Die Bank der Zukunft vs Number26 (vs Mondo)

  • On 17. März 2016
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Mondo wird als Startup pre-Launch mit 5 Mio Pfund finanziert und sammelt 1 Mio Pfund in 96 Sekunden Crowdfunding ein. Number26 hat 100.000 Kunden und sucht nach einem 40 Millionen Euro Invest. Der Grund dafür findet sich in folgender Grafik (Quelle: World Economic Forum)

Bank of the futureDie Grafik zeigt im Grunde nur einen Umstand: In 10 Jahren wird das Gros der Leistungen einer Bank digital erwartet oder vollständig akzeptiert. Das gilt nicht nur für vergleichsweise einfache Produkte, wie ein Girokonto, sondern bis hin zur kompletten Altervorsorge, Vermögensaufbau und Absicherung.

Das ist wenig überraschend, zeigt aber dennoch sehr deutlich, das die digitale Disruption der Bankenindustrie in vollem Gange ist. Kenner der Industrie behaupten oftmals, das Banken strukturell und auch technisch nicht in der Lage sind, auf die Kundenwünsche einzugehen.

In der Konsequenz werden die Banken mehrheitlich nicht in der Lage sein dem Kundenbedürfnis nach gut nutzbaren, digitalen, Produkten nachzukommen. Wer der Meinung ist, das ein gutes Interface ansich kein USP wäre, soll ich einfach mal Apple anschauen. Die optimale Usability ist neben dem ausgefeilten Gerätedesign hier der USP. Warum soll das nicht auch im Bankenbereich maßgeblich sein? Es wird also allgemein davon ausgegangen, das neue Spieler in den Bankenmarkt eintreten und pure-digital Produkte aufbauen. Zwei Beispiele sind Number26 (Berlin) und Mondo (London).

Number26 ist schon einige Zeit im Rennen und sucht momentan wohl nach einem 40 Millionen Euro Invest. Die ersten 100.000 Kunden wurden eingesammelt und das Leistungsangebot der Number26 Lösung kann sich inzwischen besser sehen lassen. Mondo ist noch nicht ganz so weit und bereitet gerade den Marktlaunch vor. Aktuell gibt es wohl 2.000 Betatester, die das Produktangebot unter die Lupe nehmen und bei der Optimierung helfen. Mondo ist bekannt geworden durch das schnellste Crowdfunding aller Zeiten, bei dem in 96 Sekunden 1 Million englischer Pfund eingesammelt wurden. Sehr beachtlich.

Bislang arbeiten beide Unternehmen ohne eigene Banklinzenz und nutzen die Wirecard Bank. Diese ermöglicht eine White-Label-Nutzung der eigenen Banklizenz und lässt sich diesen Service sicherlich anständig bezahlen. Neben dem Umsatz hat die Wirecard sicherlich den angenehmen Nebeneffekt, das das Produkt „Digitale Bank“ gut verstanden wird und sich sinnvolle Entscheidungen ableiten lassen – das wird man natürlich erst in Zukunft erleben.

Number26 stellt in den Unterlagen zur kommenden Finanzierungsrunde die Aussage auf, eine Banklizenz erwerben zu wollen. Das klingt erst mal recht einfach – ist es aber nicht. Um eine Banklizenz erlangen zu können, müssen sehr weitreichende Anforderungen erfüllt werden. Das beginnt im Prozessmanagement, geht über die Durchleuchtung des Managements und handelnder Personen, greift aber auch in die Geschäftspolitik der Unternehmen ein, denn die Finanzministerien führen hier eine recht engmaschige Qualitätskontrolle durch, wie ich in meiner Rolle als non-exec Director eines e-Geld Instituts selber gelernt habe.

So ist die eigene Banklizenz denn auch nicht immer ein zwingender Befreiuungsschlag. Er kann es sein, das Potential muss aber auch entfaltet werden. Darüber hinaus entstehen durch den Besitz einer Banklizenz auch weitreichendere Anforderungen hinsichtlich der Hinterlegung von Sicherheiten. Wenn Number26 also zum Beispiel 40 Millionen Euro als weiteres Kapital einwerben kann, so steht dieser Betrag nicht in Gänze für den Marktaufbau zur Verfügung.

Das führt zu einem anderen, spannenden, Punkt. Number26 hat bislang 10 Millionen Euro investiert und nach eigener Aussage 100.000 Kunden eingeworben. Platt gerechnet sind das 100 Euro pro Neukunde – was sich nach einem wirklich attraktiven Wert anhört. Der eigentliche Betrag wird vermutlich noch deutlich geringer sein, da nicht sämtliches Geld in die Neukundengewinnung geflossen sein wird. Ich schätze mal, das die echten Kosten je Neukunde momentan bei 50 – 70 Euro liegen. Das ist schon extrem preiswert – etablierte Banken bieten Neukunden meist schon ein Werbegeschenk von 25 – 100 Euro an, neben den eigentlichen Kundengewinnungskosten. Nach dem was ich bisher gehört habe, kalkulieren viele Banken mit 200 – 300 Euro Kosten je Neukunde. Allerdings sind 100.000 Kunden auch noch nicht wirklich viel. Etliche „early adpoter“ werden sich selbständig angemeldet haben, die dauerhaften Kundengewinnungskosten werden deutlich höher liegen. Das ein Delta zu Gunsten von Number26 bestehen bleibt, scheint aber wahrscheinlich.

Was bedeutet das nun aber? Ich gehe davon aus, das Angebote wie Number26 sich dauerhaft etablieren können und zu einem Wettbewerber für die bestehenden Großbanken werden können. Es gibt sicherlich noch etliche Klippen die umschifft werden müssen, aber es kann klappen. Und wenn es nicht Number26 wird, dann wird es ein vergleichbares Unternehmen werden. Allerdings bin ich auch der Ansicht, das Number26 noch keine wirkliche Innnovation ist und erst recht keine Disruption – dieser Schritt steht im Bankenbereich noch aus und es stellt sich vielleicht auch die Frage, ob das überhaupt machbar ist.

Die größe Gefahr für Number26, Mondo und wie sie alle heißen mögen, sind sicherlich die „schnelleren“ der etablierten Banken. Die Wirecard Bank ist heute der technische und bankseitige Nukleus für Number26 und Mondo, selber aber auch eine Bank. IngDiba und Comdirect bieten meiner Meinung nach auch sehr gute Bankenanwendungen via Web und mobile und haben gleichzeitig ein umfangreicheres Produktangebot und im Falle der Comdirect einen exquisiten Kundenservice. Diesen Playern traue ich durchaus zu, sich einen maßgeblichen Teil der kommenden Marktverschiebungen einzuverleiben Es wird spannend bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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