Digitale Demenz – ich kann es nicht mehr hören

Digitale Demenz – ich kann es nicht mehr hören

  • On 28. November 2012
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Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin ein „Internetfan“ und stehe generell total auf neue Technologien. Ich bin zwar kein klassischer „first mover“, aber finde nahezu jede Entwicklung im technologischen Umfeld erst mal spannend – vielleicht auch weil ich früher gerne Science Fiction gelesen habe und darauf hoffe Zeit meines Lebens noch mal einen echten „Kommunikator“ à la Raumschiff Enterprise in der Hand zu halten.

Unter anderem deshalb schüttelt es mich innerlich jedes mal wieder, wenn „Kritiker“ der Menschheit (oder Teilen von ihr) ewige Verdammnis voraussagen, weil das Internet „so böse“ ist. Internet kann hier gerne auch ersetzt werden durch Killerspiele oder Computerspiele, Facebook, Google, Handys oder jeden anderen digitalen Megatrend, der auf neuer Technologie aufsetzt.

Ich will mich hier jetzt nicht in eine Gegenargumentation verbeißen warum all diese Dinge dann meiner Ansicht nach doch gut sind, bzw. so nicht richtig bewertet werden (Beispiel Killerspiele), denn sonst kann ich gleich ein ganzes Buch schreiben und keinen Blogpost und zum anderen dauert mir das zu lange und führt am Ende wohl ohnehin zu nichts.

Was mich wundert, ist aus welcher Perspektive „Nörgler“ auf diese Megatrends schauen und diese dann bewerten. Besonders ins Herz geschlossen habe ich gerade Manfred Spitzer mit seinem Buch „Digitale Demenz“. Er hat eine Hypothese, das jedwede Computer/Internetnutzung die „Spaßbasiert“ ist, schlecht ist und ferner zu viel Nutzung (er denkt an wenige Stunden in der Woche) und vor allem zu früh (auf jeden Fall nicht vor der Pubertät) schädlich ist. Die Gehirne unserer Kinder verkümmern, weil sie vor dem Computer sitzen – die kommenden Generationen werden vermutlich wieder auf den Bäumen schlafen und sich die Läuse auf dem Pelz zupfen. Solche Schreckensszenarien sorgen dann erst mal für ein schönes Medienecho und schrecken alle auf, die sich in ihrer Erziehnungsrolle unsicher fühlen und retrospektiv die Kindheit eines Menschen der heute selber Kinder hat sicherlich anders, als die seiner Kinder. Und da der Menschen zum glorifizieren neigt, war die eigene Kindheit natürlich besser, wir waren härter und überhaupt alles irgendwie bunter. In Summe halte ich „Digitale Demenz“ für reaktionäre Hetze und empfehle gerne einen Artilel aus der FAZ.

Wir vergessen in Summe bei neuen Technologie gerne, das es zu jeder Zeit „Gefahren“ gibt, die das Leben massiv verändern und vor denen auch unsere Eltern uns damals beschützen wollten. Ich kann mich jedenfalls an die kontroversen Diskussion erinnern, ob ein Farb-TV nun wirklich nötig wäre (Ende der Siebziger), wieviel ein Kind am Tag telefonieren darf und an die Angst meiner Mutter vor den logischer Weise entstehenden Pilzen in meinen Ohren – durch die Kopfhörer von meinem ersten Walkman. Ein paar Jahrzehnte früher haben sich die Menschen noch ganz andere Sorgen gemacht. Als die Eisenbahn erfunden wurde (damals noch mit Geschwindigkeiten um 30 KM/H) warnten Mediziner davor das Körper und Geist dieses Tempo nicht verarbeiten können würden und man sein Leben riskiert wenn man Bahn fährt.

Ich kann verstehen, das man sich bei einem kritischen Umgang mit neuen Technologien immer wieder die Frage stellt, wohin das alles führt und welchen Nutzen es hat. Gerade seitdem ich selber ein Kind habe, sehe ich viele Entwicklung noch mal mit anderen Augen. Allerdings denke ich umso mehr, das es nichts bringen würde, Entwicklung zu verdammen oder zu verbieten. Wie wir aus unser aller Kindheit wissen, erhöhen Verbote ohnehin nur den Reiz und sorgen mit Sicherheit für eines: es wird nicht vergessen. Jeder neu geborene Mensch, bzw. jeder Mensch der in seiner frühen Kindheit mit einer Technologie in Kontakt kommt, wird diese für uns neuen Techniken auch als „natürlich“ empfinden und deutlich unbeschwerter damit umgehen. Dementsprechend kann es nur die Aufgabe der „älteren“ Generation – insbesondere der Skeptiker und Nörgler – sein, Ideen und Konzepte zu entwickeln, wie mit neuen Techniken aus unserer Sicht sinnvoll umgegangen werden kann. Hier können wir versuchen inhaltliche Leitplanken zu entwickeln, in denen sich die Nutzung einer neuen Technologie bewegen kann.

Verbote oder Stigamtisierung (wie bei den Killerspielen) mystifizieren und glorifizieren nur. Deshalb wird es auch so lange Eltern und angebliche Experten wie Herr Spitzer dagegen anjammern auch immer weiter bunte Pixel-Metzelorgien, Facebookmassenparties und anderes geben. Ich hoffe sehr, das ich meiner Tochter anderes vermitteln werde. Einen sehr schönen Artikel dazu hat übrigens Douglas Adams schon 1999 geschrieben – ich finde den kann man heute (2012) quasi noch genau so übernehmen. Danke Douglas.

 

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