Die gedruckte Zeitung stirbt 2033

Die gedruckte Zeitung stirbt 2033

  • On 5. August 2013
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Zunächst einmal: Die letzten 5 Wochen war es ruhig bei mir im Blog. Ursache war zunächst Krankheit, dann Urlaub und dann Geschäftsreise. Und irgendwie habe ich mir dann selber mal eine Auszeit verordnet und den Blog liegen lassen. Aber nun soll es regelmäßig wieder weitergehen.

Trotz Pause beim Schreiben, habe ich sehr interessiert die Entwicklungen rund um Axel Springer und die damit einhergehende Diskussion über die Digitalisierung der Printmedien verfolgt. Springer hatte ja einige der Topmanager zu einem mehrmonatigen „Learning on the job“ ins Silicon Valley geschickt – bei Springer selber heisst das dann „visiting fellows“. Nach der Rückkehr wurde an den Onlineprodukten umgebaut – vor allem an Bild.de. In Summe wurde kolpotiert, das man online nun verstanden hat. Bis hierhin war ich noch nicht recht überzeugt, auch wenn ich den Ansatz mit dem „Silicon Valley Austausch“ für sehr progressiv und gut halte.

Vor wenigen Wochen hat Springer nun aber Teile seines Printprogramms verkauft, für immerhin gut 900 Millionen Euro. 2/3 davon wurden vom Käufer, der Funke Gruppe, sofort bezahlt. Ein ordentliches Sümmchen, das nun in die Digitalisierungsstrategie von Springer einfließen kann. Irgendwo habe ich in einem Kommentar gelesen, das Springer froh sein kann, kommende Problemfälle wie das Hamburger Abendblatt oder die Hörzu, überhaupt los zu werden. Das nun auch noch Funke dafür fast eine Milliarde Euro zahlt, muss wohl schon fast als Glück beschrieben werden. Aktuell machen alle Papiere zusammen wohl noch knapp 100 Millionen Euro Profit pro Jahr – bei einem 10er Multiple auf dem EBIT macht der Kaufpreis Sinn. Spannend zu sehen wird sein, ob die Funke Gruppe dieses Niveau halten können wird. Aus Sicht von Springer finde ich es aber unabhängig davon auch wieder sehr bemerkenswert, das diese etablierten und noch profitablen Produkte veräussert worden sind.

Spätestens jetzt dürfte klar sein, das es Springer wirklich ernst ist mit der Digitalisierung. Aber auch andere Medienunternehmen geben Gas. So fragt der Spiegel heute offen die Leser nach Input und Feedback zu einer sinnvollen Digitalisierung. Sicherlich wird es am Ende nicht exakt so laufen, wie die Leser es vorschlagen: Dennoch drückt es für meinen Geschmack eine gewisse Ratlosigkeit so an die Sammlung von Feedback ran zu gehen; gleichzeitig ist es aber natürlich opportun und auch sinnvoll, den bisherigen Kunden in die Definition möglicher, neuer Produkte einzubeziehen.

Die Debatte über die Zukunft von Printmedien scheint also gerade voll zu entbrennen. Sicherlich nicht zu spät, wenn man bedenkt, das die Zahl der verkauften, gedruckten, Zeitungen um 5 Millionen Exemplare gesunken ist, verglichen mit vor 10 Jahren. Im Vergleich zu vor 20 Jahren existieren 50 Zeitungen weniger und die Branche hat in Summe 1,3 Milliarden Euro weniger durch Werbung erlöst, als noch 2006. Bei alledem ist zu berücksichtigen, das wir hier über eine sich stetig beschleunigende Entwicklung sprechen. Der „Hockey-Stick“ kommt also erst noch in der Zukunft und defniert einen Punkt, ab dem Printmedienprodukte zur Ausnahme geworden sind und nicht mehr die Regel darstellen.

Wird dieser Zeitpunkt wirklich kommen? Ich bin mir sicher, das er kommt. Ich selber kann mir das teilweise zwar nicht vorstellen, aber mit 39 Jahren bin ich auch nur „eingewandert“ ins Neuland. Unsere Kinder sind die echten „digital natives“ und spätestens diese Generationen werden nicht mehr aus Sentimentalität ein Magazin in die Hand nehmen. Die ersten digital natives dürften heute so etwa 10 Jahre alt sein. Ausgehend von der Annahme das man etwa ab 20 Geld für „Zeitungen“ ausgibt, dauer es also noch 10 Jahre, bis diese erste digital native Generation die Abnahme der Printleser beschleunigen wird. Ich denke es wird dann noch etwa 10 weitere Jahre dauern, bis die nachrückenden Generationen die bestehenden Leser in der Summe überholt haben. Von daher würde ich schätzen – grob vereinfacht – das 2033 das Jahr ist, in dem die Printmedien zu Grabe getragen werden. In Summe eine wohl eher optimistische Schätzung aus Sicht der Printmedien.

Schon deutlich eher muss sich jeder Verlag intensiv Gedanken um seine Wertschöpfung im digitalen Umfeld machen. Hier ist ja bisher die Bezahlschranke in Verbindung mit Premiuminhalten favorisiert. Ein Ansatz der aber nur für die wenigsten machbar sein dürfte. Aber dazu würde ich mich dann gerne bei meinem nächsten Eintrag auslassen. Soviel für heute…

 

 

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