Amazon, Amazon, Amazon über alles

Amazon, Amazon, Amazon über alles

  • On 12. Dezember 2016
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Schon 2014 war Amazon um ein vielfaches größer als alle übrigen Online Shopanbieter in Deutschland. Damals hatte Amazon mit etwa 13,37 Mrd€ Nettoumsatz etwa Faktor 5,7 von Otto (2,34 Mrd€) und Faktor 15 von Zalando (0,87 Mrd€) (Quelle). Aktueller Zahlen habe ich bisher nicht gefunden, denke aber, das das Größenverhältnis im Weitesten noch intakt ist – Zalando wird vermutlich überproportional gewachsen sein, aber dennoch klare Nummer drei in Deutschland.

Oft wird das Wachstum von Amazon auf niedrige Preise und die (vermeintliche?) Ausbeutung in der Logistik geschoben. Die Logistik betreffend sei mal dahingestellt, ob dem wirklich so ist und wie es bei den übrigen Anbietern aussieht. Bei den Preisen ist Amazon sicherlich günstig, aber nicht immer der günstigste. Mir scheint Innovation wichtiger, wenn es um Größe geht.

Ein wichtiger Baustein ist für Amazon inzwischen der Marketplace. Von den 13,37 Mrd€ Umsatz hat Amazon „lediglich“ 7,11 Mrd€ selber erwirtschaftet. Der Rest wurde durch die Marketplace Händler umgesetzt, die Amazon als Vertriebsplattform nutzen. Etwa 65.000 Anbieter verkaufen so unter dem Amazon Logo selber Ware. Andere Modelle wie die Cloud (AWS) sollen hier unberücksichtigt bleiben, da ich mich gerne auf den reinen Handel fokussieren möchte. Amazon legt neue Innovationen in beeindruckender Regelmäßigkeit vor. Nun gibt es gleich mal wieder zwei Neuerungen.

AMAZON GO

Zum einen hat Amazon mit „Amazon Go“ einen Showcase für ein neuartiges „real store checkout“ System vorgelegt.

Der Clou ist, das der Nutzer des Ladens sich zu Beginn auhorisiert und danach alle Produkte einfach „einsteckt“. Wenn er den Laden verlässt, werden die Produkte über seinen Amazon Account abgerechnet – eine Kasse gibt es nicht mehr. Der Showcase ist aus den USA und bedient aktuell nur Amazon Mitarbeiter. Es ist also sicherlich kein bevorstehendes Erdbeben zu erwarten und der Hype zu dem Video der letzten Tage ist IMO etwas „oderdone“. Und sollten solche Store Konzepte wirklich realisiert werden, bliebe abzuwarten, ob dies einen positiven Effekt haben würde. Die Kasse tut ja in der Regel noch etwas mehr, als nur Ware abkassieren. Aber dennoch: Es ist beeindruckend, das Amazon nun der erste Anbieter ist, der eine echte Innovation im Einkaufsprozess im Laden vorstellt. Kein Walmarkt, kein Tesco, kein Rewe oder Edeka – Amazon hat den Prototypen für diese Disruption gebaut. Und es geht auch weniger um den Wegfall der Kasse, sondern darum, immer wieder neue Touchpoints und Kanäle zum Kunden aufzubauen. Amazon nähert sich immer wieder neu, auf spielerische Weise, dem Kundenkontakt und denkt die Interaktion mit dem Kunden neu. Manchmal resultiert daraus ein schlagkräftiges neues Produkt wie zB Amazon Prime, mal etwas mit unklarer Perspektive (Dash Button) und manchmal wird es auch ein Flop (vielleicht Amazon Go?). Klassischen Retailanbietern täte ein ähnlicher Wille zum Testen und Lernen sicherlich auch gut.

AMAZON Business

Ist bei Amazon Go die Wertschöpfung noch unklar, ist diese bei „Amazon business“ unzweifelhaft gegeben. Die „Innovation“ ist geringer – die Sensation kaum spürbar – der EBIT Effekt wird vermutlich immens sein. Es handelt sich um einen b2b Marktplatz (ja, wer hätte das gedacht), der es Unternehmen erlaubt auch über Amazon einzukaufen. Das machen heute ohnehin schon viele Unternehmen (besonders Klein- und Mittelunternehmen). Mit dem nun gelaunchten Service wird es aber in Summe extrem attraktiv Amazon für den Unternehmenskauf zu nutzen. In den USA (hier wurde der Service schon in 2015 gelauncht) gibt es über 11 Millionen Artikel im Sortiment. Auch hier dürften es bald ein paar Millionen sein. Rechnungskauf, Mitarbeiterverwaltung, Rechteverwaltung, Budgets und Limits – alles kann eingestellt werden. Da Amazon als Interface wohl fast jedem Online Nutzer bekannt ist, fällt der Einkauf jedem leicht. Das Unternehmen selber kann die Einkäufe optimal kontrollieren, dokumentieren und auswerten. In der Tat scheint der Service „vom Kunden her“ gedacht zu sein und wird vermutlich sehr erfolgreich werden können.

Letztlich wundert es mich nicht, das Amazon sich mit Abstand an der Spitze im Onlineumsatz hält. Die Services von Amazon sind oftmals wirklich bestechend hilfreich und sinnvoll. Das Interface muss man nicht immer mögen – mehrheitlich funktioniert es aber sehr gut, was für sich auch schon wieder beeindruckend ist, wenn man sich die Größe von Amazon bewusst macht. Ich bin sehr gespannt zu sehen, was bei Amazon Business passieren wird.

 

 

 

1 Comments

Jens
Interessant. Obwohl ich massiv im Amazon-Universum bin, habe ich doch Amazon Go nicht richtig mitbekommen. Aber von der Logik her ist es schon etwas zweifelhaft, warum man die Produkte in normalen Supermärkten erst in den Wagen reinlegt, dann wieder raus tut und wieder reinlegt... es liegt nahe, das hier früher oder später etwas passieren musste.

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