Der perfekte Gründer – oder warum Deutschland nicht „Neuland“ kann

Der perfekte Gründer – oder warum Deutschland nicht „Neuland“ kann

  • On 7. September 2015
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Der Spiegel arbeitet sich in einem heute erschienen Artikel mal wieder auf der Gründerfrage ab. Also der Fragestellung, was einen guten Gründer ausmacht. Als ich das so gelesen habe, habe ich überlegt, was meiner Meinung nach einen guten Gründer auszeichnet und wenn man dazu am grübeln ist, ist es nicht weit zu der Fragestellung, warum es in Deutschland kein Facebook, Google oder Tesla gibt – Liste wäre beliebig fortzuführen.

Einen Aspekt beleuchtet der Spiegelartikel sehr gut, finde ich. Nämlich den Umstand, das die meisten Gründer aus Deutschland, die hier bekannt sind, etliche Ähnlichkeiten aufweisen. Abschlüsse an privaten Ökonomie Kaderschmieden. Gerne unter 30 Jahre, keine Familie oder nur eine solche mit untergeordneter Rolle, volle Einsatzbereitschaft, kopiertes Geschäftsmodell. Bildungshintergrund, Aufgaben, Erfahrungen und ähnliches werden also mehr oder weniger vergleichbar sein und so wundert es auch nicht, das Aussagen und Statements der Gründer eine gewissen Austauschbarkeit haben. Der Spiegel stellt die These auf, das das Deutsche Startup Feld im weitesten durch die Samwer Brüder und Rocket Internet dominiert wird – das halte ich für eine recht steile These; dennoch kann man konstatieren, das in den meisten Fällen die Samwers als Blaupause dienen dürften. Erfolgreiche Gründer aus Deutschland kopieren Vorbilder, die zumeist aus USA stammen und optmieren und transformieren das Geschäft auf lokale Verhältnisse. Von hier aus, findet dann wiederum idealer Weise ein Roll-Out in die Welt statt. Beispiele gibt es genug: Zalando, Westwing, Home24, Kreditech, Goodgames, etc.

Wer ein Unternehmen wie beispielsweise Zalando auf die Beine stellt, verdient erst mal vor allem zwei Dinge: Anerkennung und Respekt. Ich habe selber mehrfach gelernt und erlebt, wie fordernd und komplex es ist, ein operativ starkes Unternehmen aufzubauen. Der reine Umstand das ein Businessmodell kopiert wird, bedeutet nicht, das es einfach wäre. Insofern stellen die Leistungen dieser Unternehmen etwas besonderes dar und ich finde es nicht vermessen,  auf ein Rocket Internet (zum Beispiel) stolz zu sein. Wer hat schon ein Unternehmen im Land, das in der Lage ist, in dieser Art und Weise neue Gründungen ins Rennen zu schicken und Geld einzusammeln.

Dennoch führt das indirekt zum nächsten Aspekt von „Gründen in Deutschland“. Den Kapitalgebern. Wer mit verschiedenen VCs und anderen Investoren gesprochen hat, wird erlebt haben, das auch hier Gleichförmigkeit vorherrscht. Es werden die gleichen Metriken angewendet, die gleichen Fragen gestellt, die gleichen Geschäftsmodelle bevorzugt und die gleichen Typen gesucht. Geld soll investiert werden, allen ist bewusst, das es im Schnitt nur 1 von 10 Unternehmen schafft, dennoch versuchen sich alle in einer effizienten Risikominimierung. Und mir scheint, das können die deutschen Investoren in der Regel dann auch sehr gut – Risiko minimieren, Effizienzen heben; was letztlich aber auch zu einer Vergleichbarkeit der Ansätze führt und es dann wieder nicht verwundert, wenn die Ergebnisse und die finanzierten Unternehmen etliche Ähnlichkeiten aufweisen.

Vergleichbare Investoren fördern also vermutlich vergleichbare Köpfe hinter den Unternehmen. Und alle wollen vor allem zwei Dinge: Geld verdienen und nicht scheitern- also nicht im Großen. Letztlich zwei Dinge die mir genau so gehen. Ich möchte auch gerne Geld verdienen und nicht scheitern. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus, für den der bereit ist wirklich neue Wege zu gehen. Und das scheint mir auch ein klares Unterscheidungsmerkmal zu den bekannten Beispielen aus den USA zu sein. Ein paar Beispiele?

Apple: etliche male gescheitert, wirtschaftlich schon fast tot und im letzten Moment mit einem radikalen Schnitt und vollem Risiko zu dem geworden, was Apple heute ist. Die größte Gelddruckmaschine dieses Planeten.Schwer vorstellbar, das hier die entscheidenden Manager den gleichen Mut aufgebracht hätten.

Facebook: ohne relevantes Geschäftsmodell – nur mit einer groben Idee ausgestattet. Die Doktrin war die ersten Jahre nur Wachstum in der Community. Noch bis 2010 wurde oft geunkt das Facebook nie wirklich Geld verdienen würde. Ich frage mich schon, wer wäre in Europa bereit ein solches Modell zu finanzieren?

Amazon: bis heute nicht nachhaltig profitabel, gegründet von einem 40+ jährigen.

Neben einer meiner Meinung nach anderen Risikobereitschaft, zeichnet diese Personen oftmals auch aus, das sie anders zu ihren Produkten stehen. Die Passion gilt dem was verkauft wird, dem Unternehmen ansich. Wer echte Begeisterung für ein Produkt empfindet, wird auch mit seinem Unternehmen erfolgreich und vermutlich auch entsprechend Geld verdienen. Ein Ansatz den ich teile: Echte Begeisterung für ein Produkt kann zu etwas besonderem führen. Das kann, muss aber nicht, die Grundlage auch für wirtschaftlichen Erfolg sein. Wenn es das nicht ist und man scheitert, muss man bereit sein aus dem Staub wieder aufzustehen.

Deutschland täte es sicherlich gut, im Umfeld der Unternehmensgründungen scheitern mehr als einen Teil einer Entwicklung zu verstehen. Nur wer etwas probiert, kann auch scheitern. Und nur wer probiert, wird irgendwann Erfolg haben. Je autarker und freier ich mich hieer verhalte, desto größer das Risiko, aber auch die Chancen.

Eines zum Schluß noch: Ich schreibe hier nur über Digitalunternehmen, Onlinefirmen. Der Spiegel auch. „Special Interest“ Seiten wie zum Beispiel „Gründerszene“ und „Deutsche Startups“ auch. Warum eigentlich? Was ist mit den Gründen in allen übrigen Industrien? Sind wir nicht eigentlich immer noch bekannt für unseren Erfinderreichtum im Maschinenbau und vielen anderen Industrien? Es ist schwer vorstellbar, das es hier nicht berichtenswertes gibt. Ein Unternehmen wie Tesla würde bei uns vermutlich lange brauchen, bis es überhaupt erst in der öffentlichen Wahrnehmung auftaucht.

 

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