Digitalisierung muss Chefsache sein – was ist das überhaupt?

Digitalisierung muss Chefsache sein – was ist das überhaupt?

  • On 25. April 2016
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Naturgemäß drehen sich viele Gespräche die ich führe, um Digitalisierung – ganz allgemein. Ich bin immer wieder erstaunt und auch schockiert, wie viele Unternehmen Digitalisierung und die daraus folgende Disruption für sich nicht annehmen. Immer wieder höre ich Argumentationen, das das eigene Unternehmen nicht von einem Wandel betroffen wäre, oder man sich nicht damit auseinander setzen müsste. Oft spielen auch Angst vor Datenschutz und anderen Aspekten eine Rolle. Eine Übersicht häufiger Hemmnisse findet sich in der eingefügten Statistik.

Egal wo der Schuh drückt – wer sich nicht mit Digitalisierung und der daraus folgenden Veränderung auseinandersetzt, riskiert dauerhaft sein Unternehmen! Es ist keine Frage „ob“, sondern nur eine Frage des „wann“. Im Folgenden ein paar Gedanken dazu:

Statistik: Wo sehen die Unternehmen Hemmnisse, sich auf den Trend der Digitalisierung einzustellen? | Statista

In Wikipedia ist Digitalisierung wie folgt definiert:

Der Begriff Digitalisierung bezeichnet die Überführung analoger Größen in diskrete (abgestufte) Werte, zu dem Zweck, sie elektronisch zu speichern oder zu verarbeiten. Das Endprodukt oder Ergebnis der Digitalisierung wird mitunter als Digitalisat bezeichnet. Im weiteren Sinne wird mit dem Begriff auch der Wandel hin zu elektronisch gestützten Prozessen mittels Informations- und Kommunikationstechnik bezeichnet (siehe unten und Digitale Revolution).

Weiters steht dann als Folge für Unternehmen und betriebliche Abläufe folgendes:

In den betrieblichen Abläufen eines Unternehmens ermöglicht die Digitalisierung eine Effizienzsteigerung und damit eine Verbesserung ihrer Wirtschaftlichkeit. Der Grund hierfür ist, dass Betriebsabläufe durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik schneller und kostengünstiger abgewickelt werden können als dies ohne Digitalisierung möglich wäre.[8] Dies wird beispielsweise durch die Umwandlung von physischen Dokumenten und analogen Informationen in eine digitale Form realisiert. Viele Unternehmen lassen beispielsweise Briefe, die sie in physischer Form erhalten, einscannen und per E-Mail verteilen.[9]

Quelle: Wikipedia

Das sind sehr technische Erklärungen – und damit auch die Sicht von geschätzt 90% aller Unternehmen auf Digitalisierung. Dort wird das Thema in der Regel als lästige und bedrohliche Situation empfunden. Entscheidender als Digitalisierung als „technische Evolution“ ist aber die Disruption und/oder Veränderung der bestehenden Geschäftsmodelle. In letzter Zeit werden beide Aspekte begrifflich gerne auch als Digitalisierung zusammen gefasst. Streng genommen handelt es sich um zwei Schritte in logischer Abfolge. Ich eigne mir gerne an, Disruption als Teil der Digitalisierung zu verstehen.

Je nach Branche wird Digitalisierung gerne beschimpft (Einzelhandel), belächelt (Automobil und Immobilienmakler) oder beobachtet (Finanzen) – in wenigen Fällen auch begleitet (Versandhandel, Musik, Film). In der überwiegenden Mehrheit all das aber wohl nicht freiwillig, sondern aus Zwang, weil sich jeweils ein gewisses Momentum aufbaut. Der Impuls ist in der Regel das „Projekt Digitalisierung“ an die IT Abteilung oder einen „Beauftragten“ (Chief Digital Officer und Co) zu verantworten. Dort eloquent geparkt, wird davon ausgegangen, das sich alles schon richten würde und man bestens für die Zukunft gewappnet ist – aber bitte zumindest niemand mehr nervige Nachfragen stellen möge.

Das ist falsch und extrem gefährlich!

In Wahrheit ist Digitalisierung nur partiell eine Technologiefrage. Natürlich ist der Ursprung technisch – die Konsequenzen haben aber vor allem mit Geschäftsmodellen, Prozessen, Organisation, Hierachie und Führung zu tun. Und eben das macht es so anspruchsvoll und zu einem Thema, das immer das gesamte Unternehmen betrifft. Für das Gros der Unternehmen muss eher gelten: Digitalisierung ist Chefsache! Das alleine schon deshalb, weil Digitalisierung immer mit einer nachhaltigen Veränderung des Status Quo zu tun hat. Das kann weitreichende Konsequenzen haben und stellt im Grunde ein Changeprojekt dar. Das obliegt in der Regel der Verantwortung, aber auch dem Erfahrungsraum des Inhabers/Gründers/Gesellschafters. Ein Angestellter wird in der Regel immer auf „Werterhaltung“ aus dem Status Quo achten, was dem aber letztlich entgegensteht.

Beispiel Kartendienste

Noch um 2000 war es üblich, gedruckte Straßenkarten zu nutzen. Navgiationssysteme wurden ab etwa den achtziger Jahren entwickelt und nutzen zum einen die Steigerung der Computerleistungen, als auch das im Grunde jeder Winkel der Erde durch Satelliten erfasst wird. In den ersten Jahren war computergestützte Navigation allerdings ein echtes Luxusprodukt. Die Geräte waren nur für Spezialbereiche entwickelt (Militär) und die ersten zivilen Versionen waren sehr teuer, wenig funktional und fehleranfällig. Noch um 2000 haben selbst mobile Navigationsgeräte vierstellige Beträge gekostet. Inzwischen ist Navigation auf dem Rechner oder dem Smartphone eine Commodity geworden. Kostenlos in exzellenter Qualität verfügbar. Zusatzinformationen zu Zielen aller Art sind mit den Karten verknüpft, Verkehrsinformationen auf Basis der Crowd in Echtzeit verfügbar. Für den Konsumenten und Nutzer eine unfassbare Erleichterung. Für Unternehmen wie zum Beispiel Falkplan eine dramatische Veränderung des Geschäftsmodells. Man kann nur ahnen, das Falk nicht darauf vorbereitet war. Noch 1990 wurde die Faltung der bekannten Falkpläne von manueller Faltung auf teilautomatisierte Faltung mit einer eigens entwickelten Maschine und eigenem Patent umgestellt. Die braucht man heute wohl nicht mehr so viel.

Jetzt handeln

Die Entwicklungen der Vergangenheit haben gezeigt, das Digitalisierung nicht aufzuhalten ist und die eigentliche „Disruption“ eines Geschäftsmodells schneller passiert, als meistens angenommen. Wer also noch keine Antwort auf die Frage hat, was Digitalisierung für ihn bedeutet und wie darauf zu reagieren ist, der sollte heute anfangen sich damit auseinander zu setzen.

 

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