Künstliche Intelligenz wird schlauer als Du es glaubst

  • On 15. März 2016
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Vor wenigen Wochen noch hat man allgemein vermutet, es würde noch etwas dauern, bis „AlphaGo“ Lee Sedol in Go schlagen kann, siehe auch hier. Nun ist es aber bereits passiert.

AlphaGo ist die „KI“ von Alpha (dem Google Mutterkonzern) und Lee Sedol der momentan vermutlich beste, menschliche, Go Spieler der Welt. Das ist deshaln besonders erwähnenswert, weil Go im Hinblick auf Facettenreichtumn deutlich tiefer ist als Schach – also komplexer. Und zum anderen ist „AlphaGo“ eine Software die rein theoretisch auf jedem besseren Standardcomputer laufen kann – anders als die Situationen wo in der Vergangenheit ein spezialisierter Schachcomputer gegen einen Menschen gewonnen hat. Die Schachcomputer haben ihren Spielvorteil zudem aus einem großen Datenschatz gezogen. Es gab im Grunde zu jeder Spielsituation vergleichbare Züge in einer Datenbank, sodass sich der Computer den best möglichen Verlauf aussuchen konnte und diesen genutzt hat. Der Computer hat also auf Basis alter Daten immer den best möglichen Zug machen können. Im Falle von AlphaGo hat die Software aber selber gelernt und sich einen eigenen Spielstil angeeignet. Das Spielverhalten von AlphaGo soll einzigartig sein und daher besonders bemerkenswert. Einfacher gesagt: Die KI hat sich selber trainiert und etwas neues geschaffen!

Das ist wirklich faszinierend und zeigt an einem physischen Beispiel, das Technologie bereits heute in der Lage ist, komplexe Sachverhalte lösen zu können und dabei eigene Wege zum Ziel zu finden. Das korreliert zu einem Artikel in der März 2016 Ausgabe von BrandEins – leider noch nicht verlinkbar – „Wir haben eine historische Chance“; ein Interview mit Albert Wenger.

Kurz gesagt stellt Wenger die These auf, das Computer, Roboter, bald schlauer sind als Menschen und eigene Wege der Problemlösung entwickeln. Dieser Fortschritt versetzt die Menschheit dann in die Lage, die wirklich großen und übergeordneten Probleme in Angriff zu nehmen und zu lösen, beispielsweise Umweltverschmutzung und Treibhauseffekt, Krankheiten, Hunger, soziale Ungleichhheit etc. Als Teilergebnis der Automatisierung entsteht schrittweise eine Gesellschaft, in der der Mensch nicht mehr selber tätig sein muss, bzw. kann, um Grundbedürfnisse abzudecken. Als Rückschluss ermuntert Wenger nicht mehr „Arbeit“ als Performanzindikator zu nutzen, sondern andere Dinge zu bewerten und allen Menschen die Grundversorgung kostenfrei und ohne Bedingungen zur Verfügung zu stellen: Wohnraum, Nahrung, Information, Medien, Computer.

Ich bin ein Fan der Idee des Grundeinkommen und überzeugt davon, das die Digitalisierung unsere Arbeitswelt nachhaltig verändern wird. Daher kann ich mich mit den Aussagen von Albert Wenger (oder auch Karl-Heinz Land 1, 2) gut anfreunden. Gerne werden solche Visionen (oder hier auch Utopie?) als „Spinnerei“ betrachtet. Der Umstand, das Maschinen Menschen nicht nur das beispielsweise Termine erinnern oder Auto fahren abnehmen können, sondern auch die Existenzversorgung und die Kreativität, wird gerne verweigert. Der Erfolg von AlphaGo zeigt allerdings deutlich, das wir uns technologisch schon dichter an diesem Punkt befinden, als es den meisten Menschen bewusst und vermutlich auch lieb ist. Die Entwicklung, das ein Computerprogramm einen eigenen Lösungsweg findet, den besten bekannten Spieler im komplexesten Brettspiel der Welt zu schlagen, ist ein Weckruf für Automatisierung und Robotik. Die Entwicklung verläuft bekannter Maßen ja auch nicht linear, sondern exponentiell und wir werden in den kommenden 10 – 15 Jahren erleben, das viele Berufe durch Maschinen ersetzt werden können, von denen wir uns das heute niemals vorstellen können würden.

Es wird nicht möglich sein, diesen Fortschritt aufzuhalten – ob es sinnvoll wäre, ist eine andere Frage. Denn auf der Chancenseite steht, das diese neuen Technologien uns helfen können die Probleme zu lösen, die unsere Existenz bedrohen. Auf der Risikenseite steht allerdings der Übergang. Nur wer versteht, welche Auswirkungen Digitalisierung haben wird und was die Konsequenzen hieraus sein werden, ist auch in der Lage sich adäquat mit dem Thema zu beschäftigen. Sich nicht damit auseinander zu setzen, erscheint dabei wenig hilfreich und zielführend.

 

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