationen aus. In 20 Jahren werden wir nicht nur in Mehrheit Autos nutzen, die keinen Verbrennermotor mehr haben, sondern werden sicherlich auch nur noch dann selber fahren, wenn es nicht anders geht. Und das ist auch gut so. Alleine in Deutschland sterben über 4.000 Menschen pro Jahr aufgrund von menschlichem Versagen im Strassenverkehr. Über verschwendete Lebenszeit und wirtschaftlichen Schaden durch unnötig und rein verhaltensbasierte Staus möchte ich gar nicht nachdenken. Im Grunde Wahnsinn, das wir noch diskutieren, ob „autonomes Fahren“ sinnvoll ist oder nicht. Rückwärtsgewandt, das der Sinn und die Anwendbarkeit von eMobilität in Frage gestellt wird. Andere Nationen sind da deutlich weiter. Die hiesige Automobilindustrie hat das inzwischen auch erkannt und versucht aufzuholen. Der Vorsprung den Länder wie China oder USA in diesem Segment haben, oder Produzenten wie Tesla, ist allerdings immens und perspektivisch kann diese Verschiebung dazu führen, das wir unsere Rolle als Innovations- und Qualitätsführer im Bereich des Autombilbaus einbüßen.

Neben bekannten eMobilitätsmarken wie Tesla bieten die aktuellen Umwälzungen im Bereich des Autobau aber auch Platz für zahlreiche, wahrhaft disruptive Projekte. Ein sehr spannendes Projekt ist meiner Meinug nach der Sion.

Es handelt sich um ein Auto mit eAntrieb, das zunächst Solarzellen auf dem Auto als Energiequelle nutzt – natürlich kann es auch per Stecker geladen werden, die Solarpannels sollen aber eine Grundmobilität erzeugen. Darüber hinaus ist der Sion sehr modular und in weiten Teilen „open source“. So kann man im Fall von Defekten die per sameday Delivery zugestellten Ersatzteile mit einfachen „how to´s“ selber austauschen und teilweise sogar selber im 3D Drucker erzeugen. Der Sion ist natürlich ein „Spielplatz“ und es wird sich zeigen, ob das Projekt wirklich in Serienreife kommen kann und dann auch noch einen Platz im Markt findet. Unabhängig davon zeigt das Projekt allerdings deutlich, das die bisher als „gegeben“ verstandenen Prozesse in der Automobilbranche eben doch veränderbar sind. Und bei Tesla haben zu Beginn auch die meisten Menschen gedacht, das das eh nie was wird.

Es wird spannend werden. Und diese Veränderungen helfen uns, relevante Probleme in den Griff zu bekommen: Umweltverschmutung, Endlichkeit des Öl, meherere hunderttausend Verkehrstote und Millionen an Verletzten und Invaliden pro Jahr und noch einiges mehr. Es ist an der Zeit, das wir in Deutschland die „aber“ Position verlassen und zu Vordenkern werden.

 

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