Der Goodgame Studio Skandal – Nachklapp

Der Goodgame Studio Skandal – Nachklapp

  • On 2. Dezember 2015
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Zumindest ist es ein kleiner Skandal. Die Goodgame Studios (kurz GGS) haben sich vor kurzem von gut 40 Personen getrennt. Zunächst nicht sonderlich bemerkenswert, bei weit über 1.000 Angestellten in der volatilen Spielebranche. Heikel wird es durch den Vorwurf, das alle betroffenen Mitarbeiter entweder einer Gruppe angehören die einen Betriebsrat gründen wollte, oder ansonsten auch durch eher kritische Beiträge aufgefallen sind. Es besteht also der Verdacht, das „unbequeme“ Mitarbeiter Mundtot gemacht werden sollen und die Gründung eines Betriebsrates verhindert werden soll. GGS argumentiert, das die betroffenen Mitarbeiter Leistungsdefizite aufgewiesen hätten. Es mag zumindest fargwürdig erscheinen, das es scheinbar solch eine starke Überlappung zwischen vermeintlichen Lowperformern und „unbequemen“ Personen gibt. Berichte dazu siehe hier und bei Kununu kann man sich bei Interesse den Shitstorm der Mitarbeiter anschauen. Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, das die betroffenen Mitarbeiter bei einem Arbeitsgerichtsverfahren Recht bekommen werden und dann entsprechende Abfindungen fällig sind – Masochisten könnten auf Wiedereinstellung klagen.

Es ist unstreitig, das die Vorgehensweise entweder wenig diplomatisch ist, eventuell aber eher unethisch und der Versuch einer Einschüchterung. Was von allem es ist, werden andere herausfinden. Ich möchte mich mit der Frage beschäftigen, was die Motive sein könnten und wie zielführend die Vorgehensweise dabei sein kann. Das finde ich hier sehr spannend, das GGS bislang eigentlich immer sehr rational und kalkulierend vorgegangen ist. Schwer vorstellbar, das hinter der aktuellen Aktion ein kopfloser Aktionismus steckt.

Motiv: Störende Mitarbeiter ruhig stellen, Betriebsrat verhinden

Hier wurde ein Exzempel statuiert. „Seht her – wer widerspricht, fliegt raus.“ Das wird mit Sicherheit seine Wirkung haben. Je abhängiger die Mitarbeiter von einem regelmäßigen Einkommen sind, desto eher wird das dazu führen, das sich Menschen einbremsen lassen. Auch der „Wunsch“ einen Betriebsrat gründen zu wollen, wird vermutlich anders betrachtet werden. Wie in all solchen Situationen, kann der natürliche Lauf der Dinge damit aber nicht dauerhaft aufgehalten werden. Widerspruch wird sich also dennoch seinen Weg bahnen – nur verzögert, dafür dann vermutlich umso deutlicher. Einen Betriebsrat wird es vermutlich auch irgendwann geben – spätestens wenn die Vorfälle vor dem Arbeitsgericht landen, denn die Behinderung einer Betriebsratswahl ist strafbar. Da wäre es dann hilfreich, wenn inzwischen ein Betriebsrat eingerichtet wurde. Als „Nebeneffekt“ werden aber diejenigen, die unzufrieden waren und gehört werden wollten gehen, wenn sie die Chance haben. Das wird vermutlich auch die Mitarbeiter betreffen, die vielleicht gehalten werden sollen.

Meiner Einschätzung nach wird das Motiv also zunächst realisiert – aber nicht dauerhaft und es wird vermutlich ein hoher Preis in Form von „brain drain“ bezahlt werden.

Motiv: Mitarbeiterzahl reduzieren, Kosten senken

Als Erweiterung des ersten Motivs wäre vorstellbar, das GGS den Mitarbeiterbestand deutlich reduzieren will. Nehmen wir mal hypothetisch an, das GGS verkauft werden soll. Hier wird die „Braut“ üblicher Weise noch mal aufgehübscht. Bei GGS stellen die Personalkosten trotz geringer Durchschnittsgehälter einen sehr relevanten Posten dar. Wenn es gelingt hier binnen kurzer Zeit 50% der Mitarbeiter zu offboarden, geht das vermutlich eher zu Lasten der künftigen Releasepipeline und weniger zu Lasten der laufenden Erlösbringer. So könnten Kosten reduziert und Gewinne maximiert werden. Sobald dies gut eingephast ist, findet der Exit statt. Der Umstand das dieses Offboarding sukzessive stattfindet hilft hierbei sogar, da die Ergebnisse qurtalsweise zulegen werden und sich ein kleiner Hockeystick abzeichnet. Das mögen besonders Finanzinvestoren gerne.

Wenn dies die Absicht ist, macht das Vorgehen Sinn und wird vermutlich helfen, die hier beschriebenen Ziele zu erreichen. Es gibt keinen Betriebsrat der beim Exit stört, da er mitreden will. Ein paar Mitarbeiter bin ich sofort „los geworden“, mehr werden vermutlich eigeninitiativ folgen und in 1 – 2 Jahren will ich ohnehin verkauft haben.

Risiko hierbei: Die möglichen Käufer verstehen den Schachzug und steigen deshalb aus.

Motiv: Leistungsschwache Mitarbeiter aus dem Unternehmen drängen

Nehmen wir mal an, die betroffenen Personen wären nach Ansicht von GGS wirklich Lowperformer. Dann würde sich das Unternehmen auf diese Weise dieser schnell und eindeutig entledigen. Gleichzeitig findet eine klare Botschaft statt. Andere Lowperformer fühlen sich vermutlich stärker beobachtet. Das Ziel wäre kurzfristig betrachtet erreicht.

Allerdings ist Angst immer ein schlechter Motivator und mit ziemlicher Sicherheit, wird sich das Szenario ins Gegenteil verkehren. Echte Highperformer wollen unter solchen Bedingungen nur selten arbeiten und werden das Unternehmen verlassen. Die Lowperformer haben keine echten Optionen und verbleiben überproportional. Dauerhaft also: Ziel nicht erfüllt.

Hier wäre noch anzumerken: Das sind reine Hyopthesen. Ich kenne niemanden der Betroffenen bewusst und kann nichts über Gründe oder Arbeitsleistung sagen.

In jedem Fall erscheint auch bei genauerer Beleuchtung der Schritt der Entlassungen wenig zielführend und dürfte perspektivisch einen deutlich größeren Schaden anrichten, als „lediglich“ die nun anstehenden Kosten für Abfindungen und Rechtsstreitigkeiten. Von Außerhalb betrachtet wenig passend für GGS. Vielleicht war es doch nur ein „Unfall“.

 

 

 

 

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