Amazon wird zum Monster

Amazon wird zum Monster

  • On 12. Mai 2016
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Und das meine ich an dieser Stelle positiv. Amazon wurde lange von Shareholdern vorgeworfen, das es zwar sehr innovativ wäre und der Umsatz steil wachsen würde, die Profitabilität jedoch nicht mit skaliert. Das hat sich in den letzten zwei Quartalen geändert:
Infografik: Amazon mit Rekordgewinn | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Die Zeit von q1/2011 bis q3/2015 kann man wohl als Vorlaufphase verstehen. Das vierte Quartal ist Dank Weihnachtswahnsinn traditionell stark für Amazon. Doch in Q1/2016 hat Amazon mit einem Gewinn von 513 Millionen US Dollar den Vogel abgeschossen. Die Aktie ist im Nachgang auf eine neues Alltime-High bei gut 700 Euro geklettert und AMZ wahnsinnige 331 Milliarden US Dollar wert! Das ist etwa so viel wie Volkswagen, Bayer, SAP, Siemens und BASF zusammen an der Börse wert sind. Das aber mal nur am Rande.

Woher kommt diese Gewinnexplosion? Zum einen aus dem Gedanken der Plattformökonomie – dazu hatte ich hier schon was geschrieben. AMZ versteht sich nicht als reiner „Reseller“ einer Ware, sondern bietet zahlreiche Wertschöpfungsmodelle an, immer mit dem Stoßrichtung dem Endkunden einen möglichst perfekten Einkauf zu bieten. Eine Konsequenz ist das Marktplatzmodell, das heute mit Fullfillment by Amazon (kurz FBA) schon einen Großteil der Angebote auf AMZ ausmacht.

Zum anderen setzt Amazon aber auch auf eine abstrakte Wertschöpfungsstrategie und entwickelt immer wieder aus entwickelten Leistungen neue Produkte. Hier sind auch wieder FBA und die Amazon Cloud zu nennen. In beiden Fällen wurden Leistungen die Amazon für sich selber entwickelt hatte, auch Dritten zugänglich gemacht. Für den letzten Gewinnanstieg soll vor allem da Cloudangebot mit verantwortlich sein, da die Nutzung im Vergleich zum Vorjahr um über 60% zugelegt hatte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist aber auch die Kundenbindung. Mit Amazon Prime hat AMZ ein Modell eingeführt, das Kunden eng an das Unternehmen bindet. Von 60,1 Millionen Onlinenutzern in Deutschland, haben etwa 51 Millionen schon mal bei Amazon eingekauft. 43,9 Millionen Menschen in Deutschland bestellen regelmäßig bei Amazon – darunter wird hier verstanden, das mehr als eine Bestellung im Jahr stattfindet. Das alleine ist schon eine extrem starke Durchdringung. Richtig heftig ist aber, das 17,1 Millionen dieser Nutzer Prime Kunden sind. Ein Prime Kunde bestellt in 9% dieser Fälle mehrmals pro Woche bei Amazon – also 1.539.000 Nutzer aus Deutschland bestellen mindestens zwei mal in der Woche bei Amazon – digitale Produkte sind hier inkludiert. Immerhin 61% der Primekunden bestellt mehrmals pro Monat bei Amazon und nur 3% der Primekunden scheinen das Abo vergessen zu haben und bestellen seltener als einmal pro Jahr (alle Daten von Statista).

Was ich hier besonders bemerkenswert finde ist, das Prime nicht kostenlos angeboten wird, sondern 49 Euro pro Jahr kostet. Das Nutzenpaket, das man erhält, hat sich stark erweitert in den letzten Jahren. Die Highlights sind wohl der kostenlose Versand am Folgetag (wird aktuell in Metropolen auch auf Sameday ausgeweitet), kostenloser Zugang zu Music, Video und Books on Demand und ungebrenzter Cloudspeicher für Fotos. Trotzdem ist es schon bemerkenswert, das im Internet, verschrien für seine Billigkultur, so viele Menschen bereit sind, für einen extra guten Service so viel Geld zu bezahlen. Denn das größte Hemniss für eine Mitgliedschaft bei Prime ist, das die übrigen Kunden in der Regel den Standardservice als „ausreichend gut“ bewerten. Ganz nebenbei schafft Amazon es durch die Medieninhalte, besonders junge Kunden an sich zu binden. 42% aller Primekunden sind jünger als 24 Jahre – die kommenden Shopper-Generation sind also schon fest in Amazon Hand.

Amazon hat lange daran gearbeitet, viele strategisch nachhaltig relevante Themen aufzugleisen. Entstanden ist ein Unternehmen, das mittels Plattform den Endkunden an sich bindet, mit Serviceangeboten begeistert und so besonders hohe Customer Values generieren kann. Wenn möglich werden Services ausgelagert und als Netzwerkwertschöpfungsmodelle mit angeboten, weshalb Amazon nicht nur Reseller, sondern auch Logistikdienstleister, Cloudanbieter, Plattformbetreiber und vieles weiteres geworden ist. Die Karten scheinen aufzugehen und Amazon entwickelt sich zum eCommerce-Monstrum.

 

 

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